Vollenschier l Wenn Restauratoren ihre Arbeitsgerätschaften auspacken, mutet das schon ein wenig wie beim Arzt an: Aus einer sich flügelartig zu beiden Seiten öffnenden schwarzen Koffertasche werden Spritzen, Ampullen, Schläuche, Gummihandschuhe und suspekte Seren zutagegefördert. Und alles ist in grelles Weißlicht getaucht. „Naja, letztlich ist es ja auch so: Wir verarzten die Gebäude tatsächlich.“ Dies sagt Diplom-Restauratorin Marie Heyer, die Ende Oktober mit zwei Kolleginnen in der Vollenschierer Gutskirche am Werk war. Und was es dort zu tun gab, klingt wiederum ein wenig nach OP: Notsicherung von Wandputz und Gemälden.

Die Malereien im Chorraum, links und rechts des Altars, sind so blass, verwittert und kaum noch auszumachen, dass schnellstens etwas getan werden muss, um sie nicht vollends zu verlieren. Die wandteppichartige Farbverzierung gegenüber bei den Sitzreihen im Seitenschiff sowie die wie ein transparenter Vorhang wirkende Bemalung an den Längswänden sind zwar noch deutlich zu erkennen, drohen aber durch den darunter befindlichen, sich aufblähenden Putz an Halt zu verlieren.

Zwischen Staunen und Sorge

„Die Kirche ist zwar nach der Dachsanierung trocken, es dringt keine Feuchtigkeit mehr ein, aber jetzt ist das Problem, dass die Salze aus den Mauern in den Innenraum wandern.“ Und auf diese Weise die Farbschichten zerfressen. Marie Heyer, die in der Altmark schon vielfach mit ihrer restauratorischen Expertise beim Erhalt historischer Substanz geholfen hat, schwankt beim Rundumblick zwischen Schwärmerei ob der insgesamt gut erhaltenen Ausstattung der Backsteinkirche aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert und Besorgnis ob der immensen Schädigung der Wandmalereien.

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Auch wenn man als Laie schnell die Worte „Sanierung“ und „Restaurierung“ bemüht, geht es hier vorrangig um Notsicherung und Konservierung: retten, was zu retten ist, und erhalten. Zwar würden Marie Heyer und ihre Mitstreiterinnen Joana Schaer und Angela Mitschke die Wandmalereien auf der Stelle lieber restaurieren, also wiederherstellen und wieder sichtbar machen – doch da müssen sie sich bremsen. Alles eine Kostenfrage.

2020 soll‘s weitergehen

5000 Euro hat der Förderverein Vollenschierer Kirche jüngst vom Landesamt für Denkmalpflege in Halle für die Notsicherung bekommen, die er noch vor dem Winter verwendet wissen wollte – denn ab einer bestimmten Temperatur können die Restauratorinnen nicht mehr arbeiten, „dann werden die Wände zu kalt, und der Mörtel bindet nicht mehr ab“, erklärt Marie Heyer. Die Summe reicht gleichwohl nicht für ein Raumgerüst, das nötig wäre, um auch an die Malereien über der Kanzel ranzukommen.

„Unser Verein könnte selbst noch 5000 Euro beisteuern und der Kirchenkreis Salzwedel hat ebenfalls 5000 Euro in Aussicht gestellt“, sagt Fördervereinsvorsitzender Thomas Rehbein. „Wir hoffen, dass wir dieses Geld dann Anfang 2020 einsetzen können, um auch die anderen Farbflächen zu retten.“

"Ein Lichtblick"

Jetzt aber konzentrierten sich die drei Restauratorinnen auf den Heiligen Michael. Setzten Millimeter für Millimeter die Spritze mit dem Kleber an, um Farbschollen zu befestigen, nahmen die ausgeblühten Salze ab, hinterfüllten und kitteten Putzfragmente. Auch wenn es sisyphushaft wirkt, findet es Marie Heyer „toll, solche Malereien zu retten“. Für Thomas Rehbein ist dieser Arbeitseinsatz in jedem Fall „ein Lichtblick“ – und die Bestätigung dafür, dass es sich lohnt, sich als Verein mit diversen Veranstaltungen und unerschütterlicher Verve für die Kirche im Dorf starkzumachen.

Wer den Förderverein Vollenschierer Kirche unterstützen möchte, findet Kontaktdaten und Spendenkontonummer auf www.kirche-vollenschier.de oder ruft den Vereinsvorsitzenden Thomas Rehbein unter Tel. 039325/220 00 an.