Schierke l Für die Schierker ist es ein denkwürdiger Tag. Am Dienstag haben die Abriss-Arbeiten am legendären Hotel „Heinrich Heine“ begonnen. Früher Luxus-Herberge für Promis, zu DDR-Zeiten wegen der Lage in der Sperrzone für viele Menschen Sehnsuchtsort, fristete das „Heine“ seit Jahren ein trostloses Dasein. Seit 1995 steht es leer und verfällt.

An gleicher Stelle soll in den kommenden Monaten eine Ferienhaussiedlung mit 180 Betten entstehen. Bauherr des 13,5-Millionen-Euro-Projektes ist die Heinrich Heine Resort GmbH.

Nicht zu retten

Die Stadt Wernigerode hatte das 25 000 Quadratmeter große Gelände samt Hotelruine im Jahr 2013 für 144 850 Euro ersteigert – vor allem um die touristische Entwicklung des Areals zu steuern. Ziel war es, den Gebäudekomplex oder zumindest Teile davon zu erhalten – auch um ein Stück historische Identität des Brockenortes zu bewahren. Mehr als 70 000 Euro – komplett vom Land bezahlt – flossen in den vergangenen Jahren in die Sicherung des Daches. Umsonst. Gutachten hatten zwischenzeitlich ergeben, dass das Haus nicht zu retten ist. Nässe, Hausschwamm und Schimmelpilze hatten dem mehr als 100 Jahre alten Gemäuer zugesetzt. Mehrere Decken waren bereits eingestürzt. Zuletzt drohte das Gebäude in sich zusammenzufallen. Ein gefahrloses Betreten war schon lange nicht mehr möglich.

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Das erschwere nun die Abrissarbeiten, wie Planungsingenieur Sven Bieler informiert. „Wir können nicht rein.“ Deshalb arbeiten sich zwei Baukräne mit Greifarmen von oben nach unten durch die Bausubstanz. „Wir müssen Stück für Stück sortieren und gesondert abtransportieren“, so Bieler. Er rechnet mit bis zu 18 000 Tonnen Bauschutt sowie 700 Tonnen Alt-Holz, die entsorgt werden müssen. Einige Bauelemente wie beispielsweise die Granitsteine vom Eingangsportal werden für eine eventuelle Wiederverwertung zwischengelagert. Eine Million Euro sind für die Abrissarbeiten in den städtischen Haushalt eingestellt worden, informiert Andres Meling, der für die Stadtverwaltung das Projektteam für die Schierker Ortsentwicklung leitet. Zwei Drittel der Summe würden durch das Land gefördert.

Eröffnung 2017

Bis Mitte September soll das Gelände geräumt sein, danach starten die Erschließungsarbeiten. Bereits im Herbst 2017 soll das Heinrich Heine Resort eröffnet werden, so Frank Wodsack, Sprecher der Investorengruppe, bei der Unterzeichnung des Kaufvertrages mit Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos). Wodsack hegtdie Hoffnung, dass die Feriensiedlung nicht als Fremdkörper empfunden wird, sondern in den Herzen der Schierker Einklang findet – so wie einst das Hotel „Heinrich Heine“.