Volksstimme: Nach dem Osterfest waren Sie für drei Tage in Afghanistan. Wo waren Sie genau und welche Eindrücke konnten Sie in der Zeit Ihres Aufenthaltes sammeln?

Marcus Faber: Wir waren im Camp Marmal in Masar-i-Scharif im Norden des Landes und in der Hauptstadt Kabul. In der kurzen Zeit haben wir trotzdem viele Gespräche mit den deutschen Soldaten geführt. Sie sind sehr bemüht, ihren Auftrag, also die Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte, so gut wie möglich zu erfüllen. Darüber hinaus war es sehr interessant, die Zusammenarbeit der im Camp zu beobachten. Immerhin sind dort 22 Nationen vertreten. Gespräche mit einheimischen Politikern standen ebenfalls auf dem Programm.

 

In der Vergangenheit wurden in Deutschland immer wieder Zweifel an der Präsenz der ausländischen Truppen im Land angemeldet und die Sinnhaftigkeit des Einsatzes hinterfragt. Wie erleben die deutschen Soldaten diese Diskussion?

Nach meinem persönlichen Erleben sind unsere Einsatzkräfte von ihrem Tun überzeugt. Sie erachten den Einsatz definitiv als sinnvoll. Umso mehr, weil sie einen Lernerfolg bei den von ihnen ausgebildeten Polizisten und Soldaten erkennen. Sie wünschen sich allerdings, dass ihre Tätigkeit in der deutschen Öffentlichkeit besser wahrgenommen wird.

Bis zu welchem Grad ist die afghanische Armee überhaupt in der Lage, für Sicherheit zu sorgen?

Dazu muss man sagen, dass die Ausgangslage für die Sicherheitskräfte zur Zeit sicherlich nicht die beste ist. Im Prinzip ist die Armee immer noch im Aufbau befindlich. Hinzu kommen geografische Gegebenheiten. Manche Teile des Landes können schlicht nicht kontrolliert werden, weil die Truppe personell zu schlecht ausgestattet ist. Momentan sind die Afghanen kaum in der Lage das Land zu befrieden.

Dennoch ist die Anwesenheit ausländischer Truppen in Teilen der Bevölkerung sehr umstritten.

Das mag sein. Aber die große Mehrheit der Afghanen hat genauso die Nase voll vom Krieg und der Gewalt. Die Kriegsmüdigkeit und die Sehnsucht nach Stabilität sind deutlich spürbar. Insbesondere bei der jüngeren Bevölkerung. Und wir sprechen hier über ein Land mit einem Durchschnittsalter von knapp 18 Jahren. Deshalb werden die Fortschritte der vergangenen 18 Jahre sehr wohl wahrgenommen. Dass beispielsweise die Stromversorgung viel besser geworden ist, dass ein Funknetz für Handys aufgebaut worden ist und die Lebenserwartung gestiegen ist. Das wäre ohne die Nato nicht vorstellbar.

In der vergangenen Woche fanden wieder Friedensgespräche zwischen den Vereinigten Staaten und den Taliban statt. Ist das angesichts deren mehr als problematischer Vorgeschichte überhaupt vertretbar?

Vor dem Hintergrund, dass die Taliban fast 40 Prozent des Territoriums des Landes kontrollieren, ist eine andere Lösung kaum denkbar. Wer das Land befrieden möchte, muss mit den Taliban ins Gespräch kommen. Zumal es auf deren Seite pragmatischere Vertreter als in der Vergangenheit gibt. Da haben gewisse Veränderungen stattgefunden. Es sind nicht mehr alle so extrem ideologisch aufgeladen wie es früher einmal der Fall war.

Am Ende des vergangenen Jahres machten Meldungen über einen Abzug der amerikanischen Truppen die Runde. Würde der Einsatz der Nato ohne deren Präsenz überhaupt noch Sinn ergeben?

Es ist richtig, dass in den USA eine Reduzierung der Truppen im Gespräch ist. Ebenfalls soll die Zusammensetzung des Kontingents verändert werden. Von einem Abzug war bisher nie die Rede. Klar ist allerdings: Die Bundeswehr bleibt nur, wenn die Nato bleibt. Das steht fest.

In der FDP war die Verlängerung des Bundeswehr-Mandats im März durchaus umstritten. Manch ein Mitglied der Bundestagsfraktion trat offensiv dafür ein, dagegen zu stimmen. Wie haben Sie sich in der Diskussion positioniert?

Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich das Mandat als total sinnvoll erachte. Vor allem vom Ansatz, nur noch auszubilden und nicht mehr selbst in den Einsatz zu gehen, bin ich absolut überzeugt. Dieser legt die Grundlage , dass die Afghanen in Zukunft selbst für ihre Sicherheit sorgen werden. Und so muss es im Endeffekt auch sein.