Schulentwicklung

Alle fünf Standorte in der Einheitsgemeinde Wanzleben sollen erhalten bleiben

Eine ganze Delegation aus Domersleben war ebenfalls beim Hauptausschuss der Einheitsgemeinde Wanzleben in der Stadt Seehausen vertreten.
Eine ganze Delegation aus Domersleben war ebenfalls beim Hauptausschuss der Einheitsgemeinde Wanzleben in der Stadt Seehausen vertreten. Foto: Christian Besecke

Christian BeseckeSeehausen/Wanzleben

Der Beschluss des Gemeinderates aus dem Jahr 2011 hat weiterhin Bestand. Er sieht fünf Grundschulen in Trägerschaft der Einheitsgemeinde vor und dabei bleibt es. So lässt sich das kurze Resümee zu den Beratungen mit dem Thema „Schulproblematik“ in Ortschaftsräten und den bisher abgehandelten Gremien beschreiben. Die Mitglieder des Hauptausschusses haben dies auf der Tagung am Dienstag so beschlossen. Die Verwaltung ist nunmehr beauftragt, dies auszuarbeiten und entsprechend zu begründen.

Die Diskussion hatte mit den vorgelegten Zahlen der Schulentwicklungsplanung in der Einheitsgemeinde begonnen. Diese sieht ab dem Schuljahr 2023/24 nicht genügend Einschüler für die Standorte Klein Wanzleben und Domersleben (Volksstimme berichtete). Somit wäre dort die benötigte Zahl von 60 zum Erhalt der jeweiligen Schulen nicht mehr gegeben. Die Verwaltung hatte daher als Lösungsmöglichkeit vorgeschlagen, Schulverbünde zu gründen.

Alle Gegenvorschläge werden vorgestellt

Dem Vorschlag wurde in etlichen Ortschaftsräten und im Sozialausschuss im Zuge der Beratungsfolge auch zugestimmt. Aber es gab auch ablehnende Entscheidungen, so in Domersleben, Klein Wanzleben, Klein Rodensleben und Groß Rodensleben, und jedes Mal erfolgten Vorschläge zu Alternativlösungen. All diese wurden im Hauptausschuss noch einmal vorgestellt. So erläuterte Domersleben Ortsbürgermeister Helge Szameitpreuß die Idee, die Schulbezirke aufzuheben und Kapazitätsgrenzen einzuführen. Das hätte zur Folge, dass die Auslastung der Schulen an den jeweiligen Standorten bevorzugt betrachtet wird. Somit wäre der Erhalt ebenfalls gewährleistet.

Die Verwaltung merkte dazu an, dass dabei die tatsächliche räumliche Situation der jeweiligen Schule betrachtet werden müsse. Bemängelt wurde der fehlende sachliche Grund zur Festlegung von Kapazitäten. Eine Beschränkung der Kapazitäten wäre daher rechtswidrig und vom Land zu beanstanden. Außerdem wäre das alles gerichtlich von den Eltern einzuklagen. „Der Erlass zur Unterrichtsorganisation sieht eine mittlere Frequenz von 22 Schülern in einer Klasse vor“, betonte Kai Pluntke von der Verwaltung. Dagegen würde eine unsachliche Reduzierung der Klassengröße sprechen und sogar die Lehrerzuweisung gefährden.

Aus Groß Rodensleben kam ebenfalls der Vorschlag, die Schulbezirke zu ändern und den Standort Hohendodeleben zu stärken, indem Groß Rodensleben, Bergen und Hemsdorf dorthin zugeordnet würden. Den Hinweis nahm die Verwaltung dankbar auf und verwies auf die dann mögliche Bildung eines Schulverbunds von Hohendodeleben und Domersleben.

Qualität als ein besonderes Merkmal

In Klein Rodensleben wurde dagegen die Einrichtung von Zwergschulen befürwortet. Dabei handelt es sich um einen Antrag der AfD. Zutreffen würde das dann auf Klein Wanzleben und Domersleben. Aus Sicht der Verwaltung geht dieser Antrag bereits in Richtung Schulverbünde, allerdings mit der Möglichkeit, auch nur eine Klasse vorzuhalten. „Allerdings ist die Vorgabe des Landes dennoch, dass ein Schulstandort 15 neu aufzunehmende Einschüler und insgesamt 60 Schüler haben muss“, betonte Pluntke. Der Vorschlag widerspreche also dem Schulgesetz und ein Einvernehmen mit dem Landkreis sei nicht herzustellen.

Sowohl Helge Szameitpreuß als auch sein Klein Wanzleber Amtskollege Knut Freese hoben allerdings auch die Qualität der schulischen Bildung hervor. Beide setzen auf diesen Punkt, und sollte der nicht gewährleistet sein, dann sei es besser, auf einen Schulstandort zu verzichten. Andererseits könne die Gemeinde sich als solche auch für ihre Bürger einsetzen und dem Landkreis und dem Land gegenüber standhaft zeigen, die Schulstandorte zu erhalten.

Thomas Kluge mit den entscheidenden Vorschlag

Hohendodelebens Ortsbürgermeister Werner Jander gab den entscheidenden Hinweis auf den späteren Kompromiss. So hob er hervor, dass ja in vielen Orten aktuell gebaut werde und ein Zuwachs an künftig hier beheimateten Familien zu erwarten sei. Das griff Gemeinde-Bürgermeister Thomas Kluge (parteilos) auf und schlug vor, darauf zu setzen. Somit wären die fünf Standorte der Grundschulen weiterhin gesichert. Der Argumentation schlossen sich die Versammelten an, so dass der Hauptausschuss für diese Variante stimmte. Somit wird diese Vorlage nun für den Gemeinderat erarbeitet. „Rechtlich gesehen wäre ein Schulverbund die einzige Möglichkeit, Einvernehmen mit Landkreis und Land zu erreichen“, schätzte Kai Pluntke ein. „Wird der neue Beschluss so angenommen, passiert erst einmal nichts und alles läuft so weiter.“ Allerdings erhalte die Gemeinde künftig auch keine Ausnahmegenehmigung mehr bei einem dauerhaften Unterschreiten der vorgeschriebenen Schülerzahl. Das hätte zur Konsequenz, dass nicht die benötigten Lehrer zugewiesen werden würden. Allerdings stehe die Argumentation mit den Baugebieten in den Orten als durchaus schlüssig im Raum.

Mit der gefunden Lösung können Helge Szameitpreuß und die Domersleber durchaus leben. „Das bedeutet, dass alle fünf Standorte erhalten bleiben“, sagte er. „Das ist letztendlich unser Ziel. Politik lebt davon, dass Kompromisse gefunden werden.“ Ähnlich sieht das auch Knut Freese, der Kluges Vorschlag begrüßte.