Ideen

Wie Stendal besser gemacht werden soll

Die Teilnehmer der Aktion „Stendal besser machen“ haben eine erste Bilanz gezogen und ihre Projekte vorgestellt.

Von Antonius Wollmann

Stendal l Die Pandemie verändert alles. Statt sich persönlich zu treffen, kamen die Teilnehmer der Aktion „Stendal besser machen“ am Freitagabend digital zusammen. Der Anlass war ein besonderer, fand doch die erste Phase des Projekts ihren Abschluss. Die Freiwilligen-Agentur Altmark hatte „Stendal besser machen“ in Zusammenarbeit mit der Bertelsmann-Stiftung und der Körber-Stiftung initiiert, um das Engagement der Bürger zu fördern.

Nachdem sie in den vergangenen Monaten Ideen gesammelt hatten, präsentierten die sechs Gruppen ihre Pläne. Die Volksstimme prüft, welche davon am ehesten umsetzbar sind.

In der Gruppe engagieren sich mehrere Mitglieder der Klimaaktivisten von Fridays for Future. Dass in Zukunft der Autoverkehr in der nördlichen Breiten Straße und rund um den Marktplatz deutlich weniger wird, ist ihnen eine Herzensangelegenheit. Die Vorteile liegen für sie auf der Hand: Der CO2-Ausstoß würde sinken, der Lärm reduziert und die Lebensqualität insgesamt steigen, erklärte Isabella Lang stellvertretend für die Gruppe. Ein entsprechendes Konzept möchte die Gruppe erarbeiten.

Was sich in der Theorie durchaus charmant anhört, wird in der Realität jedoch auf eine harte Probe gestellt werden. Stendals Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) und Stadtratsvorsitzender Peter Sobotta (Freie Stadträte Stendal) bezeichneten das Vorhaben unisono als „dickes Brett, was da gebohrt werden muss.“

Ungeklärt ist bislang etwa, was die Einzelhändler von dem Vorhaben halten. Auch wie mit den Anwohnern umgegangen wird, ist nicht beantwortet. Klaus Schmotz gab außerdem zu bedenken, dass viele Senioren aufs Auto angewiesen seien. Nicht zuletzt müsste das Konzept in den Stadtrat eingebracht werden und dort auf Zustimmung treffen

Leer stehende Geschäfte in der Innenstadt sind keine Hingucker, sondern verbreiten vor allem Tristesse. In verwaiste Schaufenster soll stattdessen wieder Leben einkehren, indem zum Beispiel Vereine oder gemeinnützige Organisationen in ihnen werben, wie Monique Reimer von der Projektgruppe bei der Präsentation sagte. Auch Kunstaktionen könne sie sich vorstellen, um dem Leerstand Paroli zu bieten. Sobald es die Corona-Lage zulasse, möchte man Kontakt zu den Eigentümern herstellen. Bis zum Sachsen-Anhalt-Tag, der 2022 in Stendal stattfindet, sollen die ersten freien Auslagen genutzt werden.

Der Umsetzung scheinen allenfalls niedrige Hürden im Wege zu stehen, muss man sich doch nur mit den Eigentümern der Immobilien einig werden. In der Vergangenheit wurden in der Hansestadt im Falle des Uppstall-Kaufhauses außerdem bereits gute Erfahrungen mit der Idee gemacht. Zudem finden sich genug Beispiele in anderen Städten. In Salzwedel präsentieren sich seit einigen Jahren verschiedene Organisationen in nicht vermieteten Geschäften.

Der Begriff der Wertekultur erscheint auf den ersten Blick etwas sperrig. Konkret soll es darum gehen, sich der Schönheit und Geschichte der Stadt bewusst zu werden, erläuterte Kristina Oelze am Freitag. Ansetzen möchte die Gruppe bei den jüngeren Einwohnern. Jugendliche könnten Stadtführungen für Kinder anbieten, um die eigene Heimatstadt besser kennenzulernen.

Klaus Schmotz, der den Vorschlag grundsätzlich unterstützt, meldete in rein praktischer Hinsicht Bedenken an. Jugendliche Stadtführer habe es in der Vergangenheit bereits gegeben, nur am Nachwuchs habe es irgendwann schlicht und einfach gefehlt. Am Ende hängt die Umsetzung wohl daran, genug Kinder und Jugendlich zu finden, die sich dieser Aufgabe langfristig widmen wollen.

Um einen Ort der Begegnung zu schaffen, schwebt Verena-Ramona Volk eine „smarte Bank“ am Winckelmannplatz vor. Mit WLAN ausgerüstet und mit Solarenergie betrieben, sollen sich hier die Menschen treffen.

Beim Standort meldete Klaus Schmotz leise Zweifel an, brachte stattdessen den Mönchskirchhof ins Gespräch. Unklar ist noch die Finanzierung. Knapp 5000 Euro müsste man für die Bank hinblättern. Auch müsste sich ein Energieversorger bereit erklären, die laufenden Kosten zu tragen.

Die Gruppe möchte die verschiedenen Generationen mit Hilfe der Musik zusammenbringen. Regelmäßig könnten Kinder Seniorenheime besuchen, um dort mit den Bewohnern zu singen. Auch Flashmobs, also spontane Zusammenkünfte, kann sich die Gruppe vorstellen.

Damit der Idee langfristig Erfolg beschieden ist, ist die Kooperation mit Kitas, Schulen und der Musikschule in der Hansestadt wohl unumgänglich. Trifft man dort auf offene Arme, sollten einige Projekte Realität werden.

Ähnlich wie die Solar-Bank und das Musik-Projekt verfolgt das Spiele-Café das Ziel, Menschen jeden Alters zusammenzubringen. Mit einem Aktionskoffer wollen die Gruppenmitglieder zunächst verschiedene Orte der Begegnung in Stendal ansteuern, ehe langfristig ein eigener fester Standort eingerichtet wird. Im Blick hat man dabei, an den geplanten Indoor-Spielplatz der Wohnungsbaugenossenschaft Altmark anzudocken.