Stendal l Joanna Sannemann hat die Geschichte der Stendaler Volkshochschule schon das ein oder andere Mal erzählt. Und doch fördert sie immer wieder Staunenmachendes zutage. Wer hätte zum Beispiel gewusst, dass die Volkshochschulen zu ihrer Gründungszeit Bestandteil der Weimarer Verfassung waren? In Artikel 148 war festgeschrieben, dass sie „von Reich, Ländern und Gemeinden gefördert werden“ sollten. Überraschend auch zu hören, dass man in den ersten Jahren der Stendaler Volkshochschule in Raum 8 des Rathauses gehen musste, um sich für Kurse anzumelden.

Haus mit Geschichte

Oder wer würde ahnen, dass sich im heutigen Chefbüro in der Hallstraße 35 einst das Schlafzimmer einer Familie befand und Joanna Sannemann einmal im Gespräch von einer Frau erfuhr: „Hier bin ich geboren.“ Das Fachwerkhaus, in dem sich die Stendaler Volkshochschule seit 1990 befindet, hat eine bewegte Geschichte – genauso wie die Volkshochschulen selbst.

Einen kurzen Einblick darin erhielten die Teilnehmer einer besonderen Stadtführung am Dienstag dieser Woche. Unter Leitung der Stadtführerin Gisela Hübner und von Volkshochschulleiterin Joanna Sannemann erfuhren sie vom Werden und Sein der Volkshochschulen. Das 100. Gründungsjubiläum wird in diesem Jahr deutschlandweit gefeiert, also auch in Stendal.

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Digitale Zukunft

Die offizielle Jubiläumsfeier im Oktober im Musikforum Katharinenkirche ist wegen begrenzter Platzzahl nur für geladene Gäste, aber es wird noch einige besondere Veranstaltungen und Vorhaben geben. „Wir bieten zum Beispiel im September einen Stadtrundgang auf Englisch an, außerdem wird es einen Stendal-Flyer auf Polnisch geben, den wir unseren Städtepartnern in Puławy mitgeben möchten, und wir haben eine Veranstaltung zu empfehlenswerten Apps im Alltag“, wirft Sannemann einen Blick voraus. Wer sich über Letzteres wundert, dem erklärt die Leiterin gern, dass und wie auch die Volkshochschulen den gesellschaftlichen Wandel mitmachen müssen und wollen. „Auch hundert Jahre nach ihrer Gründung wollen die Volkshochschulen nicht stehen-, sondern in Bewegung bleiben. Wir müssen uns wie alle anderen den Prozessen der Digitalisierung öffnen und praktizieren dies auch schon.“

Ort der Begegnung

Die interaktiven Tafeln in den Klassenräumen und entsprechende Kursangebote wie Smartphone-Handhabung und digitale Fotografie sowie ständige Weiterbildungen für die VHS-Dozenten sind Schritte auf dem Weg in die Zukunft. Die sieht Joanna Sannemann – die die Stendaler Volkshochschule im Übrigen seit 20 Jahren leitet – in eigener Sache positiv. „Ich hoffe und bin mir sicher, dass es uns weiter geben wird. Die Volkshochschulen bieten nicht nur eine breite Palette an Bildung, sondern vor allem Bildung für alle, vom Analphabeten bis zum Akademiker.“

Lebenslanges Lernen, die Weiterbildung genauso wie die Grundbildung und nicht zuletzt die immerwährende Neugier würden auch weiterhin das Fundament der Volkshochschulen bilden, ist Sannemann überzeugt. Und eines würden sie auch in der Zukunft sein: „Orte der Begegnung, des Austauschs und des Miteinanders.“