Wanzleben l Der 21-jährige Alexander Smoljanovic aus Wanzleben betreibt ein ungewöhnliches Hobby, er sammelt Mülltonnen. Inzwischen besitzt der Kaufmann für Büromanagement im dritten Ausbildungsjahr mehr als 80 Tonnen verschiedener Hersteller sowie 300 Miniaturmodelle aus aller Welt. Er zählt zu den Kennern in der Szene, die über den ganzen Globus verteilt ist. Seit 2002 widmet er sich voll und ganz dem Sammeln der großen Tonnen.

Besonderes Modell gesucht

Jetzt war der Mülltonnen-Papst aus der Sarrestadt auf der Suche nach einem ganz besonderen Modell der unscheinbaren Abfallschlucker aus Hartplastik. „Die Müllbehälter mit der Prägung ‚WANZLEBEN‘ ohne das Kürzel ‚AEW‘ davor gab es nur 1991. Sie zählen zu den allerersten Mülltonnen aus Kunststoff, die es überhaupt in den neuen Bundesländern gab“, berichtet der Experte. Und eine solche Mülltonne wollte Smoljanovic unbedingt haben, um sie in seine Sammlung einzureihen.

Die vom Sammler gesuchte Tonne sei auch deswegen so besonders, da sie die erste Zwei-Rad-Mülltonne gewesen sei, die in der Stadt Wanzleben-Börde zum Einsatz gekommen sei, berichtete Smoljanovic weiter.

Keine Tonnen zu haben

Eine Anfrage von Smoljanovic bei dem Kommunalservice Börde AöR sei so beantwortet worden, dass ausrangierte Mülltonnen sofort verwertet würden und es angeblich keine „übrigen Mülltonnen“ gebe. „Ein etwas gegensätzliches Bild, da sich unter dem Schleppdach massenhaft ausrangierten Mülltonnen bis unter die Decke stapeln, die sogar vom Fußweg aus erkennbar sind“ berichtete Smoljanovic. Die Tonnen würden zwar regelmäßig abgeholt werden, aber es sammelten sich in kurzer Zeit neue Stapel an. So könne es durchaus sein, dass jemand die gesuchte Mülltonne habe, sie aber zur Abfallentsorgung bringe, womit sie für immer verloren sei. „Es gab 1991 einen sehr großen Auftrag mit über 500 Behältern“, wusste Smoljanovic zu berichten.

Es könne nach den Worten von Smoljanovic durchaus sein, dass der gesuchte Müllbehälter bei einem Bewohner der Einheitsgemeinde Stadt Wanzleben-Börde noch unbeachtet im Keller oder Schuppen stehe. Das Problem dabei ist, wenn man diese Mülltonne zur Abfallentsorgung bringe, könne man den Müllbehälter nicht mehr vom Hof zurückholen.

Wanzleber Zweirad-Unikat

In den sozialen Netzwerken und auf eBay Kleinanzeigen hatte Smoljanovic auch bereits Gesuche gestartet. Bedauerlicherweise sei die Suche erfolglos geblieben. „Diese spezielle Mülltonne aus Wanzleben hat für mich deswegen so eine große Bedeutung, da sie ein kleiner Teil der Geschichte dieser Stadt und des Kreises ist“, verdeutlichte der Sammler. Diese Tonne aus der Heimat sei es auch, zu der Smoljanovic die größte emotionale Bindung habe.

Fündig wurde Alexander Smoljanovic schließlich im Kleingärtnerverein „Bördeland“ Wanzleben. Er bekam den gesuchten Sonderling der Mülltonnen bei Klaus-Dieter Janetzki, wofür sich Smoljanovic herzlich bei dem Kleingärtner bedankte. Eine Belohnung von 50 Euro habe der Laubenpieper dankend ablehnt. „Zum Dank habe ich ihm zwei Miniaturmülltonnen geschenkt“, so Smoljanovic.

Rollender Holländer

Jetzt hat die Sammlung von Smoljanovic eine Mülltonne mehr. Er lagert seine Sammlung in einem kleinen Raum, der vier mal fünf Quadratmeter groß ist. „Die Tonnen sind gestapelt und der Raum ist noch gut begehbar“, sagt der Wanzleber. Nein, eine öffentliche Ausstellung seiner Schmuckstücke habe er noch nicht geplant. Die Tonne mit dem weitesten Weg nach Wanzleben stammt aus der Stadt Tilburg in den Niederlanden und hat eine Strecke von mehr als 550 Kilometern zurück gelegt. „Ich habe sie mit ein paar anderen Behältern zusammen von dem holländischen Geschäftsführer des Herstellers kostenlos erhalten“, freute sich Smoljanovic über so viel Entgegenkommen für sein Hobby im Nachbarland .

Schluss mit dem Sammeln soll sein, wenn Alexander Smoljanovic eine Mülltonne aus den Vereinigten Staaten, die in gold-metallic-farbenen Kunststoff glänzt, sein Eigen nennen und in Wanzleben begrüßen kann.