Wefensleben l „Es verschwinden keine Gelder“, entgegnet der seit 1. November ehemalige Fußballabteilungsleiter, Marcel Böttcher, der so wörtlich geäußerten Behauptung des TSV-Vorsitzenden, Torsten Fieseler. „Abrechnungen wurden entsprechend gemacht und mit dem Finanzwart des TSV abgestimmt“, so Böttcher weiter. An den notwendigen Stellen seien Korrekturen im Sinne des TSV vorgenommen worden.

Es ist die Reaktion auf den Volksstimme-Artikel „TSV Wefensleben streicht Fußball aus dem Verein“ vom 29. Oktober. Zuvor war bekannt geworden, dass der TSV-Vorstand Mitte September die Auflösung der Abteilung Fußball zum 31. Oktober beschlossen hatte. Als Grund wurde „unseriöses Finanzgebaren“ angeführt, das man nicht mehr weiter mittragen wolle. Vereinsvorsitzender Fieseler hatte vor diesem Hintergrund auch zivilrechtliche Schritte gegen einzelne Verantwortliche angekündigt. Um was für Gelder und Summen es geht, wollte er der Presse gegenüber nicht äußern.

Ein Knackpunkt in dem laut den Beteiligten seit mehreren Jahren schwelenden Streit ist offenbar das Vereinsheim am Sportplatz. So zumindest lassen es Marcel Böttcher und sein ebenfalls geschasster Stellvertreter Marko Bader im Gespräch mit der Volksstimme durchblicken. Das Lokal werde als von der Gemeinde gemieteter Clubraum betrieben. Nicht gewerblich, sondern ehrenamtlich und daher auch nicht gewinnorientiert. „Es sollen damit die Unkosten wie Miete und Schiedsrichter gedeckt werden, und wir wollen, dass es sich die Zuschauer leisten können, an den Spielen und Veranstaltungen teilzuhaben“, erklärt Böttcher. „Der TSV akzeptierte dies nicht und forderte höhere Preise.“ Bader ergänzt: „Wir sollten das als Gaststätte aufziehen und Gewinne erwirtschaften. Dagegen haben wir uns gewehrt.“ Insofern sei man nun aus fadenscheinigen Gründen ausgebootet worden. „Es lässt sich so deuten, dass man unbequeme Stimmen und andere Meinungen loswerden wollte.“

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Art der Trennung hinterlässt Bitterkeit

Die Entscheidung des TSV haben die Fußballer mittlerweile verdaut. „Es hat sich zu viel Misstrauen auf beiden Seiten aufgebaut, und die Chemie stimmt einfach nicht mehr“, so Bader. „Wir haben die Lust verloren, weiter zu streiten. Wir wollen auch keine schmutzige Wäsche in der Öffentlichkeit waschen. Aber wir möchten auch nicht unseren Ruf ruinieren lassen und einfach einige Dinge klarstellen. Wenn es zusammen nicht mehr geht, dann wollen wir uns wenigstens so trennen, dass man sich hinterher noch in die Augen schauen kann.“

Die Art der Trennung erachten die Verstoßenen für missraten, zumal sie aus ihrer Sicht hinterrücks erfolgte. „Wie dieser brisante Beschluss vorbereitet und auf der Vorstandsversammlung dann dargebracht wurde, ist schon sehr fragwürdig, der Schritt als solcher auch unverhältnismäßig“, meint Marcel Böttcher. „Wir hätten uns wenigstens mehr Zeit gewünscht, um die organisatorischen Dinge auch für den Spielbetrieb zu klären. Aber wir wurden vorab nicht informiert, sondern vor vollendete Tatsachen gestellt – und das gegenüber einer Abteilung, die ein Viertel der Vereinsmitglieder umfasst. Wir haben dann zweimal Protest gegen den Rauswurf eingelegt und das Gespräch mit dem Vorsitzenden gesucht – vergeblich. Stattdessen wurde nur aufgrund von Vermutungen vom TSV eine Privatperson durch öffentliche Aushänge namentlich diskreditiert. Was ist das für ein Niveau?“

Den Spielbetrieb für die als aktiv beim TSV gemeldeten Fußballer – sie stehen in einer Spielgemeinschaft mit dem Harbker Sportverein – habe man in Kooperation mit dem Kreisfußballverband vorerst gesichert. Dennoch bleibe insgesamt ein bitterer Beigeschmack: „So etwas spaltet das Dorf“, bedauert Marko Bader. Es laufe nun darauf hinaus, dass in Wefensleben ein zweiter Sportverein gegründet wird.