Osterweddingen

"Jugendarbeit muss wieder anlaufen"

Bürgermeisterin Birgit Wasserthal fordert im Interview einen Treffpunkt für die Jugendlichen in Osterweddingen (Landkreis Börde).

Von Von Udo Mechenich

Osterweddingen l Im Neujahrsinterview stellt sich die Bürgermeisterin Osterweddingens, Birgit Wasserthal (Vereine im Sülzetal), für die Volksstimme den Fragen von Redakteur Udo Mechenich. Ihr persönlich fehlt aufgrund von Corona die Diskussion mit anderen Ratsmitgliedern.

Volksstimme: Das Thema „Corona“ schwebt über Allem. Wie schätzen Sie die Gesamtlage ein?
Birgit Wasserthal:
Die Pandemie ist auch bei uns im Sülzetal angekommen. Die Ersten sind infiziert. Als Kontaktpersonen wurden sie in Quarantäne geschickt. Die Zahlen sind meines Wissens gering, sodass die Gesamtlage aus meiner Sicht noch beherrschbar scheint.

Wie beurteilen Sie die Lage hinsichtlich der Impfungen im Sülzetal?
Für das Sülzetal kann ich keine Aussagen tätigen. Für Osterweddingen kann ich bestätigen, dass Bewohner und Pflegekräfte des DRK-Altenpflegeheims am 2. Januar geimpft wurden. Ich würde mir wünschen, dass die ortsansässigen Ärzte zeitnah in die Lage kommen, die Impfungen in den Praxen durchzuführen, da wir viele ältere Bürger haben, deren Mobilität eingeschränkt ist.

Was entgegnen Sie Menschen, die das Problem komplettiert negieren; Stichwort „Querdenker“?
Auf der einen Seite ist das Recht auf freie Meinungsäußerung im Grundgesetz verankert. Auf der anderen Seite zeigen die öffentlich zugänglichen Zahlen ein eindeutiges Infektionsgeschehen. Ich persönlich denke, dass der Schutz der Gesundheit – sei es die eigene oder die der Mitmenschen – wichtiger ist als jede Debatte über die Existenz von Corona.

Wagen Sie einen Ausblick?
Aufgrund der aktuell hohen Infektionszahlen ist aus meiner Sicht, kurzfristig nicht mit Lockerungen zu rechnen. Wir alle können nur hoffen, dass so schnell wie möglich genug Impfstoff für alle Bürger verfügbar ist, und wir wieder nach vorn schauen können. Bis dahin müssen die geltenden Abstands- und Hygieneregelungen eingehalten werden.

Wie geht es weiter mit der Ratsarbeit?
Die nächste Gemeinderatssitzung ist für Anfang Februar geplant. Auf Grund der unklaren Gesamtlage bleibt abzuwarten, ob die Sitzung stattfinden kann. Mir persönlich fehlen die Diskussionsrunden zu den einzelnen Tagesordnungspunkten.

Wie wollen Sie den Kontakt zu den Menschen und den Räten weiterhin aufrecht erhalten?
Ich bin jederzeit telefonisch, per WhatsApp oder E-Mail erreichbar. Die entsprechenden Kontaktdaten hängen im Fenster meines Büros in Osterweddingen. Den persönlichen Kontakt zu den Osterweddingener vermisse ich sehr. Ich freue mich über jeden, der mir bei meinem wöchentlichen Spaziergang über den Weg läuft.

Was ist für Sie die größte Herausforderung in Osterweddingen? Was gilt es 2021 zu schaffen? Welche Projekte stehen in Osterweddingen ganz oben auf Ihrer Agenda?
Und wenn ich es zum tausendsten mal sage: die Bauvorhaben Sporthalle, Kindertagesstätte und Grundschule vorantreiben und umsetzen. Des Weiteren gilt es, offene Punkte aus der Prioritätenliste, beispielsweise Sanierung von Straßen oder die Reinigung der Teiche, anzugehen.

Was war 2020 der größte Erfolg? Worüber sind Sie besonders froh, es 2020 geschafft zu haben?
Im Jahr 2020 ist alles zum Erliegen gekommen. Wir konnten keine Projekte umsetzen, und darüber bin ich alles andere als glücklich.

Worüber sind Sie im Blick zurück auf 2020 besonders glücklich?
Es hat mich gefreut, dass die Einschulung im Spätsommer wie gewohnt mit dem Umzug von der Kindertagesstätte zur Grundschule unter Begleitung der Schalmaienkapelle Sülldorf erfolgen konnte. Gefreut hat mich die Eröffnung des Bewegungsgartens am Altenpflegeheim des Roten Kreuzes. Alle Bürger können ihn nutzen. Darüber hinaus wurde das Gelände der Grundschule neu eingefriedet. Des Weiteren wurde durch den Betriebshof der Gemeinde der Baumbestand auf dem Friedhof neu gestaltet. Unter Einhaltung der geltenden Abstandregelungen konnten wir am 3. Oktober verdiente Bürger des Sülzetals auszeichnen. Siegfried Kindler wurde an diesem Tag zum Ehrenbürger ernannt.

Was war schmerzhaft?
Dass das kulturelle Leben in Osterweddingen zum Erliegen kam. Alle traditionellen Veranstaltungen mussten abgesagt werden. Ich vermisse auch hier vor allem den persönlichen Kontakt.

Wie steht es um die Jugendarbeit in Osterweddingen?
Die Jugendarbeit muss hier bei uns schnellstmöglich wieder anlaufen. Nur so können wir den Jugendlichen eine Perspektive nach dem Lockdown bieten. Es muss dringend ein Standort für einen Jugendtreffpunkt in Osterweddingen gefunden werden. Erste positive Gespräche mit Grundstücksnutzern haben bereits stattgefunden.