Kunst

Zwei Stipendiatinnen erschaffen in vier Wochen Bilder und Musik auf dem Kunsthof in Dahrenstedt bei Stendal

Silke Miche und Tatiana Gerasimenok haben ein vierwöchiges Stipendium der Staatskanzlei und Ministerium für Kultur Sachsen-Anhalt erhalten. Am Kunsthof in Dahrenstedt hatten sie vier Wochen Zeit, um sich künstlerisch auszuleben.

Von Leon Zeitz
Die Stipendiatin Silke Miche aus Berlin mit einigen ihrer Bilder im Atelier des Kunsthofes in Dahrenstedt bei Stendal.
Die Stipendiatin Silke Miche aus Berlin mit einigen ihrer Bilder im Atelier des Kunsthofes in Dahrenstedt bei Stendal. Foto: Leon Zeitz

Dahrenstedt - „Durch die Altmark zu reisen, war für mich wie eine Art Offenbarung“, sagt Silke Miche, während sie ihre Werke im Atelier des Kunsthofes in Dahrenstedt am 28. Juli präsentiert. Die Künstlerin aus Berlin hat ein Stipendium der Staatskanzlei und des Ministeriums für Kultur Sachsen-Anhalt erhalten. Vier Wochen hatte sie Zeit, um sich kreativ auszuleben.

Diese Zeit hat sie genutzt, um durch die Altmark zu reisen und sich dadurch Anregungen zu holen. „Ich war auf der Suche nach Farben und verschiedenen Oberflächen“, erklärt die 50-Jährige. Häufig seien es jedoch zufällige Eindrücke aus dem Alltag, die sie kreativ verarbeitet.

Sie erzählt, dass sie gerne mit verschiedenen Schichten arbeitet. So nutzt Silke Miche gerne auch bereits benutzte Leinwände und übermalt die einzelnen Schichten immer wieder, um dem Bild eine neue Struktur zu verleihen.

Die Bilder, die während der Vernissage vorgestellt wurden, stehen unter dem Thema „Architektur und Pflanzen“. „Es ist ein spannender Gegensatz“, sagt die ursprünglich aus Sachsen-Anhalt stammende Künstlerin. In ihren Bildern steht der fließende Charakter der Pflanzen, dem starren Ausdruck der Bauwerke gegenüber.

Die Pflanzen zu malen, war für sie eine Herausforderung. Für die Gebäude nimmt sie Fotos, die sie selbst geschossen hat, als Grundlage. Die Pflanzen hat sie sich von den besuchten Orten mitgebracht und nutzt diese dann als Vorlage. „Pflanzen sind etwas Lebendiges. Sie verändern sich andauernd.“

Besonders beeindruckt habe Silke Miche das Stadtgebiet Süd und die Wohnbauten am Stadtsee in Stendal: „Mich fasziniert das Alte und Verlassene. Die Orte wirken so, als würde es sich in einem Dornröschen-Schlaf befinden. Es ist wie Poesie.“ Aber auch andere Ortschaften, wie die Grenztürme im Altmarkkreis Salzwedel, haben einen bleibenden Eindruck bei ihr hinterlassen. Zudem fließen viele Eindrücke von Graffiti in ihre Werke mit ein.

Wichtig ist der Künstlerin, dass sie sich nicht regional festsetzt. Ihre Ideen und Anregungen holt sich die Stipendiatin von überall. Sie sind keines Falls räumlich begrenzt, betont sie. Dennoch hat die Altmark einen bleibenden Eindruck bei ihr hinterlassen. „Es war eine intensive Zeit“, resümiert sie.

Im Gegensatz zur Großstadt Berlin, seien die Eindrücke auf dem Land lebendiger. Zudem habe sie neue Themen, wie Muster und Stoffe kennengelernt. „Ich nehme von meinem Besuch auf jeden Fall viel mit, was ich bei meinen weiteren Arbeiten sicherlich nutzen werde“, sagt Silke Miche.

Mit Musik zurück zu den Wurzeln des Menschen

Nach der Vernissage ging es für die Besucher vom Atelier in die Scheune des Kunsthofes. Dort stellte Tatiana Gerasimenok mit Hilfe einer Power-Point-Präsentation ihre musikalischen Projekte auf Englisch vor. Die 29-Jährige hat ebenfalls das Stipendium erhalten und beschäftigt sich vor allem experimentell mit der Umsetzung von Musik.

So hat in ihren Musik-Fragmenten größtenteils auf klassische Instrumente verzichtet und Bohrmaschinen, Glas, Kaffee-Deckel, Stühle oder Gabeln verwendet, um Geräusche zu erzeugen.

Es geht ihr bei ihren Projekten darum, absichtlich nicht exakt und perfekt zu klingen. „In einem Orchester sind die Regeln streng. Es darf nicht gehustet werden oder etwas zu Boden fallen. Genau das möchte ich nicht“, sagt die in Belarus geborene Künstlerin. Dabei sei es nicht ihre Intention, Chaos zu erzeugen, sondern aufzuzeigen, dass auch vermeintliche Fehler in der Musik umgesetzt werden können.

In ihrem Projekt „sancti888“, welches sie in den vier Wochen zusammengestellt hat, geht es ihr zudem auch um die Energie der menschlichen Gefühle. „Ich wollte zurück zu den Wurzeln. Emotionen sind eine Sprache, die wir nicht beigebracht bekommen. Sie sind in uns von Anfang an“, erklärt Tatiana Gerasimenok, die seit 2019 in Deutschland lebt. In dem Musik-Fragment, welches sie am 28. Juli dem Publikum präsentiert, schreien, lachen und weinen daher die Künstler, die auf der Videoaufnahme zu sehen sind. Diese wurde für das Projekt in Leipzig aufgenommen.

Tatiana Gerasimenok (29) ist eine Komponistin und Musikkünstlerin aus Belarus.
Tatiana Gerasimenok (29) ist eine Komponistin und Musikkünstlerin aus Belarus.
Foto: Tatiana Gerasimenok