Seehausen l Der Betrieb in der Werkstatt für behinderte Menschen der Lebenshilfe Ostfalen in Seehausen/Börde wird allmählich wieder hoch gefahren. Seit Wochenbeginn wird in der Werkstatt mit den zwei Standorten in der Stadt am See mit der Hälfte der Auslastung unter Beachtung von Hygeniebestimmungen gearbeitet. Die Leitung der Werkstatt hat ein Zwei-Tage-Wechsel-System etabliert. „So hat jeder Beschäftigte die Gelegenheit, in regelmäßigen Abständen zu arbeiten ohne noch wochenlang warten zu müssen“, sagt Mandy Lux vom Sozialen Dienst der Werkstatt für behinderte Menschen Seehausen. An beiden Standorten sind zusammen 100 Frauen und Männer beschäftigt.

Arbeit mit "halber Kraft"

So wie Nils Kungl, Sebastian Westphal, Regina Socha und Edeltraud Knorre. Die vier sitzen in der Werkstatt I an einem Tisch und montieren Plastikteile. Sie sind froh, nach der langen Zeit des Stillstandes wieder ihrer gewohnten Arbeit nachgehen zu können. Zu den Aufgaben der Werkstatt gehören am Standort I Konfektionierung, Verpackung, Recycling, Garten- und Landschaftspflege, Hauswirtschaft, Textilwerkstatt, Elektro- und Industriemontage. Am Standort II kommt unter anderem eine Holzserienmontage dazu.

„Es war wie ein Schock“, erinnert sich Mandy Lux an den 18. März. An diesem Tag wurde wegen der Corona-Pandemie für die Beschäftigten ein Betretungsverbot ausgesprochen. Betreuer und Werkstattleitung bildeten einen internen Krisenstab und verständigten sich bei Telefonkonferenzen mit der Zentrale der Lebenshilfe Ostfalen in Hundisburg über das weitere Vorgehen, um die Lage zu meistern. Neben der Werkstätten waren alle Bereiche der Lebenshilfe wie Wohnen, Kindertagesstätte, Frühförderung oder die ambulante Betreuung von der außergewöhnlichen Situation betroffen.

Solidarität untereinander

„Es herrschte eine große Solidarität untereinander. Die Mitarbeiter der verschiedenen Einrichtungsteile unterstützten sich gegenseitig“, sagt Mandy Lux. Wie zum Beispiel die Kollegen im Bereich Wohnen, damit sie den Bewohnern in dieser schwierigen Zeit eine abwechslungsreiche und schöne Tagesstruktur verschaffen konnten. Zu anderen betreuten Menschen wurde von den Mitarbeitern das Mittagessen ausgefahren. Im Berufsbildungsbereich der Werkstatt haben die Begleiter Bildungspakete gepackt und diese zu den Teilnehmern nach Hause gebracht.

„In den vergangenen Wochen haben die Fachkräfte in den Werkstätten mit aller Anstrengung die bestehenden Kundenaufträge weiterhin abgearbeitet“, verdeutlicht Mandy Lux die enormen Bemühungen in den Bereichen Montage, Holz, Wäscherei und Metall. Ziel sei es gewesen, die Kunden der Werkstatt weiterhin zufrieden zu stellen, um keinen Auftrag zu verlieren und mit allen Beschäftigten später wieder gut mit der Arbeit starten zu können. In vielen Bereichen der Lebenshilfe warfen die Betreuer ihre Nähmaschinen an und stellten Schutzmasken für die Beschäftigten und Mitarbeiter her. Allein in der Seehäuser Werkstatt wurden bislang etwa 600 Masken genäht.

Arbeit gemäß dem Leitbild

In allen Bereichen der Lebenshilfe Ostfalen seien die Betreuer ihrer Fürsorgepflicht für die Beschäftigten nachgekommen. „Für alle ist es eine schwere Zeit voller Ungewissheit, vielen Fragen und Sorgen“, sagt Mandy Lux. Das Risiko von psychischen Belastungen und Einsamkeit sei für die betreuten Menschen sehr hoch. Um dem zu entgehen, stünde mehr den je in dieser Corona-Zeit das Leitbild der Lebenshilfe Ostfalen „Zusammen mitten im Leben“ im Mittelpunkt allen Bemühens. Die Lebenshilfe mache eben aus, dass sie die Betreuten und ihre Angehörigen in allen Lebensphasen unterstützen und begleiten möchten. Die Fachkräfte der Werkstatt haben telefonischen Kontakt zu den Beschäftigten gehalten, die zu Hause bleiben mussten. Zudem bieten die Sozialdienste und psychologischen Dienste Telefon- und Videoberatungen und therapeutische Spaziergänge an. Ziel sei es, die psychischen Belastungen für die Menschen in dieser besonderen Zeit abzumildern und ihnen Zuversicht sowie Optimismus zu vermitteln.