Wanzleben l Gegen 20 Uhr herrschte am Montagabend, 10. Juni, im Spaßbad Wanzleben weitestgehend Ruhe. Die letzten Gäste des Tages verließen das Bad. Schwimmmeister Gino Hellrung (27) machte sich routinemäßig daran, in einer Anlage die Flaschen für Chlorgas, das zur Desinfektion des Wasser verwendet wird, zu wechseln. Plötzlich trat im Technikraum aus einer der Flaschen giftiges Chlorgas aus. Hellrung reagierte geistesgegenwärtig und evakuierte die wenigen Badegäste und die Mitarbeiter des Kioskes. Er alarmierte die Feuerwehr, die mit einem Großaufgebot anrückte. Der Schwimmmeister selbst wurde nicht verletzt, musste jedoch für 24 Stunden zur Beobachtung in ein Krankenhaus eingeliefert werden.

Fast 50 Einsatzkräfte

Wie Kai Pluntke, Leiter des Amtes Ordnung und Soziales der Stadt Wanzleben-Börde, der selbst als Feuerwehrmann am Einsatz beteiligt war, am Dienstag berichtete, rückten fast 50 Einsatzkräfte der Feuerwehren Wanzleben, Klein Wanzleben sowie des Fachdienstes ABC des Landkreises Börde, der aus Kameraden der Feuerwehren Klein Rodensleben und Meitzendorf bestand, zur Unglücksstelle aus. Sie sperrten das Spaßbad weiträumig ab. Kameraden in speziellen Chemikalienschutzanzügen rückten in das Gebäude der Chlorgasanlage vor und dichteten die defekte Flasche mit einer Notfallkappe ab. „Vermutlich war der Verschluss einer Flasche nicht richtig dicht, so dass das Chlorgas austreten konnte“, sagte Pluntke zum Grund der Havarie.

Um ein mögliches Ausbreiten des Chlorgases in der Umgebung des Spaßbades zu verhindern, nahmen die Feuerwehrleute ein sogenanntes Hydroschild, das eine Wasserwand erzeugte, in Betrieb, um ausgetretenes Gas zu binden. Messtrupps des Fachdienstes ABC machten sich in die umliegenden Wohnhäuser auf und maßen die Konzentration an Chlorgas. Die Anwohner waren aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Die Messtrupps stellten auf dem Gelände des Spaßbades und im angrenzenden Wohngebiet keine Konzentration von Chlorgas fest, so dass der Einsatz mit der Dekontaminierung der Spezialkräfte nach etwa drei Stunden beendet werden konnte.

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Reibungsloser Einsatz

„Der Einsatz ist reibungslos verlaufen“, schätzte Pluntke ein. Da es sich bei der Chlorgasanlage im Spaßbad Wanzleben um eine Anlage der Stadt handele, seien dort bereits öfters Einsatzübungen mit dem Szenario von austretendem Chlorgas durchgeführt worden. Die Stadt werde die defekte Chlorgasflasche gegen eine neue tauschen.

Weil bei dem Unfall die Sprenkleranlage wegen des austretenden Chlorgases im Technikgebäude auslöste, sei ein Sensor der Messeinrichtung beschädigt worden. Deshalb musste das Spaßbad am Dienstag geschlossen werden. „Ohne Messeinrichtung ist ein sicherer Betrieb nicht möglich“, sagte Pluntke. Die Stadt warte nunmehr auf eine Fachfirma, die den Sensor austausche und die Messeinrichtung wieder in Betrieb genommen werde. Bis dahin müsse das Spaßbad Wanzleben bis auf Widerruf geschlossen bleiben.