Wanzleben l Ein großer Autokran ist in Wanzleben vor dem Sechsgeschosser in der Großen Gartenstraße 8 vorgefahren. Sein langer Arm reicht bis über den Wohnblock. Langsam und vorsichtig hievt der Kranfahrer Betonteile von oben nach unten. Diese hatten zuvor als Brüstung der Balkone gedient. Bauarbeiter befestigen sie an Ketten, so dass der Kran die Teile transportieren kann.

„Das in der Großen Gartenstraße 8 ist unser großer Umbau in den Jahren 2019 und 2020“, sagt Rainer Lippelt, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft Wanzleben (Wobau). Die kommunale Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Wanzleben-Börde hat damit begonnen, den Wohnblock komplett umzubauen. Der DDR-Plattenbau mit der Bezeichnung WBS-70 war zu sozialistischen Zeiten der Inbegriff des modernen Wohnens. Die Menschen mussten lange Wartezeiten und etliche Auflagen des Arbeiter- und Bauern-Staats in Kauf nehmen, um in den Genuss einer Mehrraumwohnung mit Zentralheizung und fließendem Wasser zu kommen. Doch die Wohnblöcke sind in die Jahre gekommen und müssen modernisiert werden.

Wie Rainer Lippelt berichtet, kostet der Umbau des Wohnblocks etwa zwei Millionen Euro. Etwa 133.000 Euro davon bekommt die Wobau als Förderung aus dem Programm „Stadtumbau Ost“, das mit Geld von Bund, Land und von der Stadt Wanzleben-Börde gespeist werde. Den weitaus grüßten Teil deckt die Wohnungsbaugesellschaft aus einem Darlehn der Investitionsbank und aus Eigenmitteln.

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Den Sechsgeschosser in der Großen Gartenstraße 8 lässt Wobau komplett umbauen. „Das den bisher 24 Wohnungen werden 20“, gibt der Geschäftsführer zu verstehen. Während des Umbaus sind die meisten Mieter ausgezogen. Einige, deren Bereiche noch nicht vom Umbau betroffenen sind, wohnen dort weiterhin. Etliche Mieter haben der Wobau signalisiert, nach dem Umbau wieder in der Großen Gartenstraße 8 wohnen zu wollen.

Erster Bauabschnitt bis Februar

Im ersten Bauabschnitt, der im Februar 2020 fertig sein soll, werden acht Wohnungen umgebaut. „Die Zuschnitte der Wohnungen werden komplett verändert“, verdeutlicht der Wobau-Chef. Es werden Einraumwohnungen für Alleinstehende bis zu Vierraumwohnungen für Familien geschaffen. Um dem demografischen Wandel in der Gesellschaft Rechnung zu tragen, lässt die Wobau einen Fahrstuhl anbauen. Dadurch können auch ältere Menschen die oberen Etagen ohne Probleme erreichen. Ziel der Gesellschaft sei es, das barrierefreie Wohnen weiter voranzutreiben, um es älteren Menschen zu ermöglich, so lange wie möglich in ihren angestammten vier Wänden wohnen zu bleiben. Bislang hat die Wobau lediglich ihr neu gebautes Haus in der Roßstraße 47 als einziges mit einem Fahrstuhl im Bestand.

Alle Wohnungen in der Großen Gartenstraße 8 sind nach dem Umbau barrierefrei. Der Fahrstuhl führt vom Keller bis in den sechsten Stock und hält genau dort, wo sich auf den Etagen die Wohnungen befinden. In etwa einem Monat sollen der Fahrstuhl angebaut und in diesem ersten Abschnitt die Fassade erneuert werden.

Außerdem nutzt die Wobau den Umbau des Mehrgeschossers, um den Energiebedarf des Wohnhauses zu senken. Fassade, Kellerdecke und der Dachboden bekommen eine neue Wärmedämmung. Zudem werden die Fenster und Außentüren erneuert sowie neue, größere Balkone angebaut. Das Projekt soll nach den Planungen im Herbst 2020 beendet werden.

„Gespannt bin ich auf das neue Bauprojekt der Wobau in der Großen Gartenstraße 8. Dort bekommt ein Sechsgeschosser aus den 80er Jahren ein ganz neues Gesicht“, sagt Wanzlebens Bürgermeister Thomas Kluge (parteilos), der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Wobau ist.