Bürgerunmut

Bauhof kommt nicht hinterher, Drackenstedt wuchert zu

In Drackenstedt fühlt man sich von der Muttergemeinde Eilsleben in Sachen Dorfpflege ungenügend berücksichtigt. Die Probleme mehrten sich, es bliebe viel Arbeit liegen, lautet die deutliche Kritik aus dem Ortsteil.

Von Ronny Schoof
Der Spielplatz am Anger war so zugewachsen, dass die Kinder sich haben im hohen Gras verstecken können. Ein Vater hat dann in Eigeninitiative das Grün gestutzt.
Der Spielplatz am Anger war so zugewachsen, dass die Kinder sich haben im hohen Gras verstecken können. Ein Vater hat dann in Eigeninitiative das Grün gestutzt. Fotos: Sabine Hintze

Drackenstedt - „Bei uns in Drackenstedt häuft sich der Ärger bei den Bürgern über das fehlende Engagement aus Eilsleben und vor allem über die aktuell fehlende Pflege der Grünflächen“, legt Einwohnerin Sabine Hintze in einem Schreiben an die Volksstimme-Redaktion dar. Und weiter: „Bis vor einiger Zeit hatten wir in Drackenstedt einen Gemeindearbeiter, der unser Dorf nach bestem Wissen und Gewissen sauber gehalten und gepflegt hat. Jedoch wurde dann beschlossen, dass die Gemeindearbeiter unserer Großgemeinde zu einem Trupp zusammengefasst werden. Was ja im Grunde genommen ein guter Ansatz ist, aber leider augenscheinlich nicht zum Ziel führt.“

Die über Wochen mangelhafte Pflege der Wege und Grünflächen in Drackenstedt war nun der Auslöser für die öffentliche Kritik. „Das Unkraut wächst uns hier buchstäblich über den Kopf. Der Spielplatz am Anger sah zwischenzeitlich so schlimm aus, dass Eltern in der Gemeinde angerufen haben und sinngemäß gesagt haben, dass das Gras so hoch ist, dass man zum Teil die Kinder darin verstecken kann“, so Hintze. Es sei „unfassbar“, dass große Rasenflächen wie der Anger bis in den Juni hinein „noch kein einziges Mal in diesem Jahr bearbeitet“ wurden. „Auch die Fußwege sind teilweise eine Katastrophe“, meint Sabine Hintze weiter und kommt zu dem Schluss: „Unterm Strich sieht unser Dorf doch recht verheerend und peinlich aus.“

Privatinitiative könne nicht die Regel sein

Lediglich am Donnerstag vor der Landtagswahl habe sich mal etwas getan: „Da durften die Gemeindearbeiter immerhin rings um das Wahllokal für Ordnung sorgen.“ Der Problematik am Anger habe man sich zwischenzeitlich auf eigene Faust angenommen, berichtet Hintze: „Ein Vater war darum bemüht, privat mit einem Freischneider Raum zum Spielen zu schaffen.“

Das könne ihrer Ansicht nach jedoch nicht die Regel sein – und es verursache letztlich enormen Unmut. „Sicherlich werden die Gemeindearbeiter bald auch zu uns ins Dorf kommen. Dennoch kann es aber nicht sein, dass man darauf so viele Wochen, wenn nicht sogar zum Teil auch Monate warten muss“, macht Sabine Hintze ihrer Unzufriedenheit Luft. Was noch erschwerend hinzu komme: „Wir Drackenstedter setzen uns regelmäßig mit unserem Ratsvertreter in Verbindung und schildern unsere Sicht und Wut darüber. Er wiederum trägt die Anfragen der Bürger beim Gemeinderat vor, wo er wohl nur auf taube Ohren stößt. So ähnlich ist es auch, wenn die Anwohner direkt in Eilsleben anfragen. Es wird immer nur vertröstet. Man fragt sich dann schon, wie wichtig man noch als Ortsteil genommen wird. Es erweckt nämlich den Eindruck, dass man hier am Rand der Gemeinde im Stich gelassen und als unwichtig abgetan wird.“

Es wird keiner vergessen

Bürgermeister Manfred Jordan

Letzteres ist ein Vorwurf, den Bürgermeister Manfred Jordan wie auch der Gemeindebauhof entschieden zurückweisen. „Wir haben unsere Mähpläne extra angepasst, so dass jeder Ortsteil gleichrangig dran ist“, betont Bauhofleiter (und Gemeinderatsmitglied) Nico Klose. „Nur gleichzeitig bekommen wir das natürlich nicht hin, sondern nur der Reihe nach, und in diesem jahr hatten wir in Siegersleben und Ovelgünne begonnen.“ Manfred Jordan meint: „Die Gemeindearbeiter tun ihr Möglichstes uns keinesfalls wollen wir Drackenstedt außen vor lassen. Es wird keiner vergessen. Manchmal dauert es aber etwas länger als gedacht, weil, wie jetzt, einfach auch personeller Notstand beim Bauhof vorhanden ist.“

So hätten gleich drei Ausfälle von Bauhofleuten den Zeitplan der Ortschaftspflege gehörig zurückgeworfen. „Das ist schwer zu kompensieren“, sagt Nico Klose, „zumal wir ja auch noch andere Zuständigkeiten haben, die uns binden.“ Zum Beispiel die Mehrzweckhalle in Eilsleben, für die der Bauhof den Hallenwart stellt. „Den Posten können wir schon gar nicht mehr durchgängig besetzen“, so Klose. Im Mai kam die Vorbereitung der Badesaison hinzu. Bürgermeister Jordan räumt dazu ein: „Wir mussten uns entscheiden. Entweder in Drackenstedt mähen oder das Freibad herrichten.“

Bauhof muss 40 Hektar mähen

Beide Gemeindevertreter merken zudem an: „Der Mai war extrem, was den Graswuchs angeht.“ Man sei da „kaum hinterher gekommen.“ Dichtes, hohes Gras zu mähen, dauere „auch schlichtweg länger“, so Klose, „weshalb wir erst später als geplant in Drackenstedt anrücken können.“ Nach Volksstimme-Informationen ist das in der vergangenen Woche geschehen.

„Generell“, gibt Nico Klose zu bedenken, „hat die Gemeinde Eilsleben viele Stellen mit Grünflächen in sieben Ortschaften zu pflegen. Insgesamt sind da 400 000 Quadratmeter zu mähen.“ Der Bürgermeister würde aufgrund der Menge an Aufgaben „gern noch einen oder zwei Leute für den Bauhof einstellen.“ Doch da hapere es wieder am Geld beziehungsweise an der Zustimmung der Prüfbehörde. Manfred Jordan: „Ich denke, wir könnten uns noch weitere Gemeindearbeiter leisten, doch die Kommunalaufsicht mahnt uns im Gegenteil noch an, dass wir zu viele Bauhofmitarbeiter beschäftigen.“