Ranies l So schön kann Statistik sein. Als der Leiter der Ortsfeuerwehr Ranies, Gunnar Ulrich, am Sonannabendabend während der Jahreshauptversammlung seinen Tätigkeitsbericht des Jahres 2017 vorstellte, überraschte er mit einer Zahl und einem Vergleich. So zeigte er auf, dass in der kleinen Elbfeuerwehr insgesamt 38 junge und ältere Kameraden gemeldet sind. „Das macht so ziemlich zehn Prozent des Dorfes aus“, rechnete Gunnar Ulrich vor. Im Kopf vom ebenfalls anwesenden Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) hörten die Gäste es förmlich rattern, um den Vergleich zu übertragen: Gemessen an der Einwohnerzahl der Kernstadt müssten dort mindestens 2.800 Kameraden tätig sein ...

Insgesamt muss sich die Feuerwehr in Ranies nicht verstecken. Es sind nicht nur die vielen Kameraden, die am Abend während des Tätigkeitsberichtes positiv auffielen, sondern auch viele andere Dinge. So fuhr die Wehr, zu der 24 Kameraden in der Einsatzabteilung zählen, im Jahr 2017 24 Einsätze – also fast jede zweite Woche. „Wir hatten im vergangenen Jahr vier Brände, eine Ölspur, zwei Verpflegungseinsätze und – das ist bedeutsam – 17 Ausrückungen nach Sturmschäden“, berichtete er.

Motorsäge und Vegetationsschäden

Allein deswegen nahmen und nehmen einige Kameraden weiterhin an Lehrgängen teil: für den richtigen Umgang mit der Motorsäge und bei Vegetationsschadesfällen. Glaubt man Klimaforschern und Wetterexperten, dürfte die Zahl dieser Extremsituation mindestens stagnieren, wenn nicht sogar weiter zunehmen. Auf diesen Trend reagiert die Wehr in Ostelbien, die dort gemeinsam mit der Ortsteilwehr Pretzien zusammenarbeitet.

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Auch die Einsatzstärke kann sich nach Auskunft des Wehrleiters durchaus sehen lassen. Durchschnittlich acht Kameraden waren jedes Mal mit draußen, was wiederum zu einem Problem führt: „Unser Fahrzeug ist einfach zu klein. Es passen in voller Montur nur fünf Kameraden hinein“, so Gunnar Ulrich, der den Abend nochmals nutze, um dem anwesenden Träger der Feuerwehr, der Stadt Schönebeck, diese Situation deutlich zu machen. „Wir benötigen dringend einen Mannschaftstansportwagen, in den wir alle hineinpassen“, so Ulrich. Auch ein Löschgruppenfahrzeug, ebenfalls gebraucht, steht auf der Liste der Ranieser.

Für die Stadtverwaltung ist die Situation in Ranies nicht neu. Schon seit Jahren wird in den Kommandositzungen aller Stadt- und Ortsteilfeuerwehren darüber gesprochen, in den Dienstberatungen des Oberbürgermeisters und nicht zuletzt auch im Stadtrat. Doch die Decke hat eben nur eine bestimmte Länge: Zieht man auf der einen Seite, fehlt es an der anderen.

Anbau wurd nun umgesetzt

Umso erfreuter sind die Ranieser, dass das Projekt des Anbaus an das Feuerwehrgerätehaus mit Stellplätzen für Fahrzeuge in diesem Jahr Realität wird. „Bei der Ausschreibung im vergangenen Jahr gab es Probleme. Es hat sich gezeigt, dass die Baupreise exorbitant gestiegen sind. Aber durch Umschichtungen im Haushalt konnten wir am ursprünglichen Plan festhalten“, so Bert Knoblauch.

Schon jetzt freuen sich die Kameraden auf den Anbau und planen bereits – nämlich ein großes Fest: Wenn das Haus steht, sollen zur Einweihung die Einwohner des Dorfes eingeladen werden. Das hat nach Auskunft von Gunnar Ulrich auch einen tieferen Sinn. Es geht nicht nur um das Feiern, sondern um die Werbung. „Vielleicht können wir so weitere Kameraden für die Feuerwehr gewinnen. Und vielleicht auch Ehemalige, die nun nach der veränderten Situation wieder mitmachen möchten“, so der Ortswehrleiter.

Er führt seine Wehr wie eine Familie. Während des Tätigkeitsberichtes lobte Ulrich immer wieder seine Leute, aber auch nicht ohne Grund. Tausende Stunden sind die Frauen und Männer bei Lehrgängen, Dienstabenden und Einsätzen dabei. „Ich bin wirklich stolz auf euch“, sagte er. Der Altersdurchschnitt der Ranieser Feuerwehr beträgt 34 Jahre.

Aktive Jugendfeuerwehr

Immer wieder rücken junge Kameraden in den aktiven Dienst nach. Es ist eigener Nachwuchs, der in der Jugendfeuerwehr groß wird. Derzeit, so berichtet Jugendwart Florian Herrler, sind 14 Kinder und Jugendliche gemeldet. „Und erstmals seit Jahren wieder mehr Jungs als Mädchen“, sagte er.

Stadtwehrleiter Uwe Tandler machte den Kameraden nochmals deutlich, dass sie keine „kleine Wehr“ sei und nur durch die Versorgungseinheit glänze. „Ihr seid ein wichtiger Bestandteil in den Schönebecker Feuerwehren. Allein der Fakt, dass es bei euch zwölf Atemschutzgeräteträger gibt, macht das deutlich“, so Tandler. Zudem sei es egal, ob eine Wehr zahlenmäßig klein oder groß sei. Viel wichtiger ist, dass die Menschen sich darauf verlassen müssen, dass alle Kameraden das gleiche Ausbildungslevel haben.

Weitere Gäste des Abends waren der Abschnittsleiter, Vertreter des Fördervereines und Ortsbürgermeister Rüdiger Kunze. Letzterer griff die Zehn-Prozent-Statistik des Wehrleiters auf. „Ich bedanke mich bei euch im Namen der restlichen 90 Prozent von Ranies für euer Engagement“, so Kunze.