Einraumbibliothek

Grundschule Ummendorf: Von der Telefonzelle zum Bücherburgfried mit Zinnen und Drache

Telefonzelle braucht kein Mensch mehr? Von wegen! Zumindest das Grundgerüst erfreut sich in der Nutzungsform als Bibliothek vielerorts Beliebtheit. Nun auch an der Grundschule „Burg Ummendorf“, wo die Zelle gar als kleiner Bücherturm fungiert.

Von Ronny Schoof
Dicht umringt war bei seiner Einweihung am Kindertag der Bücherturm, den Kinder, Eltern und Lehrer in Burgfriedoptik gestaltet haben.
Dicht umringt war bei seiner Einweihung am Kindertag der Bücherturm, den Kinder, Eltern und Lehrer in Burgfriedoptik gestaltet haben. Fotos: Ronny Schoof

Ummendorf - Ob die Kinder im Smartphone-Zeitalter überhaupt wissen, wozu so eine Telefonzelle dient(e) und was es damit auf sich hat, kann Stefanie Brüggemann gar nicht klar einschätzen. „Gute Frage“, meint die Schulsozialarbeiterin der Ummendorfer Grundschule. „Aber auf jeden Fall wissen sie, wozu jetzt diese Bücherzelle hier steht.“

Vor versammelter Belegschaft wurde das neue Schmuckstück am Kindertag von Brüggemann offiziell in Dienst gestellt: Regale und Bücher statt Tasten und Hörer – und alles funktioniert auch gänzlich ohne Münzeinwurf. Kurzum, die Schule verfügt nun über ihre eigene kleine Leihbücherei unter dem Motto „Geben, nehmen, tauschen, teilen“.

Hingucker vor der Schultür

Gestaltet ist die Zelle wie ein Burgfried, der zu Füßen seines historischen Ummendorfer Pendants mit stilisiertem Mauerwerk einen wahren Blickfang vor der Schultür darstellt. Zur Krönung wacht oben auf den Zinnen ein freundlicher Drache über den Bücherhort. Und weil es somit kaum noch nach Zelle ausschaut, trägt die Feste den Namen „Bücherturm“.

Einkehren können die Kinder dort jederzeit, um sich Lektüre zu verschaffen. An den Wochenenden und in den Ferien meldet man sich dazu einfach im Börde-Museum nebenan. „Es soll natürlich zum Lesen anregen“, erklärt Stefanie Brüggemann. Der Unterschied zur klassischen Bibliothek ist, dass die Bücherzelle auch als Tauschmarkt genutzt werden kann. „Wer ein Buch mitnimmt, stellt ein anderes hinein“, wussten die Kinder schon gut Bescheid, wie es laufen soll.

Projekt der Schulsozialarbeit

Das Projekt der Schulsozialarbeit hat seinen Anfang schon vor gut zwei Jahren genommen. Brüggemanns Vorgänger, Christian Grabow, war es, der die Idee der Bücherzelle an Schule und Gemeinde herangetragen und später auch das ausgediente Telefonhäuschen vom Berliner Depot der Telekom nach Ummendorf gebracht hatte. „Ich habe das Projekt dann übernommen, und jetzt endlich konnten wir es dank der Hilfe der Gemeinde sowie einiger Kinder, Eltern und Lehrer beenden“, so die Schulsozialarbeiterin.

Die Kosten hat die Gemeinde Ummendorf getragen. „Für 2500 Euro hatten wir vor einiger Zeit schon die Zelle von der Telekom gekauft und der Schule geschenkt“, sagt Bürgermeister Reinhard Falke. „Auch den Transport hatten wir in Eigenregie organisiert. Jetzt wünsche ich viel Spaß beim Stöbern und Lesen!“

Gestaltung mit i-Tüpfelchen

In den Maiwochen nun wurden Umfeld und Baugrund für den Bücherturm hergerichtet. „Die Helfer haben ein Fundament gegossen, in den Ferien fleißig gemalert und das Beet nebenher schick gemacht“, sprach Schulleiterin Liane Helmecke ein Dankeslob an die Beteiligten aus. Die Beeteinfassung mit von den Schülern angefertigten Steinhäusern aus Gasbeton sei dabei das optisch passende i-Tüpfelchen: „Diese kleinen Kunstwerke haben einen tollen Bestimmungsort gefunden.“