Mitglieder des Verbandsgemeinderats reden offen von Schließungen / Beschlussvorlage im November erneut Thema

Frage der Schulbezirke wird zur Zerreißprobe

Von Ronny Schoof

Tagesordnungspunkt elf der jüngsten Verbandsgemeinderatssitzung barg Zündstoff. Denn erstmals wurde mit der Beschlussvorlage offen das unbequeme Thema Schulschließungen gestreift. In der Hauptsache ging es um eine Änderung der Einzugsbereiche der Obere-Aller-Grundschulen. Die Entscheidung darüber wurde vertagt. Die vorangegangene Diskussion jedoch ließ für die nahe Zukunft schwere Zeiten vermuten.

Obere Aller. Eigentlich sollte es nur noch reine Formsache sein: Marienborn wird (übergangsweise) dem Schulbezirk Wefensleben zugeschlagen, so dass die dortige Grundschule die geforderte Mindestzahl von Einschülern erreicht. Eng wird es in dieser Hinsicht laut Prognose für Wefensleben nur in den nächsten zwei Jahren, danach ginge es quantitativ wieder aufwärts. Die Neuaufteilung der Bezirke (siehe auch Infokasten) erscheint also als probates Mittel, um alle fünf Grundschulstandorte zu erhalten.

So hatte man in der Verwaltung aktuelle Zahlen gesammelt und verglichen, Tabellen erstellt, hin- und hergerechnet und letztlich den zum Beschluss vorgelegten Kompromiss erarbeitet, der auch den Bildungs- sowie Hauptausschuss bereits passiert hatte. Bürgermeister Frank Frenkel dazu: "Die Prognose hat sich für Wefensleben erstmal zum Positiven gewendet. Die Probleme würden noch weiter gemildert, wenn Marienborn hinzu kommt. Die Beratungen dazu waren jedoch keine Kuschelrunde." Im Rat aber mehrten sich nun die Zweifel, ob diese Vorgehensweise geeignet sei. Grundtenor: Wäre die Maßnahme vielleicht nur ein Aufschub für das Unausweichliche? Bemessungszahlen könnten vom Land wieder erhöht werden und das Problem somit erneut nach oben spülen. Nicht zuletzt stehen – wie könnte es anders sein – Kostenfaktoren im Raum.

Einer, der den finanziellen Auswirkungen Priorität gibt, ist Dieter Buchwald (Hötensleben/CDU): "In allen Schulen sind Investitionen in Größenordnungen nötig. Da wir aber auch zum Sparen angehalten sind, müssen wir eine Vergleichsliste aufstellen, die die Betriebs- und Investitionskosten der Standorte wiedergibt. Und dann sollte man hinterfragen: Kann sich eine Gemeinde wie Wefensleben noch eine Schule leisten?" Auch Bernd Wipper (Wormsdorf/CDU) wurde deutlich: "Wir müssen bald Entscheidungen fällen. Es sieht so aus, als müssten wir zwei oder auch drei Schulen dichtmachen."

Starker Tobak, der durch die Auskunft des Kreisreferenten für Grundschulen, Volker Kullak, nicht besser wurde: "Mit den Ausnahmen, die noch gemacht wurden, wenn die Schülerzahlen knapp nicht erreicht wurden, ist jetzt, nach der Gemeindegebietsreform, Schluss. Es gibt keine Gnade mehr, da die Verbandsgemeinden ja noch Alternativen haben. Auch die Förderung für Schulen wird an eine hohe Messlatte bei den Schülerzahlen geknüpft und das rigoros umgesetzt. Ich kann das Festhalten an den Standorten ja verstehen, aber angesichts der Voraussetzungen ist eine Konzentration eine Überlegung wert."

So mehrten sich die Stimmen, die den Beschluss aufschieben und nochmals überdenken wollten. Ein Vorgehen, das den Bürgermeister und Verwaltungschef regelrecht aus der Fassung brachte: "Die Forderungen vom Rat und seinen Ausschüssen wurden seitens der Verwaltung erfüllt. Die Neugliederung der Bezirke sollte Luft verschaffen, damit wir dann in einem zweiten Schritt ein vernünftiges Konzept für unsere Grundschulen erarbeiten können", mahnte er in ungewohnt harschem Ton. Ebenso bestürzt äußerte sich Ulla Krolop (Wefensleben/CDU): "Ich verstehe nicht, warum aus unterschiedlichen Richtungen auf einmal alles in Frage gestellt wird. Der gemeinsame Wille war mal, als großes, hehres Ziel die Schulen zu erhalten. Über eines müssen wir uns im Klaren sein: Was weg ist, bleibt weg für immer! Ich höre hier aber nur sehr kurzsichtige Meinungen."

Nichtsdestotrotz – dem Antrag auf Vertagung wurde mit 15 zu drei Stimmen (bei einer Enthaltung) zugestimmt. Das brisante Thema Schulbezirke kommt zur nächsten Sitzung Anfang November erneut auf die Tagesordnung – dann mit einer wohl richtungsweisenden Entscheidung.