Wanzleben l Karin Stasch, Alexandra Wernet und Andrea Schmidt vom Verein Bündnis für Tiere sind in Wanzleben unterwegs, um Orte auszumachen, wo sich verstärkt frei laufende Katzen aufhalten. Auf dem Gelände der Metallbaufirma Refert hinter dem Edeka-Markt werden sie schnell fündig. „Der Inhaber hat uns berichtet, dass sich hier mehr als 20 Katzen aufhalten würden“, sagt Karin Stasch aus Magdeburg als stellvertretende Vorsitzende des Bündnisses für Tiere. Nur ein Ort von vielen in der Einheitsgemeinde.

„Ja, wir haben ein massives Problem mit streunenden Katzen auf unserem Gelände“, bestätigt Bastian Herrmann, Juniorchef der Metallbau Refert GmbH Wanzleben. Die Katzen würden alles vollkoten, was zu einem unerträglichen Gestank führe. Niemand wolle, dass sein Grundstück als Toi­lette missbraucht werde. Sie selbst würden die Katzen nicht füttern. Dafür würden jedoch Pächter einer in der Nähe gelegenen Kleingartenanlage sorgen. Und die Katzen ziehe es immer wieder auf das Firmengelände.

Falsch verstandene Tierliebe

Aus Sicht des Bündnisses führt falsch verstandene Tierliebe von Einwohnern zum schnellen Anwachsen der Katzenanzahl. „Die Menschen füttern die Katzen, die sich dann schnell vermehren. Eine Katze wirft im Jahr bis zu drei Mal mehrere Junge“, verdeutlicht Karin Stasch. Das Problem dabei sei, dass die Katzen und Kater nicht sterilisiert oder kastriert seien. Deshalb die unkontrollierte Vermehrung. Auch seien die Tiere, wenn sie in großen Gruppen auftreten würden, anfällig für Krankheiten.

Das Bündnis für Tiere hat sich unter anderen auf die Fahnen geschrieben, etwas gegen die unkontrollierte Vermehrung der Katzen zu unternehmen. „Wir fangen die Katzen in Fallen ein und bringen sie zum Tierarzt“, sagt Karin Stasch. Dort würden sie kastriert und sterilisiert, um wieder in die Freiheit entlassen oder in ein Tierheim vermittelt zu werden. Ein derartiger Eingriff beim Tierarzt koste je nach Region zwischen 60 und 100 Euro. Geld, dass das Bündnis nicht habe und deshalb auf Zuschüsse und Spenden angewiesen sei. In Hohendodeleben war es dem Bündnis im vergangenen Jahr gelungen, in einer Gartenanlage 30 Katzen einzufangen und zum Tierarzt für die nötigen Eingriffe zu bringen. Die Stadt Wanzleben-Börde hatte dazu einen Zuschuss von 4000 Euro an das Bündnis gezahlt. Jetzt hoffen die Tierschützer auf eine erneute Geldspritze aus dem Rathaus, um der Katzenfülle Herr zu werden.

„Laut unserer Gefahrenabwehrverordnung ist das Füttern wildlebender Katzen untersagt. Wir erlauben es nur Tierschutzvereinen auf Antrag“, sagt Kai Pluntke, Leiter des Amtes für Ordnung und Soziales der Stadtverwaltung Wanzleben. Das Füttern der Katzen sei der Grund für die wachsenden Populationen. In Hohendodeleben und Wanzleben habe die Stadt schon Projekte zur Sterilisation und Kastration unterstützt. „Aber es ist eine Ermessensentscheidung und derzeit haben wir keine Schwerpunkte aus der Sicht der Gefahrenabwehr“, verdeutlicht Pluntke.

Zusammenarbeit mit Kreis

Die Stadt arbeite beim Thema Katzen eng mit dem Landkreis Börde zusammen. „Diese Problematik bewegt uns rechtlich und inhaltlich. Es sind Lebewesen, die eigentlich dem Tierschutz unterliegen sollten. Unverständlicherweise hat der Gesetzgeber das Thema der Gefahrenabwehr zugeordnet“, sagt Pluntke. Für den Tierschutz sei der Landkreis zuständig, für die Gefahrenabwehr die Stadt. Das habe Folgen für die Arbeitsweise der Verwaltung. Das Gesetz zur Übertragung der Ermächtigung zur Festlegung von bestimmten Gebieten zum Schutz freilebender Katzen ermögliche den Gemeinden zur Eingrenzung hoher Katzenpopulationen mit geeigneten tierschutzgerechten Maßnahmen tätig zu werden.

„Grundsätzlich wollen wir davon keinen Gebrauch machen, da das Land den Gemeinden als Sicherheitsbehörden diese Aufgaben übertragen hat und nicht den Tierschutzbehörden“, verdeutlicht Pluntke. Der Mehrbedarf werde nicht vom Land bezahlt, obwohl es eine zusätzliche Aufgabe sei, die im Ermessen der Gemeinden stehe, ob sie ausgeführt werde. Die Tierschutzvereine würden auf der Grundlage des Gesetzes von den Kommunen die Umsetzung von Maßnahmen erwarten. „Wir müssen dann dem Ermessen sachgerecht entsprechen. Das werden wir auch tun, in Zusammenarbeit mit dem Landkreis als Tierschutzbehörde“, kündigt der Amtsleiter an. Die Unterstützung sei schon zugesagt worden. Fakt sei, dass die Stadt Wanzleben als Gefahrenabwehrbehörde zusätzliche Aufgaben zu erfüllen und Kosten dafür zu tragen habe.