Stendal l „Stendal hat eine interessante Altstadt. Wir haben auf dem Markt von den Ausgrabungen dort gelesen. Spannend“, sagte Brigitte Andrzejewski aus Wuppertal, die mit Ehemann Andrzej im Wohnmobil auf Deutschland-Tour ist und dabei auch Stendal in Augenschein nimmt. Eher zufällig. „Wir kommen vom Harz und wollen an die Ostsee. Da liegt Stendal auf dem Weg“, erzählte Andrzej Andrzejewski.

Das Paar, das viele Jahre in Polen lebte – Andrzej Andrzejewski praktizierte dort als Tierarzt –, bereiste in den Vorjahren vornehmlich Italien, Spanien und Portugal. Nun, wo es den beruflichen Ruhestand genießt, will es Deutschland noch besser kennenlernen. Nun also Stendal.

Dazu hat das Duo den Schützenplatz angesteuert. Er bietet rund 20 Stellplätze für Wohnmobile. Exakt lässt sich die Zahl nicht angeben, da das Areal nicht parzelliert ist.

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Anmeldung nicht erforderlich

Wie oft und wie lange die Stellplätze genutzt werden, wird nicht erfasst. Eine Anmeldung ist nämlich nicht erforderlich, wie Stadtsprecher Klaus Ortmann auf Volksstimme-Anfrage erklärt. So gibt es nur Schätzungen. Die Stadtverwaltung geht in den Sommermonaten von ein bis zwei Nutzern an den Werktagen sowie „auch mal vier bis fünf“ an Wochenenden aus. Das deckt sich mit Volksstimme-Beobachtungen in der ersten Julihälfte. An einigen Tagen, beispielsweise am Donnerstag dieser Woche, standen dort sogar sechs Mobile gleichzeitig.

Unterschiedlich ist die Aufenthaltsdauer in der Rolandstadt, anscheinend aber eher kurz. Andrzejewskis blieben zwei Tage. Günter Wolf aus Neustadt/An der Weinstraße (Rheinland-Pfalz) parkte lediglich für eine Nacht in Stendal. „Das passt. Ich will nach Bad Wilsnack, habe einen langen Ritt hinter mir und mir jetzt kurzentschlossen eine Pause verordnet“, sagte er. Auf der Rücktour, so der Pfälzer weiter, wolle er aber vielleicht noch einmal Halt machen und sich die Stadt anschauen.

Einen kleinen Stendal-Spaziergang haben Ingrid und Heinz Höner aus Leverkusen hinter sich gebracht. Ein Zwischenstopp in der Rolandstadt stand bereits seit Längerem auf ihrer Agenda. „Vor ein paar Jahren waren wir in Tangermünde. Für Stendal hat die Zeit damals nicht gereicht, aber wir haben uns gesagt: Da wollen wir mal hin“, blickte Ingrid Höner zurück.

Zwei Euro erbettelt

Das geschah nun in diesem Monat. „Wir haben uns unter anderem die Marienkirche angeschaut. Das war ganz eindrucksvoll. Überhaupt ist die Altstadt sehenswert“, schätzte Heinz Höner ein. Allerdings hat das Paar, auch ein Manko ausgemacht. „Wir waren am Sonnabend so etwa gegen 13 Uhr in der Innenstadt unterwegs. Da war fast alles zu. Das hat uns enttäuscht“, erzählte Ingrid Höner, die noch von einer besonderen Begegnung an ihrem Wohnmobil berichtet. Ein junger, durchaus adretter Mann habe sie dort „angebettelt“, dabei recht forsch fünf Euro erbeten. Mit zwei Euro musste er sich letztlich begnügen.

Als angenehm empfanden die Leverkusener, dass sie in Stendal keine Gebühren für den Stellplatz zahlen mussten. Der ist nämlich gratis. „Lediglich die Entnahme von Frischwasser kostet einen Euro“, informiert Stadtsprecher Ortmann.

Ein Stromanschluss für Wohnmobile ist auf dem Schützenplatz nicht vorhanden. Für Höners kein Problem. Sie verfügen über eine Solaranlage auf ihrem Wohnmobil, die genug Strom produziert.

Ute Eisinger und Hermann Seidel aus dem baden-württembergischen Rheinfelden hingegen fanden die Ausstattung der Stellplätze „etwas dürftig“. Ansonsten war das Paar, das Verwandte in der Stadt besuchte, nach einer „Stadtführung mit unserer Karin“ angetan von Stendal. „Stendal ist lebendig, hat viele Kirchen und Backsteingebäude und viel Grün“, schwärmte Hermann Seidel. Ehefrau Ute Eisinger setzte noch einen drauf: „Also, wenn ich alle unsere Freunde mitnehmen könnte, könnte ich mir durchaus vorstellen, in Stendal zu leben.“

Zwei Pluspunkte verteilten sie dann auch noch für ihren Wohnmobil-Stellplatz in Stendal: Er sei schön ruhig und befinde sich – anders als in anderen Orten, die die Plätze an den Stadtrand verbannen – in Innenstadtnähe.

Innenstadtnähe soll bleiben

Das soll auch so bleiben, selbst wenn Wohnmobilen möglicherweise ein anderer Platz zugewiesen wird. Derzeit plant die Stadtverwaltung nämlich die „bauliche Entwicklung eines Caravan-/Wohnmobilstellplatzes zu einem dem heutigen Standards entsprechenden Platz“, berichtet Klaus Ortmann. Dazu seien drei Standorte geprüft worden, zu denen auch der Schützenplatz gehöre. Die angekündigte bauliche Entwicklung soll ab dem kommenden Jahr erfolgen. Allerdings befänden sich die Planungen noch in der Anfangsphase. Deshalb wollte der Stadtsprecher mögliche Standorte noch nicht nennen. Auf jeden Fall soll er wieder innerstädtisch liegen.

Die Wohnmobil-Gemeinde dürfte es freuen. Ihre Zahl sollte in den nächsten Jahren keinesfalls sinken, hat der Ausflug in der rollenden Wohnung doch durchaus seinen Reiz. Brigitte Andrzejewski jedenfalls meinte: „Wir sind in unserem Wohnmobil irgendwie immer zu Hause und müssen nie wieder Koffer packen. Vom Bikini bis zum Skistiefel haben wir alles an Bord.“