Geschichte

Fotodokumentation im Bürgerhaus von Langenweddingen

1075 Jahre – Langenweddingen feiert Geburtstag. Anlässlich des Jubiläums gab es im Bürgerhaus eine Feierstunde des Heimat- und Kulturvereins „Die Weddinger“. Eine Ausstellung liefert Eindrücke zur Geschichte.

Von Udo Mechenich
Daehre (l.) dankt Kluba (M.) und Zimmermann für deren Engagement.
Daehre (l.) dankt Kluba (M.) und Zimmermann für deren Engagement. Udo Mechenich

Langenweddingen - Auf den 29. Juli 946 nach Christus datiert ist eine Schenkungsurkunde des Ostfrankenkönigs Otto I. Darin schenkt er den Mönchen des Moritzklosters zu Magdeburg 25 Dörfer. Eines von ihnen ist „Uesteruuattinge“, was später zu Langenweddingen wurde. Diesem Dokument zufolge ist das heutige Langenweddingen also schon 1075 Jahre alt.

Um diesen runden Geburtstag entsprechend zu feiern, gab es zum Einstieg am vergangenen Wochenende eine Ausstellungseröffnung des Heimat- und Kulturvereins „Die Weddinger“ im örtlichen Bürgerhaus. Hierin dokumentiert der Verein, unter Federführung von Jürgen Zimmermann und Josef Kluba, die Geschichte des Dorfes.

Der ehemalige Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre begrüßte die Gäste und zeigte sich sichtlich beeindruckt, „mit welcher Akribie die Dokumente zusammengestellt wurden. Wer die Ausstellung sieht, erkennt sofort, wie viel Arbeit da drin steckt“. Als Freund des Heimatvereins bezeichnete es Daehre als „unverzichtbar, dass man seine eigene Vergangenheit kennt“. Der große Besuch der Ausstellungseröffnung zeige, wie „hoch die Sehnsucht ist, hierzu fundierte Informationen zu bekommen.“ 1075 Jahre sei schon eine lange Geschichte, man müsse „sich nur einmal vor Augen halten, dass Berlin viel, viel jünger ist“.

Zehn Ausstellungsvitrinen

Zehn Ausstellungsvitrinen mit jeweils bis zu 50 Fotos zeigen die Entwicklung Langenweddingens. Thematisch unterteilt sind sie unter anderem in Verkaufseinrichtungen, Post, Gewerbe im Ort, Schill, Schulen, Alter Hof, Kindertagesstätten und eine riesige Informationstafel mit geschichtlichem Hintergrund.

Kluba meinte denn auch, dass „1075 Jahre schon etwas Besonderes sind. Das wird nicht jede Ortschaft. König Otto I, der spätere Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, hat in dieser Region seine Spuren hinterlassen. Die hervorragende Anbindung Langenweddingens an Magdeburg mit Straßen und Schifffahrtswegen ist nur ein Zeugnis davon.“ Die Regierung dieses Herrschers zeichne sich durch geschickte „Familienpolitik“ und durch Kriege aus. Die Schenkungsurkunde aus dem Jahre 946 sei für Langenweddingen sehr gut gewesen, denn fortan habe es unter dem Schutz des Moritzklosters und somit unter dem Schutz des Herrschers gestanden, urteilte Kluba. „Der Heimatverein wollte, trotz Corona, die 1075 Jahre nicht ohne entsprechende Würdigung vorbeigehen lassen. Das ist ein wichtiges Ereignis für unserem Heimatort und muss würdig gefeiert werden.“ Die Zusammenstellung der Fotos sei die Arbeit von Jahren. Kluba: „Geschichte ist wichtig für die Gegenwart und die Zukunft.“

In seinem Rückblick ging Zimmermann noch weiter zurück. „Vor 200 Millionen Jahren war hier noch ein riesiges Flachmeer. Davon zeugen Muschelkalksteine, die wir heute hier immer noch finden. Vor 200 000 Jahren lag Langenweddingen noch unter einem Eispanzer. Dieser zog sich erst vor 10 000 Jahren zurück. Zu dieser Zeit liefen hier in den Wäldern schon Jäger und Sammler herum“, erklärte Zimmermann, „die Ottonen-Zeit hat uns tatsächlich bereichert. In ihr steckt der Ursprung für den Burgenbau. Diese Burgen boten Schutz und waren das Zentrum für den Handel.“ An der Stelle des heutigen Langenweddingens seien damals Gehöfte entstanden, die sich Stück für Stück zu einem Ort zusammenschlossen. Was treibt Zimmermann an, sich mit solch alten Fotos zu beschäftigen? „Es gibt gerade im ländlichen Raum Traditionen, die aufrecht erhalten werden sollten. Nur so wird das Historische bewahrt und kann an die Jüngeren weitergegeben werden.“

Das Langenweddinger Ratsmitglied Sebastian Behrendt bezeichnete es als Besucher „wichtig, dass solche Bilddokumentationen gemacht werden. Sie zeigen die gesamte Historie des Ortes und beinhalten an so manchen Stellen die eine oder andere Überraschung. Dies kann uns Impulse für die Zukunft geben“.

„So eine Vielzahl an Fotos zur Geschichte ist gut“, meinte auch der Langenweddinger Ulrich Patze, „es gerät sonst so viel in Vergessenheit. Wenn man junge Menschen fragt, was sie noch von der Vergangenheit wissen, dann kommt da meist gar nichts mehr. Da sind solche Ausstellungen unverzichtbar.“

Zu den Besuchern gehörte auch der Landtagsabgeordnete Guido Heuer. Er war sichtlich beeindruckt: „Hier wird Unsagbares für die Historie der Dörfer getan. Das ist bemerkenswert. Dem kann ich nur höchsten Respekt zollen. Ich hoffe, dass die Ausstellung hier bei uns im Bürgerhaus für viele weitere Bürger der Anstoß ist, sich mit der Historie ihres Heimatorts zu beschäftigen“.

Zum Abschluss der Festveranstaltung dankte Daehre den Kluba und Zimmermann für deren Engagement rund um die Fotodokumentation. „Für Zugezogene ist diese Arbeit sehr aufschlussreich. Diese Ausstellung kann aber nur der Auftakt im Rahmen der Festlichkeiten rund um das 1075-jährige Jubiläum von unserem Langenweddingen sein.“