Eilsleben l In ihrer Dezember-Sitzung wollen die Mitglieder des Verbandsgemeinderates Obere Aller die Risikoanalyse und den Brandschutzbedarf für die Gemeinde zum dritten Mal fortschreiben. Darin ist festgelegt wie die Feuerwehren in den Ortschaften der Oberen Aller personell aufgestellt sind und über welche Technik sie verfügen müssen, um die ihnen gestellten Aufgaben zu erfüllen. Auch enthält die Analyse Schwerpunkte möglicher Einsätze wie Unternehmen, Autobahnabschnitte, Bahnlinien, Kitas, Schulen oder große Wohngebiete.

„Es ist in der Oberen Aller seit Jahren eine gute Tradition, die Risikoanalyse und den Brandschutzbedarfsplan selbst aufzustellen. Ein externes Gutachten kostet zu viel Geld und würde mit mehreren Zehntausend Euro den Haushalt belasten“, sagte Verbandsgemeindebürgermeister Frank Frenkel zur Volksstimme. Auch sei bei den Akteuren der Feuerwehr vor Ort das Fachwissen vorhanden, das es ermögliche, eine Risikoanalyse und den Brandschutzbedarf selbst aufzustellen. Sofern der Verbandsgemeinderat das Papier in seiner Dezember-Sitzung beschließt, müsse es dann noch vom Landkreis Börde genehmigt werden, um dann in Kraft treten zu können. In zwei bis drei Jahre komme dann die nächste Fortschreibung, in der die Gemeinde auf Entwicklungen beim Personal und der Technik reagieren müsse, verdeutlichte Frenkel.

Feuerwehren leiden unter Personalschwund

Nach den Worten des Verbandsgemeindebürgermeisters würden auch die Feuerwehren der Oberen Aller unter einem ständigen Aderlass beim Personal leiden. Daher sei es womöglich unumgänglich, Ortsfeuerwehren zu einer Feuerwehr zusammenzulegen. Damit habe man bei den Feuerwehren Ummendorf und Eilsleben bereits gute Erfahrung gemacht, sagte Frenkel. Die Kameraden hätten von sich aus vereinbart, gemeinsame Dienste aufzunehmen. Im Jahr 2019 sei dann der Zusammenschluss zu einer Ortsfeuerwehr erfolgt.

Eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahre sei für Frenkel der für Anfang 2021 geplante Neubau des Feuerwehrgerätehauses in Eilsleben, der mit geschätzten Kosten von fast drei Millionen Euro zu Buche schlagen werde. Den Bauplatz in einer Größe von etwa 5000 Quadratmetern habe die Gemeinde bereits am Ortsausgang in Richtung Ummendorf hinter der Gemeinschaftsschule erworben. Auch bei anderen Feuerwehrgerätehäusern in der Oberen Aller besteht Investitionsbedarf.

Erarbeitet wurde die Risikoanalyse und der Brandschutzbedarf von der Gemeindewehrleitung Obere Aller unter der Federführung von Marcel Nienstedt, erster stellvertretender Gemeindewehrleiter, in enger Zusammenarbeit mit Gemeindewehrleiter Johannes Erben. Wie Nienstedt unlängst bei der Vorstellung der Analyse bei einer Sitzung des Hauptausschusses in Eilsleben sagte, sei die Fortschreibung bereits im Feuerwehrausschuss der Gemeinde beraten und für schlüssig befunden worden.

Wie viele Feuerwehren des Landkreises Börde auch, sind ebenso die Brandschützer der Oberen Aller von einem Mitgliederschwund betroffen. So sank nach Darstellung in der Analyse die Anzahl der Mitglieder in den 15 Ortsfeuerwehren im Jahr 2012 von insgesamt 739 Mitgliedern auf 619 Mitglieder im Jahr 2020. Bei den aktiven Einsatzkräften ging die Anzahl von 385 auf 272 zurück. „Wir haben in den letzten zehn Jahren Mitglieder verloren, die vier mittelgroßen Feuerwehren entsprechen. Die sind einfach nicht mehr da, und es wächst auch nichts nach“, beschrieb Bürgermeister Frenkel die nicht einfache Personallage. Um im Ernstfall dennoch einsatzbereit zu sein, haben die Feuerwehren ihren Alarmierungsplan angepasst. Deshalb würden immer mehrere Ortsfeuerwehren in den fest definierten Bereichen ausrücken. „Die Ortsfeuerwehren müssen zusammenarbeiten“, zog Frenkel sein Fazit. Dass das funktioniere, habe die Feuerwehr Ummendorf-Eilsleben gezeigt, die nunmehr nach dem Zusammenschluss eine Stärke von fast 60 Einsatzkräften erreiche.

