Diebstahlszahlen bei Fahrrädern gestiegen

Drahtesel werden in der Einheitsgemeinde Wanzleben immer beliebter

Die Zahl der gemeldeten Fahrraddiebstähle ist in der Einheitsgemeinde Wanzleben im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Das bestätigt das Polizeirevier Börde. Aber auch die Wanzleber Facebookseite ist voll von solchen berichten. Hin und wieder werden die Räder aber auch wieder entdeckt oder gar von Findern zurückgebracht.

Von Christian Besecke 22.07.2021, 15:59 • Aktualisiert: 22.07.2021, 17:11
Serhat (links) und Yunus Kocaoglu aus Wanzleben haben dafür gesorgt, dass ein Mädchen ihr vermisstes Fahrrad wieder zurück bekam, welches offensichtlich vor dem Spaßbad geklaut worden war.
Serhat (links) und Yunus Kocaoglu aus Wanzleben haben dafür gesorgt, dass ein Mädchen ihr vermisstes Fahrrad wieder zurück bekam, welches offensichtlich vor dem Spaßbad geklaut worden war. Foto: Hagen Uhlenhaut

Wanzleben - Auf der Facebookseite von Wanzleben finden sich ellenlange Berichte über vermisste Fahrräder. Die Angaben stammen aus dem aktuellen Jahr. Zu dem hat das Polizeirevier noch keine offiziellen Daten freigegeben, damit ist erst zum Jahresende zu rechnen. Allerdings wird eingeschätzt, dass in der Region Wanzleben die Zahl der Diebstähle angestiegen ist. Die 16 geklauten Fahrräder aus dem jahr 2020 sind schon jetzt übertroffen worden, bestätigt die Polizei.

Das darf nicht weiter verwundern, denn Wanzleben ist mittlerweile zum Hotspot für Klein- und Beschaffungskriminalität geworden (Volksstimme berichtete). Das ist Ordnungsamtsleiter Kai Pluntke schon seit einiger Zeit völlig klar. „Die Einbrüche, Diebstähle und Ordnungswidrigkeiten häufen sich“, sagt er. Polizei und Ordnungsamt reichen immer wieder die entsprechenden Anzeigen ein. Sichtbare Konsequenzen scheint es nicht zu geben, denn einige Täter werden immer wieder erwischt. Das bestätigen Polizei wie Ordnungsbehörde.

Das Rad für den schnellen Weg von A nach B

Ein Fahrrad mitgehen zu lassen, passt da ganz gut in das allgemeine Bild, wobei die Behörden da durchaus Unterschiede sehen. „Es kommt immer wieder einmal vor, dass nicht so hochwertige Räder für den schnellen Weg von A nach B benutzt werden“, schätzt Kai Pluntke ein. Ordnungsamt und Bauhof finden die verlassenen oder einfach in die Landschaft geworfenen Drahtesel oft genug bei ihren Fahrten durch das Gebiet der Einheitsgemeinde. Sie landen meist im Fundbüro und warten da auf eine Versteigerung. Selten genug findet so ein Rad den Weg zurück zu seinem Besitzer.

So ist es allerdings in einem Fall geschehen, als ein Kinderrad vor dem Spaßbad in Wanzleben spurlos verschwand. Auf Facebook haben die Kinder der Familie Kocaoglu von der Suche erfahren. Genau dieses Rad hatten sie nämlich an anderer Stelle in der Stadt aufgefunden. Für sie war es Ehrensache den Drahtesel an das Mädchen zurückzugeben, dem es auch gehörte. Auch solche Positivbeispiele gibt es.

Die richtig hochwertigeren Zweiräder tauchen oft nicht wieder auf. Vermutlich wechseln sie unter der Hand den ,Besitzer’. Immer einmal wieder gelingt den Polizisten bei Kontrollen ein Fahndungserfolg, wobei die entdeckten Fahrräder durchaus aus einem anderen Bundesland stammen können.

Die Fahrraddiebstähle im gesamten südlichen Landkreis sind insgesamt gesehen nicht signifikant angestiegen, schätzt Matthias Lütkemüller, Pressesprecher des Polizeireviers Börde ein. „Genau kann ich das aber zu diesem Zeitpunkt nicht beziffern“, äußert auch er sich. „Die Statistiken werden erst zum Jahresende ausgewertet und dann von uns veröffentlicht.“ Allerdings sei der Diebstahl von Drahteseln keine seltene Angelegenheit. Gemeldet werden diese oft über die Regionalbereichsbeamten wie auch direkt beim Polizeirevier. Aber oft genug erfahren die Beamten erst gar nicht davon.

In erster Linie beschäftigen die sich zudem mit hochwertigen Räder. „Oft werden diese entwendet und dann günstig zum Weiterverkauf angeboten“, führt er aus. „Erst kürzlich sind hier in der Region Räder aufgetaucht, die vor vier bis fünf Jahren in Thüringen entwendet worden sind.“ Dass es einen Markt dafür gebe, sei unbestritten. Deshalb sollten Bürger, die so ein günstiges aber durchaus hochwertiges Rad erwerben sich rückversichern, dass bei dem Kauf alles in geordneten Bahnen verläuft. „Es gilt, wenn ein ansonsten teures Fahrrad zu einem Schnäppchenpreis angeboten wird, dann sollte man hellhörig werden“, sagt der Sprecher.

Absichern könne man sich über einen Kaufvertrag und die Überprüfung des Personalausweises des Verkäufers. „Es muss außerdem Papiere vom Hersteller und vielleicht noch eine Rechnung geben“, erläutert Lütkemüller. „Es spricht nichts dagegen, das alles bei einem Verkauf weiterzugeben.“ So sei der Erwerber auf der sicheren Seite. Stutzig müsse schon machen, wenn eben diese Papiere angeblich nicht vorhanden seien. „Dann kann das Fahrrad durchaus gestohlen sein und der Veräußerer will sich schnelles Geld verdienen“, so der Pressesprecher.

Günstige Angebote sind meist Diebesgut

Die Überraschung bei einer Kontrolle durch die Polizei könne für den Bürger durchaus groß sein, wenn es sich um einen gestohlenen Drahtesel handele. Neben den Fragen nach der Herkunft des Rades und dem Erwerb stehe nämlich auch die Tatsache, dass der Käufer auf seinen Kosten sitzen bleibt. „Entdecktes Diebesgut wird beschlagnahmt und oft von den Versicherungen zur Versteigerung freigegeben, gerade wenn das Verschwinden schon längere Zeit her ist“, erzählt Lütkemüller.

Bis vor einigen Jahren konnten zudem Fahrradbesitzer zur Polizei gehen und sich eine Registriernummer in den Rahmen fräsen lassen. Diesen Service gibt es aber inzwischen nicht mehr. „Mit der Prägung einer solchen Nummer verlieren die hochwertigen Räder nämlich heutzutage den Versicherungsschutz“, weiß der Polizist zu berichten. „Daher haben wir diesen Service eingestellt.“ Eine gute Möglichkeit zur Wiedererkennung nach einem Diebstahl sei das Angebot aber allemal gewesen.

„Gerade bei nicht so hochwertigen Räder ist die Hemmschwelle auch recht niedrig“, schätzt Matthias Lütkemüller ein. „Oft werden die Zweiräder mal eben schnell nach dem Verlassen eines Gastrobetriebes ’ausgeborgt’ und nach Erreichen des Ziels stehen gelassen.“