Wernigerode l Den Termin können sich Wintersportler und Urlauber im Kalender vormerken. Am 16. Dezember 2016 soll das neue Skigebiet am Winterberg eröffnet werden. „Das ist ein sehr ambitionierter Plan“, sagte Wernigerodes Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos). Am Montagabend hatte der Schierke-Ausschuss dafür den Weg geebnet (Volksstimme berichtete). Mit großer Mehrheit empfahlen die Mitglieder, dass die Stadtverwaltung einen Vertrag mit den Investoren abschließt. Die Geldgeber haben die Winterberg Schierke GmbH gegründet, um gemeinsam mit der Stadt die „Skiarena Harz“ zu bauen.

Wie diese aussehen soll, erläuterten die Planer in der Sitzung – zum Beispiel Christian Weiler vom Büro Klenkhart und Partner. Die Österreicher haben sich auf die Planung von Skigebieten spezialisiert und betreuen aktuell die Vorbereitungen auf die Ski-Weltmeisterschaften 2017 in St. Moritz.

Kabinenbahnen am Winterberg

Am Winterberg sollen zwei Kabinenbahnen gebaut werden. Ausgangspunkt ist die Talstation am Parkhaus Schierke. Von dort führt der erste Bahnteil zur Mittelstation, der zweite Teil bringt Gäste von dort zur Bergstation. Jeweils zehn Personen finden in einer Kabine Platz. Diese biete viele Vorteile, so Weiler: Die Kabinen seien behindertengerecht, für den Transport von Rollstühlen, Schlitten und Ski sowie für nicht schwindelfreie Gäste und Kinder geeignet.

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Die Seilbahnteile können mit unterschiedlicher Leistung betrieben werden. Sektion 1 kann bis zu 1400 Personen pro Stunde von der Tal- zur Mittelstation befördern. Sektion 2, die Skifahrer immer wieder auf den Berg fährt, schafft das Doppelte. „Umsteigen muss man nur bei Hochbetrieb, wenn die Bahnen mit unterschiedlicher Taktzahl fahren“, so Weiler.

Anschluss an Skiwelt Harz in Braunlage

Änderungen haben sich mit Rücksicht auf den Naturschutz ergeben. „Wir wollen eine Bahn mit einem Knick errichten“, erklärt Weiler. Bei der zuerst geplanten schnurgeraden Trassenführung würden wertvolle Moorgebiete zerstört. Möglichst umweltschonend wollen die Planer vorgehen. So habe sich der Flächenverbrauch gegenüber früheren Planungen fast halbiert. „Wichtig ist die Anbindung an das Skigebiet am Wurmberg“, so Weiler. Gäste können von der Bergstation Abfahrten in Braunlage nutzen, ebenso wie Skifahrer, die von Niedersachsen kommen, die Pisten am Winterberg nutzen können.

Die Hauptabfahrt beginnt an der Bergstation, eine zweite Piste wird parallel zur unteren Seilbahntrasse angelegt. Daneben ist eine Winterrodelbahn geplant. Für weiße Pisten soll eine Beschneiungsanlage sorgen. Das Wasser liefert ein Naturspeichersee, der Teil des Freizeitangebotes werden soll.

Spielplätze, Themenwanderwege, eine Sommerrodelbahn und Strecken für Mountainbikes sollen Gäste in der warmen Jahreszeit anlocken – denn die „Skiarena Harz“ ist erklärtermaßen ein Ganzjahresprojekt. „Der Sommertourismus wird deutlich zunehmen“, ist Daniel Richter überzeugt. Der Architekt aus Braunlage plant die Gebäude und ihre Nutzung. An der Talstation sollen eine Skischule, ein Skiverleih, ein Laden sowie Toiletten entstehen. „Die Mittelstation wird ein Schwerpunkt der Gastronomie.“ Aus Gründen des Umweltschutzes wurde ein Anbau an der Bergstation gestrichen. „Das Gelände liegt direkt an der Grenze zum Nationalpark.“

Rund 15 Millionen Investition

Rund 15 Millionen Euro sind für die privaten Bauvorhaben veranschlagt, etwa zehn Millionen Euro würde die Stadt Wernigerode zusätzlich ausgeben. „Wir haben die Zusage, dass bis zu 90 Prozent der förderfähigen Kosten übernommen werden“, sagte Stadtchef Gaffert. Ein Bescheid liege noch nicht vor. Ähnlich sieht es bei den Investoren aus. „Der Förderantrag wird in dieser Woche bei der Investitionsbank gestellt“, so Gerhard Bürger. Mit einer – positiven – Rückmeldung rechnet er bereits kommende Woche.

Gerhard Bürger ist im Harzkreis sehr bekannt. 2004 übernahm er die Glasmanufaktur Derenburg und überführte sie 2013 in eine Stiftung. Bürger hält 70 Prozent an der Winterberg Schierke GmbH, 20 Prozent gehören der Lüder-Gruppe. Das ebenfalls in Hildesheim ansässige Immobilienunternehmen ist unter anderem am Torfhaus Harzresort im Westharz beteiligt. Fünf Prozent hält der Wernigeröder Unternehmensberater Clemens Aulich.

Von Gerhard Bürger stammt die ehrgeizige Vorgabe, das Skigebiet am 16. Dezember 2016 einzuweihen. „Wir müssen spätestens am 1. April mit dem Bau beginnen“, so Planer Christian Weiler. Bis Ende 2015 berät der Stadtrat mehrfach über das Projekt. Die nächste Sitzung findet am 17. September statt. Dann wird über den Vertrag entschieden. Derweil soll ein neuer Name gesucht werden. Martina Tschäpe (parteilos) regte dies an, um Verwechslungen mit der Schierke Arena zu vermeiden. Unter dem Namen firmiert das Eisstadion.