Hohendodeleben l Selten war eine Sitzung des Ortschaftsrates in Hohendodeleben so gut besucht. Viele Bürger waren am Donnerstag in den Versammlungsraum des Gemeindezentrums „Pferdestall“ in der Matthissonstraße gekommen, um eine entscheidende Versammlung ihrer gewählten Volksvertreter mitzuerleben. Eben in diesem Gemeindezentrum „Pferdestall“, das ein privater Investor aus dem Nachbardorf Niederndodeleben kaufen möchte, um in einem Teil des Gebäudekomplexes ein Altenheim zu bauen.

„Ich werde der letzte sein, der dem Verkauf des Gemeindezentrums ‚Pferdestall‘ zustimmt“, sagte Hohendodelebens Ortsbürgermeister Dr. Werner Jander (CDU) zu seinen Kollegen im Ortschaftsrat und vor den vielen Einwohnern, die die Sitzung besuchten. Jander hatte die Vorsitzenden der im Dorf tätigen Vereine im Vorfeld der Versammlung und nach dem Bekanntwerden der Kaufabsichten angeschrieben und sie um Stellungnahmen gebeten. Fast alle der Vereine nutzen Räume im „Pferdestall“.

Vereine beziehen deutlich Stellung

Die Stellungnahmen der Vereine fielen eindeutig aus. Sie alle sprachen sich strikt gegen einen Verkauf des Gemeindezentrums aus. „Den Anglerverein Hohendodeleben wird es nicht mehr geben, wenn wir nicht mehr die Lagerräume im Gemeindezentrum nutzen können“, sagte zum Beispiel Wolfgang Lutz, Vorsitzender der Petrijünger.

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„Wie kann jemand sein Kaufinteresse bekunden, wenn das Gemeindezentrum nicht einmal zum Verkauf steht?“, fragte Andrea Borchert, Vorsitzende des DRK-Ortsvereins Hohendodeleben. Sie finde es eine „bodenlose Frechheit“ des Interessenten überhaupt ein Kaufangebot abzugeben, da der „Pferdestall“ voll mit Vereinen sei.

„Wir wollen im Gemeindezentrum weiter singen und unser Vereinsleben betreiben“, verdeutlichte Konrad Krüger als Vorsitzender des gemischten Chores „Bördeland 1876“ Hohendodeleben. Er regte an, das Konzept zur Nutzung des „Pferdestalls“ zu überarbeiten und kündigte auch eine finanzielle Unterstützung seiner 40 Sängerinnen und Sänger an.

Mehr Leben in Gemeindezentrum bringen

„Wir müssen noch mehr Leben in das Gemeindezentrum bringen“, forderte Florian Zeugner, Vorsitzender der Sportgemeinschaft Grün-Weiß Hohendodeleben. Er regte an, dass auf dem Hof einmal im Jahr ein „Fest der Vereine“ stattfinden könne. Zudem sollen alle Vereine in einem Brief an Wanzlebens Bürgermeister Thomas Kluge (parteilos) gemeinsam ihren Standpunkt gegen einen möglichen Verkauf des Gemeindezentrums kundtun. Der Brief solle den Bürgermeister noch vor der nächsten Sitzung des Stadtrates Wanzleben am 8. November erreichen.

„Sie rennen bei uns offene Türen ein, ich bin zu 100 Prozent gegen den Verkauf“, sagte Ortschaftsratsmitglied Jürgen Kühne (Bürgergemeinschaft Hohendodeleben). Das Gemeindezentrum sei der einige Platz für die Vereine des Dorfes und damit Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens.

„So geht es überhaupt nicht“, bemängelte Heinrich Sonsalla, stellvertretender Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Domersleben-Hohendodeleben, das Verfahren an sich. Die Gemeinde habe das Verfahren zu bestimmen und nicht ein möglicher Kaufinteressent. Wenn überhaupt müsse der Verkauf des Gemeindezentrums in einem geregelten Verfahren öffentlich ausgeschrieben werden, bei dem alle Bieter eine Chance hätten und nicht nur ein Interessent. Wie es jetzt laufe, grenze an ein strafwürdiges Verhalten.

Effektivere Bewirtschaftung nötig

Wie Ortsbürgermeister Werner Jander in der Diskussion noch erwähnte, habe das Gemeindezentrum eine gute Auslastung und mit 60 Prozent Kostendeckung eine der besten der Zentren in der Einheitsgemeinde Stadt Wanzleben-Börde. Der Differenzbetrag bis zu einer 100-prozentigen Kostendeckung sei nicht erheblich. Jander plädierte dafür, das Gemeindezentrum noch effektiver zu bewirtschaften.

Über einen möglichen Verkauf des Gemeindezentrums „Pferdestall“ Hohendodeleben hat letztendlich der Stadtrat Wanzleben zu entscheiden. Wie Bürgermeister Thomas Kluge bereits versicherte, sei nach dem Kommunalrecht und der Hauptsatzung der Stadt Wanzleben-Börde bei der Entscheidung der Ortschaftsrat Hohendodeleben einzubeziehen. Die Entscheidung liege praktisch beim Ortschaftsrat, denn der Stadtrat entscheide so gut wie nie gegen den Willen dieses Gremiums. An dieser Aussage wollen die Hohendodeleber Kluge jetzt messen.