Um weiterhin einsatzbereite und schlagkräftige Truppen zu haben, müssten die Ortsfeuerwehren noch mehr für mögliche Zusammenlegungen sensibilisiert werden, sagte Nienstedt. Wobei ihm und der Gemeindewehrleitung bewusst sei, dass das ein langfristiger Prozess sei. Auch mache das Land Sachsen-Anhalt das Bewilligen von Fördergeldern für neue Fahrzeuge und Gerätehäuser davon immer mehr abhängig. Zudem wolle die Feuerwehrführung zusammen mit der Gemeinde Konzepte entwerfen, die die Attraktivität einer Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr erhöhen sollen. Wie die aussehen, steht in der Analyse. Die Zusammenlegung von Ortsfeuerwehren sei unumgänglich, wenn sich die Anzahl der Mitglieder nicht bessere, musste Nienstedt feststellen.

Ortschaften werden in zwölf Minuten erreicht

Die gute Nachricht aus der Analyse ist, dass alle Ortschaften der Oberen Aller im Bedarfsfall von der Feuerwehr innerhalb der vom Gesetzgeber vorgegebenen Hilfsfrist von zwölf Minuten erreicht werden können. Um die Fahrzeuge mit dem nötigen Personal besetzen zu können, sind die Ortsfeuerwehren in den drei Ausrückbereichen Ost, West und Mitte organisiert.

Ebenso spielt im Brandschutzbedarfsplan die Ausstattung der Feuerwehren mit der nötigen Technik eine große Rolle. „Um den Investitionsstau und die Erneuerung des Fahrzeug- und Technikparks der freiwilligen Ortsfeuerwehren weiter zu forcieren ist es notwendig, in der mittelfristigen Ergebnis- und Finanzplanung Investitionen zu tätigen“, heißt es in der Analyse. Um dem Investitionsstau im Rahmen der Haushaltsführung gerecht zu werden, sei beabsichtigt, Fahrzeuge aus dem eigenen Bestand technisch so zu ertüchtigen, so dass die Nutzungsdauer verlängert werde. Der Plan sieht vor, die Löschfahrzeuge der Ortsfeuerwehren Völpke-Badeleben und Wefensleben im Jahr 2021 für je 25 000 Euro zu überholen und zu ertüchtigen. Damit verlängert sich ihre Nutzungsdauer. Genauso wie beim Löschfahrzeug der Feuerwehren Eilsleben-Ummendorf, dass 2022 auch mit einem Kostenaufwand von 25 000 Euro generalüberholt werden soll.

Insgesamt weist der Brandschutzbedarfsplan in der Oberen Aller für die nächsten 20 Jahren Kosten von mehr als sechs Millionen Euro aus, um die nötigen Ersatzbeschaffungen bei den Fahrzeugen finanzieren zu können. Etwa 1,74 Millionen Euro könnten über Förderungen des Landes erfolgen. Der übergroße Rest bleibt an der Verbandsgemeinde hängen, wobei die Realisierung von der jeweiligen Haushaltslage in den Folgejahren abhängt.

Wegen der Mitgliederentwicklung einzelner Ortswehren sowie dem kurzfristigen Ausfall von Einsatztechnik für den Mannschaftstransport empfiehlt die Analyse zudem einen Ringtausch von Fahrzeugen.

Bestandteil der Analyse ist weiterhin der Zustand bei der Versorgung von Löschwasser in der Oberen Aller, bei der es in einigen Ortschaften nach den Worten von Nienstedt Defizite gebe. Im Betrachtungszeitraum der Risikoanalyse ab 2012 kam es im Bereich der offenen Löschwasserentnahmestellen wie Teichen, Zisternen, Flüsse oder Bäche immer wieder zu Mängeln, die mit einem Löschwasserdefizit einhergingen. Beispielsweise waren Löschteiche in einem erheblichen Umfang verschlammt und mussten durch einen erhöhten finanziellen Aufwand saniert werden. Ferner wurden Anlagen undicht und wurden gänzlich unbrauchbar. Durch lang anhaltende Hitzeperioden sank vielerorts der Wasserspiegel erheblich. Für die künftige Sicherstellung durch die stationäre Löschwasserbereitstellung sollten neben Löschteichen Alternativen erwogen werden, heißt es in der Analyse weiter.