Seehausen l Dass jetzt Rettungswagen mit eingeschaltetem Blaulicht und dröhnendem Martinshorn in Seehausen aus einer Einfahrt auf die Wanzlebener Straße biegen, um zu Rettungseinsätzen in die Börde-Stadt oder umliegende Dörfer zu starten, daran werden sich die Einwohner gewöhnen müssen. In einer früheren Kfz-Werkstatt auf dem Gelände des Hydraulikherstellers Nussbaum hat eine neue Rettungswache ihren 24-Stunden-Betrieb aufgenommen. Betreiber ist die Krankentransport und Rettungsdienst Ackermann GmbH Bottmersdorf. Die neue Rettungswache in Niederndodeleben in der Gemeinde Hohe Börde ist zwölf Stunden am Tag von 8 bis 20 Uhr besetzt.

„Wir haben die ehemalige Werkstatt in nur zwölf Wochen zu einer Rettungswache umgebaut“, sagte Werner Ackermann, der zusammen mit seinem Sohn Jens Ackermann als Gesellschafter das Familienunternehmen führt. Zusammen konnten Vater und Sohn sowie Rettungsdienst-Geschäftsführer Claus Günther Landrat Martin Stichnoth (CDU) und seine Büroleiterin Janina Kluge in Seehausen begrüßen, die sich die neue Rettungswache anschauen und über ihre Leistungsfähigkeit informieren wollten. Wie Werner Ackermann erklärte, habe sein Unternehmen aus Bottmersdorf einheimische Firmen gebunden, um die Werkstatt zur modernen Rettungswache auszubauen. Damit habe die Firma begonnen nachdem klar war, dass der Landkreis Teile der Leistungen des Rettungsdienstes in der Börde wiederum für die Dauer von sechs Jahren an Ackermann vergeben wird. Das Unternehmen unterhält weitere Rettungswachen in Bottmersdorf und Osterweddingen, von wo aus die Helfer in die Stadt Wanzleben-Börde und die Einheitsgemeinde Sülzetal zu Einsätzen starten.

Veränderte Zuschnitte

Bei der Neuvergabe der Konzessionen für den Rettungsdienst gab es leicht veränderte Zuschnitte. Hintergrund der Neuerungen war auch ein neues Gutachten zum Rettungsdienst im Landkreis. Fortlaufend wird unter anderem überprüft, ob im Landkreis auch die gesetzlich vorgeschriebenen Hilfsfristen eingehalten werden können. Die Hilfsfrist ist die Zeit vom Eingang der Notfallmeldung in der zuständigen Rettungsdienstleitstelle bis zum Eintreffen des Rettungsmittels an der dem Ziel nächst gelegenen Stelle an einer öffentlichen Straße. Für Rettungswagen sind dies 12 Minuten und für Notarzt- einsatzfahrzeuge 20 Minuten. Eingehalten werden muss diese Vorgabe in 95 Prozent aller Notfälle. In einigen Bereichen des großen Landkreises war es schwierig, die Vorgaben auch einzuhalten. Deshalb wurden neue Standorte für Rettungswachen beschlossen. Mit dabei die Rettungswachen in Seehausen und Niederndodeleben, die Ackermann neu aufstellen musste. Von Seehausen aus versorgt der Rettungsdienst die Stadt selbst sowie Dreileben, Eggenstedt, Klein Rodensleben, Groß Rodensleben, Remkersleben, Meyendorf, Ampfurth und Schermcke. Dabei sind die Retter die ersten am Ort des Geschehens und treffen dort mit den Notärzten im Rendezvoussystem zusammen, die aus ihren Standorten in Oschersleben, Haldensleben oder Erxleben anfahren.

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Komplizierter als der Umbau der Werkstatt zur Rettungswache in Seehausen war es, geeignetes Personal zu finden. Ackermann Rettungsdienst-Geschäftsführer Claus Günther kannte sich in der Szene aus und konnte neue Rettungssanitäter, Rettungsassistenten und Notfallsanitäter für das Unternehmen verpflichten. Um die neue Wache personell besetzten zu können, stieg die Anzahl der Beschäftigten im Unternehmen von 21 auf 30. Auch wurde in Seehausen ein neuer Rettungswagen stationiert, den der Bottmersdorfer Familienbetrieb extra bauen und ausstatten ließ.

Landkreis gut aufgestellt

„Der Landkreis Börde ist beim Rettungsdienst gut aufgestellt“, schätzte Landrat Martin Stichnoth ein. Dabei bilde die Krankentransport und Rettungsdienst Ackermann GmbH Bottmersdorf mit ihren nunmehr vier Standorten im Kreis neben den weiteren Rettungsdienstanbietern bei der Versorgung der Einwohner im Notfall einen wichtigen Teil der Kette. Stichnoth zeigte sich sehr interessiert an der neuen Rettungswache in Seehausen und nahm die Räumlichkeiten genau in Augenschein. Auch kletterte der Chef der Kreisverwaltung in den neuen Rettungswagen und ließ sich von den Experten die Ausstattung an Gerätschaften zur Versorgung der Kranken erklären. Wie der Landrat verriet, habe auch er bereits in einem derartigen Rettungswagen gelegen und sei damit wegen des Verdachts auf eine lebensbedrohliche Krankheit in eine Klinik gefahren worden. Der Verdacht habe sich als unbegründet heraus gestellt. Die Fahrt im Rettungswagen werde der Landrat jedoch nie vergessen.