Wanzleben l Drei Personen aus Klein Wanzleben müssen sich seit Mittwoch vor dem Amtsgericht Oschersleben wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Ein vierter Angeklagter wird der Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung beschuldigt.

Die drei Haupttäter, zwei Männer im Alter von 40 und 35 und eine 37-jährige Frau aus Klein Wanzleben, sollen zwei Männer unter anderem zu Boden gerungen und diese mit Schlägen und Tritten gegen Gesicht, Hinterkopf, Rücken und Knie malträtiert haben. Die Angeklagte solle den Kopf eines der Geschädigten hochgehalten haben, damit einer der mutmaßlichen Haupttäter ihm mit schweren Arbeitsschuhen mit Stahlkappen ins Gesicht treten konnte. Eine Frau, die eines der Opfer schützen wollte, sei dabei ebenso verletzt worden. So lautet der Tatvorwurf, der den drei Angeklagten seitens der Staatsanwaltschaft zur Last gelegt wird. Die Prügelei habe sich am 30. September 2016 ereignet.

Soll die Tat ermöglicht haben

Der der Beihilfe Beschuldigte soll die Tat ermöglicht haben, indem er die mutmaßlichen Haupttäter an den Ort des Geschehens in Wanzleben gefahren hat, um den gemeinsamen Tatplan umzusetzen. Sein Verteidiger Fabian Hering: „Der Angeklagte bestreitet die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Er selbst hat mit den Vorwürfen überhaupt nichts zu tun.“ Weiter wies der Rechtsanwalt darauf hin, dass es aufgrund einer Namensidentität bereits in der Vergangenheit mehrfach zu Verwechslungen mit einer anderen gleichnamigen Person aus der Region Stadt Wanzleben-Börde mit seinem Mandanten gekommen sei. Der Namensvetter sei mit der Angeklagten verheiratet und habe darum mittlerweile einen anderen Nachnamen. Die Hochzeit habe nach der Tat 2016 stattgefunden. Bereits vor 15 Jahren seien Verfahren gegen den vermeintlich fälschlich Angeklagten aus Wanzleben eingeleitet und nach eingehender Prüfung wegen einer Identitätsverwechslung wieder eingestellt worden. Hering beantragte, einen Polizeibeamten aus Groß Germersleben als Zeugen zu laden, der mit den damaligen Strafverfahren betraut gewesen sei. Richterin Neubauer: „Eine Personenverwechslung mag sein, bringt uns aber erstmal nicht weiter“. Die Richterin stellte den Antrag des Verteidigers Hering zurück, bis Zeugen gehört wurden.

Nur einer der Hauptangeklagten äußerte sich zum Tatvorwurf. Er sei mit dem zweiten Hauptangeklagten in Wanzleben spazieren gegangen. Von weitem hätten die beiden Männer Schreie gehört und seien diesen gefolgt. Vor Ort hätten sie die Hauptangeklagte, „eine gute Bekannte“ vorgefunden, die von einem der Geschädigten mit einem sogenannten Totschläger bedroht wurde. Daraufhin seien die beiden Männer eingeschritten, hätten niemanden geschlagen oder getreten, sondern den Mann lediglich zu Boden gebracht und den Totschläger aus seiner Hand entfernt. Danach hätte keine Gewalteinwirkung mehr stattgefunden. Auf die Frage der Richterin, ob ihm der der Beihilfe beschuldigte Mann bekannt sei, lautete die Antwort: „Nein, den kenne ich überhaupt nicht, der war auch gar nicht da.“

Die Geschädigten und weitere Zeugen konnten am Mittwoch zum ersten Verhandlungstermin nicht befragt werden. Der Prozessbevollmächtigte Thomas Klaus, der die Nebenkläger vertritt, hat ihnen nach eigenen Worten „abgeraten, am Termin teilzunehmen“. Mit einer Vernehmung bereits am ersten Verhandlungstag habe er nicht gerechnet und ihnen darum empfohlen, erst den Folgetermin am 10. Februar wahrzunehmen. „Wenn die Zeugen vom Gericht geladen sind, sind sie geladen. Da wäre vielleicht eine Rücksprache mit dem Gericht sinnvoll gewesen“, zeigte sich Richterin Neubauer verärgert. So konnte eine Beweisaufnahme lediglich über das Verlesen der Behandlungsunterlagen der Geschädigten begonnen werden. Die Berichte aus der Helios Bördeklinik und aus dem Medizinischen Versorgungszentrum in Oschersleben bestätigen, dass die Geschädigten Schläge und Tritte gegen das Gesicht und den Hinterkopf sowie gegen die Flanke und beide Knie erlitten haben.

Vorschlag abgelehnt

Einem Vorschlag seitens des Gerichts an die Angeklagten, nachdem diese den Tatvorwurf in vollem Umfang hätten einräumen können, lehnten alle Beschuldigten ab. Hätten die mutmaßlichen Haupttäter den Vorschlag angenommen und die Tat eingeräumt, hätte ihnen jeweils eine Strafe von einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung, eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten auf Bewährung sowie der weiblichen Angeklagten eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung gedroht. Zudem seien Geldzahlungen an die Geschädigten zur Wiedergutmachung denkbar gewesen, so Richterin Neubauer.

Einer der mutmaßlichen Haupttäter war bereits im Dezember 2020 wegen gefährlicher Körperverletzung zu neun Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Dem zweiten Hauptangeklagten wurde wegen Beleidigung im April 2019 vom Amtsgericht Oschersleben eine Geldstrafe auferlegt. Die dritte Beschuldigte sowie der der Beihilfe Angeklagte haben bisher keine Einträge im Bundeszentralregister. Die Verhandlung wird am Mittwoch, 10. Februar fortgesetzt.