Oschersleben/Barneberg l Rosel Thiele aus Ottleben begann 1957, gerade 18 Jahre alt geworden, ihre Arbeit im Krankenhaus. Sie wurde mit Kost und Logis eingestellt. Ein kleines Zimmer über den Patientenzimmern sollte für fünf Jahre ihr Zuhause werden. Der monatliche Lohn betrug 240 DDR-Mark, davon gingen etwa 100 Mark ab für Unterkunft und Verpflegung.

Vom restlichen Geld wurde in der Verkaufsstelle ein Stück für die Aussteuer gekauft. Als junge Frau wurde sie von den Köchinnen Fräulein Warnecke und Giesela Möbius an das Zubereiten der verschiedenen Speisen herangeführt. „Sie haben mich unter ihre Fittiche genommen und von ihnen habe ich viel gelernt – nicht nur das Kochen, sondern auch fürs Leben.“ Gekocht wurde für Patienten, Ärzte und Personal sowie für die Sani-Fahrer des DRK. Gearbeitet wurde in zwei Schichten, so dass die Patienten rund um die Uhr versorgt werden konnten. Morgens gab es Haferschleimsuppe und viele Schwerkranke erhielten Wunschkost.

Kippkessel und Kohleherd

Die Küche war 1957 natürlich noch nicht nach heutigem Standard ausgestattet. Aber sie verfügte damals schon über drei Kippkessel, die die Arbeit sehr erleichterten. Allerdings stand in der Küche auch ein riesiger Kohleherd, der wahrscheinlich noch von den ehemaligen Schlossbesitzern derer von Asseburg stammte. Dieser wurde stets zu Schichtbeginn um 6 Uhr morgens als erstes befeuert.

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Auf ihm standen dann im Laufe des Tages viele kleine Töpfe mit der Wunschkost, die auf dem Herd warm gehalten wurde. Über der Küche befand sich der Aufenthaltsraum für das Personal. Mit einem kleinen Lastenaufzug konnte das Essen dorthin befördert werden. „Das war eine große Erleichterung der Arbeit“, so Rosel Zieris. Einen guten Draht hatten die Küchenfrauen auch zu den Handwerkern Woldt und Türke. Sie waren immer schnell zur Stelle, wenn es in der Küche etwas zu reparieren gab.

Aus einem Flirt wird eine Familie

Der Chefarzt der Chirurgie Kleinau hatte seine Wohnung im Haus über der damaligen Station Frauen II. Er wurde meistens besonders von Giesela Möbius bekocht und Rosel übernahm es gern, ihm das Essen über mehrere Treppen hinauf zu bringen. Auch an die netten Kollegen Proske und Schmidt aus dem Pförtnerhäuschen erinnert sich Rosel gern. Sie bewachten den Eingang des Krankenhauses und regelten den Verkehr sowie mittwochs und sonntags den Besucheransturm.

Die Arbeit in der Küche ließ auch Zeit für einen kleinen Flirt mit den jungen Herren. Sympathie bekundete der Sanitäter und Krankenfahrer Gottfried Wilhelm. Sie sahen sich ja oft an der Essenausgabe oder bei abendlichen Veranstaltungen. Aber der Funke wollte nicht so recht überspringen und Rosel verliebte sich in den Barneberger Ernst Zieris. Er wurde 1961 ihr Ehemann. Mit ihm gründete sie in Barneberg eine Familie mit zwei Kindern. Im Jahr 1962 beendete sie ihre Arbeit im Neindorfer Krankenhaus. Doch damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende. Nachdem Rosel Zieris als auch Gottfried Wilhelm verwitwet waren, fanden sie doch noch zu einander. Sie verbrachten gemeinsam noch 13 schöne Jahre.