Blumenberg l Wenn Jette Trieb von dem vielen Müll redet, den gedankenlose Zeitgenossen rund um ihr Heimatdorf Blumenberg immer wieder achtlos in der Landschaft entsorgen, dann wird die 14-Jährige richtig sauer. „Das ist doch total doof, wenn die Leute zum Beispiel ihren Müll in die Vogelschutzhecke werfen“, sagt sie. Das sei nicht nur ein Frevel an der Umwelt, auch die Wildtiere könnten sich unter Umständen an dem Sperrmüll verletzen.

Wenn Jette mit ihrem Hund „Kalli“ in der Natur unterwegs ist, hat sie schon so manchen Müllberg entdeckt und auf eigene Faust weggeräumt. Sie wendet sich besonders gegen das sich immer weiter verbreitete „Littering“. Das ist Englisch steht für Wegwerfen und Verstreuen und bezeichnet das achtlose Liegenlassen und Wegwerfen von Abfällen im öffentlichen Raum.

Aktion "Blumenberg statt Müllberg!" startet

Jetzt geht Jette Trieb noch einen Schritt weiter. Sie ruft die Blumenberger Bevölkerung dazu auf, sich an einer gemeinsamen Müllsammelaktion zu beteiligen. Die Aktion startet unter der Überschrift „Blumenberg statt Müllberg!“ am Donnerstag, 17. Oktober. Treffpunkt ist von 16 Uhr an in der Dorfmitte und der Volgelschutzhecke. Die Helfer möchten sich Arbeitsklammoten anziehen und Handschuhe mitbringen. „Der Blumenberger Kultur- und Karnevalverein BKK unterstützt die Initiative und steht hinter Jette. „Liebe Blumenberger und Mitglieder, unterstützt auch ihr diese Aktion“, verdeutlicht Matthias Brosig, Vorsitzender des BKK. Wie Jette sagt sei es geplant, dass die Stadt Wanzleben-Börde am Freitag am Tag nach der Aktion den eingesammelten Müll abholt und für die Entsorgung sorge. Initiatorin Jette hoffe zudem auf die Unterstützung von Landwirten aus dem Raum Wanzleben-Börde. Auch hat sie Zettel im Dorf verteilt, um auf ihre Aktion aufmerksam zu machen und die Einwohner von Blumenberg zum Mitmachen zu begeistern. „Ich hoffe, dass viele Leute am Donnerstag kommen und mitmachen“, bringt die Umweltaktivistin zum Ausdruck. Die Unterstützung ihrer Familie, von Freunden und des BKK ist ihr auf jeden Fall sicher.

Jette Trieb besucht die achte Klasse der Freien Waldorf-Schule in Magdeburg. Die von ihr ins Leben gerufene Müllsammelaktion ist auch Teil eines Projektes, das sie im Rahmen ihrer Jahresarbeit in dieser Klassenstufe zu absolvieren hat. „Ich habe mir überlegt, was ich ganz persönlich gegen den Müll rund um Blumenberg unternehmen kann. Und bin auf die Idee gekommen, diese Sammelaktion zu starten“, verdeutlicht das Mädchen. Auch sonst engagiert sie sich für den Umweltschutz und hat bereits an den „Fridays for Future“-Demos in Magdeburg teilgenommen. Der bloße Protest reiche Jette jedoch nicht aus, was sie darauf brachte, diese handfeste Müllsammel- aktion zu veranstalten.

Umweltsündern droht sogar Gefängnis

„Ein sauberes Umfeld macht unsere Stadt schöner. Jeder freut sich über eine ordentliche Umgebung. Jeden stören Unrat und Dreck. Es ist ganz toll, dass es diese Initiative einer Schülerin gibt“, freut sich Wanzlebens Bürgermeister Thomas Kluge (parteilos) über das Engagement von Jette Trieb. Man müsse nicht immer protestieren, man könne auch zupacken. „Ich wünsche mir, dass diese Aktion Nachahmer findet. Und Jette wird erfolgreich sein, denn die Blumenberger kümmern sich um ihren Ortsteil. Ein herzliches Dankeschön schon an dieser Stelle“, sagt Kluge.

In der Wanzleber Stadtverwaltung ist Ordnungsamtsleiter Kai Pluntke regelmäßig mit der illegalen Müllentsorgung in der Einheitsgemeinde beschäftigt. Wie er sagt, sei der Landkreis Börde nach dem Abfallgesetz und dem Kreislaufwirtschaftsgesetz für den illegal verkippten Müll zuständig. „Wir leiten die Fälle in der Regel nur weiter und lassen den Müll dann abholen“, verdeutlicht Pluntke. Wird der Verursacher ermittelt, kann es teuer werden. Nach dem Abfallgesetz droht ein maximales Bußgeld von 5000 Euro. Bei gefährlichen Abfällen wie Asbest handele es sich allerdings um eine Straftat, die mit Freiheitstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe geahndet werden könne, erklärt der Ordnungsamtsleiter.

Der Landkreis Börde hat im Jahr 2017 über seinen öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger nach eigenem Bekunden etwa 700 illegale Müllverkippungen im Wald, der offenen Landschaft und von Grundstücken beseitigen lassen. Die etwa 500 Tonnen Abfall mussten mit einem Kostenaufwand von 180.000 Euro entsorgt werden. Hinzu kommen noch 65.000 Euro Personalkosten.