Hohendodeleben l „Silvesterraketen sollten am besten aus einer Glasflasche, die fest in einem Getränkekasten steht, gestartet werden“, erklärt Sven Drebenstedt, Feuerwehrmann in der Freiwilligen Feuerwehr Hohendodeleben. Er kennt auch Bilder, die zeigen, was passieren kann, wenn eine Rakete beispielsweise beim Anzünden in der bloßen Hand festgehalten wird. Enorme Verbrennungen auf der Haut können die Folge eines derartigen unsachgemäßen Umgangs mit Feuerwerkskörpern sein.

Ebenfalls sollte nach Aussage des Hauptfeuerwehrmannes darauf geachtet werden, in welcher Umgebung das Feuerwerk gezündet wird. Nicht nur in Städten, in denen das Zünden von Feuerwerk aufgrund der Bausubstanz ohnehin untersagt ist, sollte insbesondere zu Fachwerkhäusern, Holzfassaden und Reetdächern ein größerer Abstand eingehalten werden. Brennbare Gegenstände in der Nähe sollten allgemein zunächst aus dem Weg geschafft werden, bevor gezündet wird. In der unmittelbaren Nähe zu Kirchen, kulturhistorischen Gebäuden, Krankenhäusern und Pflegeheimen ist die Knallerei generell verboten.

Dass nach dem Entzünden der Feuerwerkskörper ein Sicherheitsabstand von mindestens acht Metern eingehalten werden sollte, ist auch in den aufgedruckten Gebrauchsanweisungen auf den Feuerwerkskörpern zu lesen. Jeder Nutzer sollte sich Zeit nehmen, diese zu lesen und darauf zu achten, dass eine sogenannte BAM-Nummer aufgedruckt ist. Das Verwenden von ausländischen Böllern ohne BAM- oder CE-Kennzeichnung ist in Deutschland grundsätzlich verboten. Hier regelt das Sprengstoffgesetz den Umgang mit Feuerwerk.

Demnach gilt unter anderem zu beachten, dass Feuerwerk der Kategorie 2 nur von Personen über 18 Jahre verwendet werden darf, jene der Kategorie 1 auch von Jugendlichen ab 12 Jahren unter Aufsicht. Kleinkinder sollten von Feuerwerkskörpern und ähnlichem generell ferngehalten werden, rät der Feuerwehrmann. „Wunderkerzen zum Beispiel sind giftig“, erklärt er.

Zündschnüre nicht mit Wasser löschen

Wird mit Feuerwerkbatterien hantiert, sollte darauf geachtet werden, dass diese auf einem festen Untergrund stehen und nicht umkippen können. Die Anzündschnüre einzelner Batterien sollten nicht miteinander verbunden werden. Feuerwerkskörper wie Kreisel oder ähnliches sind stets auf dem Boden zu zünden und nicht in der Hand zu halten. „Anzündstäbe oder ein Stabfeuerzeug sind zum Anzünden zu empfehlen, denn so kann man mehr Abstand halten und Verbrennungen vermeiden“, so Sven Drebenstedt.

Wenn die Zündschnur einer Rakete einmal brennt, bringt übrigens der Versuch, sie mit Wasser zu löschen, wenig. Wie Hauptfeuerwehrmann Drebenstedt hinweist, ist in dem Feuerwerkskörper Schwarzpulver enthalten, das nicht mit Wasser zu löschen ist. Einen Eimer mit Wasser bei der Silvesterböllerei bereitzustellen, ist dennoch nicht unsinnig: Denn sollte sich beispielsweise ein Busch in der Nähe durch das Feuerwerk entzünden, kann dieser so schnell gelöscht werden. Abgebrannte Feuerwerksreste können zur Sicherheit ebenfalls mit Wasser abgelöscht werden. Empfehlenswert ist auch immer, zu wissen, wo der nächste Feuerlöscher steht.

Besondere Vorsicht gilt laut dem Feuerwehrmann bei Blindgängern – also jene Feuerwerkskörper, die zwar angezündet wurden, aber nicht hochgegangen sind. Sie sollten auf Anraten von Sven Drebenstedt etwa 20 bis 30 Minuten liegen gelassen und vielleicht auch mit Wasser übergossen werden, ehe sie in der schwarzen Mülltonne entsorgt werden.

Wer Feuerwerkskörper nicht ordnungsgemäß transportiert und sie zum Beispiel in die Jacken- oder Hosentasche steckt, riskiert ebenfalls bereits schwere Verbrennungen. In Sachen Erster Hilfe weiß Sven Drebenstedt ebenso Rat: „Bis zu handtellergroße Brandverletzungen sollten nach Möglichkeit gereinigt und mit kaltem Wasser gekühlt werden. Größere Verbrennungen sollten steril abgedeckt und maximal mit lauwarmem Wasser gekühlt werden, da es sonst zu einer Unterkühlung kommen kann. Zu empfehlen sind alukaschierte Wundauflagen. Sollten sich Blasen bilden, sollte der Verletzte schnell zum Arzt gebracht werden.“

Balkone sollten freigeräumt werden

Doch auch diejenigen, die sich nicht der Silvesterknallerei hingeben möchte, sollten Vorkehrungen treffen, damit die Feuerwehr nicht zum Einsatz kommen muss. Denn wie schnell verirrt sich eine Rakete auf einen Balkon oder in ein Fenster? Balkone sollten deshalb aufgeräumt beziehungsweise von Papier und anderem brennbaren Material befreit werden. Fenster sollten geschlossen und die Außenjalousien möglich heruntergelassen werden, rät der Feuerwehrmann. Auch so manche Konifere, die im Inneren sehr trocken ist, hat in der Vergangenheit in der Silvesternacht schon in Flammen gestanden, entzündet durch Feuerwerk.

Sind alle Vorkehrungen getroffen, können Sven Drebenstedt und alle anderen Feuerwehrkameraden der Stadt Wanzleben-Börde guter Hoffnung sein auf einen ruhigen und einsatzfreien Jahreswechsel. Einige der Kameraden werden sich in Einsatzbereitschaft halten, falls die Hilfe der Feuerwehr am Silvesterabend doch benötigt wird.