Osterweddingen l Es ist Punkt 0 Uhr vor dem Tor des DHL-Paketzentrums in Osterweddingen. Rund 60 Angestellte der Deutschen-Post-Tochter schwenken Fahnen und Transparente die zeigen: „Hier wird gestreikt“. „Das Unternehmen steht glänzend da und vermeldet immer neue Rekordgewinne. Auch den Aktionären des Unternehmens geht es gut. Nur die Beschäftigten leiden unter der extrem hohen Arbeitsbelastung und dem fehlenden Personal“, erklärt Andreas Kögler, stellvertretender Bundesvorsitzender der Kommunikationsgewerkschaft DPVKOM und selbst Mitarbeiter am Standort. Arbeitnehmer sollten nicht nur finanziell von der positiven Entwicklung des Unternehmens profitieren, sondern auch in Form zusätzlicher freier Tage. „Die Deutsche Post bekommt nur dann neues Personal, wenn sie gute Löhne zahlt und bessere Arbeitsbedingungen bietet. So kann es jedenfalls nicht weitergehen“, sagt Kögler.

Gewerkschaft fordert 5,5 Prozent Lohnplus

Mit dem nächtlichen Arbeitsausstand fordert die Arbeitnehmerorganisation von der Deutschen Post, über die Lohnforderungen der bundesweit rund 130.000 Tarifbeschäftigten zu verhandeln. So will die Kommunikationsgewerkschaft 5,5 Prozent mehr Lohn bei einer zwölfmonatigen Vertragslaufzeit. Alternativ soll es auch möglich sein, dass Beschäftigte für eine etwas geringere Lohnerhöhung von 3,5 Prozent zusätzlich fünf Tage bezahlte Freistellung erhalten. Vollzeitarbeitnehmer sollen mindestens 2000 Euro mehr verdienen, wenn sie auf zusätzliche freie Tage verzichten. Im anderen Fall soll die Mindesterhöhung bei 1300 Euro liegen.

Derweil erscheint DHL-Niederlassungsleiter Ingo Kutsch bei den Streikenden und redet beruhigend auf sie ein. „Streik ist ein Grundrecht der Demokratie“, sagt er und ergänzt: „Wir sind mit den Sozialpartnern in Verhandlungen und guten Gesprächen. Das Unternehmen ist auf Wachstum. Auch die Mitarbeiter müssen daran beteiligt werden, und zwar mit Lohnwachstum.“ Unterdessen verweist der Unternehmensleiter darauf, dass Mitbewerber nur Mindestlohn zahlten. „Da sind wir ja weit drüber.“

40.000 Pakete bleiben liegen

Dirk Siesing, DPVKOM-Ortsvorsitzender, fordert einen Überlastungsschutz für ihn und seine Kollegen. „Die Arbeit geht auf die Knochen. Viele Kollegen müssen mehr arbeiten, weil Arbeitskräfte fehlen. Deshalb ist der Krankenstand sehr hoch“, verweist Siesing auf die aktuelle Situation. Werde der Lohn erhöht, fänden sich auch mehr Mitarbeiter.

Laut Gewerkschaft wird in der Nacht nicht nur in Osterweddingen gestreikt, sondern bundesweit. So sollen mehrere zehntausend Haushalte in Essen, Herford und Rendsburg von dem Ausstand betroffen sein. Wie die Pressestelle der Deutschen Post am Donnerstagmorgen mitteilt, werden in der Börde trotz des Ausstands alle Pakete wie geplant bearbeitet worden sein. "Alle Sendungen befinden sich bereits in der Zustellung", hieß es. Im Paketzentrum sind aktuell 140 Mitarbeiter beschäftigt.