1. Startseite
  2. >
  3. Lokal
  4. >
  5. Nachrichten Stendal
  6. >
  7. Vom Speckdieb, Pastor Hillbrandt und dem Martin

EIL

800-Jahrfeier in Neuendorf am Speck: Einwohner stellen in eineinhalbstündigem Festumzug Dorfhistorie dar Vom Speckdieb, Pastor Hillbrandt und dem Martin

Von Doreen Schulze 02.07.2012, 05:48

Mit einem Festumzug erinnerten die Neuendorfer an ihre Historie. Dabei nahmen sie historische Persönlichkeiten, die zum Dorf einen Bezug haben, mit auf. Am Sonnabend feiert der Ort seine 800-Jahrfeier.

Neuendorf am Speck l Die Bewohner Neuendorfs am Speck haben keine Mühen gescheut. Seit Januar bereiteten rund 20 engagierte Einwohner das Jubiläumsfest vor. Zahlreiche Männer und Frauen beteiligten sich am Festumzug, der 800 Dorfleben Revue passieren ließ. Historisches und Sagenhaften flossen mit ein, und die Zushauer erkannten Persönlichkeiten und Originale wieder.

Los ging der Festumzug mit der Sage vom Speckdieb, der dem Speckgraben und schließlich dem Ort den Namen gab. Konrad Schulz, bekannt als DJ Kotte, stellte den Speckdieb dar. Anschließend moderierte der Neuendorfer den Festumzug. Er stellte den Zuschauern die Figuren vor. So kamen der Markgraf und der Kurfürst. Auch Pastor Hillebrandt fehlte nicht. Den stellte Jörg Löbcke dar, und er erzählte den Leuten, dass Hillebrandt ein Bauer war, der nach der Reformation die Heilige Schrift im Ort nach lutherischer Art predigte. Von der Kirche wurde er später aber abgesetzt.

Alte Gewerke, die einst in Neuendorf am Speck zu Hause waren, wie der Stellmacher, der Müller, Gänseliesel und Ziegenpeter, reihten sich ebenso in den Umzug ein, wie Landreiter, die Kräuterfrauen oder die Erntehelfer. Mit Kühen und Melkkannen erinnerten die Organisatoren an die Leistungskühe, die aus dem Dorf kamen. Hoffnungsträger waren auch die Traber aus dem Ort. Pyramos war das beste Pferd im Stall des Neuendorfer Traberhofs und siegte sogar in Hoppegarten.

Der Knecht Martin Bestiak, der nach dem Krieg aus Jugoslawien kam und auf dem Hof der Familie Schulz arbeitete, zählte zu den Festumzugfiguren. Auch an Gemeindeschwester Hilde (Hilde Förster), die mit dem Fahrrad aus Groß Schwechten anreiste, wann immer es jemanden zu verarzten gab, erinnerten sich die Einwohnern noch ganz genau. Familie Weiß stellte den Flüchtlingstreck aus Schlesien dar. Die Familie selbst kam einst aus Tschechien in die Altmark. Jörg und Kerstin Mauer waren als Silberhochzeitspaar beim Festumzug dabei. Das Paar hatte auf den Tag genau tatsächlich Silberhochzeit und fuhr vom Umzug aus direkt zur Familienfeier.

Nach der eineinhalbstündigen Schau vergnügten sich die Gäste auf der Festwiese bei Schwein am Spieß und kühlen Getränken. Die Kinder fuhren mit dem Kettenkarussell. Die Bläsergruppe Schinne gab ein Ständchen, und die Schützen aus Möringen schossen Salut. Mehr zur 800-Jahrfeier und zur Gedenksteineinweihung lesen Sie in der morgigen Ausgabe.