Wernigerode l Beim Essen haben die Kinder der Wernigeröder Diesterweg-Grundschule nicht nur ein Platz-, sondern auch ein Zeitproblem. Jeden Tag zwängen sich die 260 Jungen und Mädchen, verteilt über mehrere Pausen, durch den engen Speisesaal. Die ehemalige Hausmeisterwohnung, die lediglich Platz für 45 Schüler bietet, müssen sie sich zudem mit 35 Jugendlichen der benachbarten Thomas-Müntzer-Sekundarschule teilen.

Mit diesem „Essen wie auf der Hatz“, wie Christian Fischer es nennt, soll bald Schluss sein, so der Sozialdezernent in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses. „Das Landesschulamt teilt unsere Meinung, dass dieser Zustand mittelfristig nicht hinnehmbar ist.“ Der Plan der Stadtverwaltung: Eine neue Mensa für Diesterweg- und Thomas-Müntzer-Schüler soll an den alten Speisesaal angebaut werden.

Platz für 150 Schüler in Mensa

Im 150 Quadratmeter großen Raum sollen nach einem Entwurf des Planungsbüros ARC Architekturconzept bis zu 150 Schüler gleichzeitig essen können. „Lichtdurchflutet, hell, an das denkmalgeschützte Altstadtgebiet angepasst“, beschreibt Fischer die Vision. Der derzeitige Speisesaal soll zur Küche für den barrierefreien Erweiterungsbau mit einer vorgelagerten Terrasse umfunktioniert werden. Auch die Küche sei mit sieben Quadratmetern Fläche „nicht mehr zeitgemäß“.

Für die neue Diesterweg-Mensa rechnet die Stadtverwaltung mit Gesamtkosten von 815.000 Euro. 90 Prozent davon sollen über ein Bundesprogramm zu Verbesserung der Schulinfrastruktur finanzschwacher Kommunen aufgebracht werden, erläuterte der Dezernent. Ein Antrag auf die Förderung soll 2019 eingereicht werden. Der städtische Anteil von 80.000 Euro soll in den Haushalt für das nächste Jahr eingestellt werden.

Zur Hürde für das Projekt könnte die Enge des Diesterweg-Schulhofes werden, der keinen Platz für eine Erweiterung bietet. Deshalb suche die Stadt den Schulterschluss mit dem Landkreis Harz, dem Träger der benachbarten Thomas-Müntzer-Schule, erläuterte Christian Fischer im Bauausschuss. „Wir hoffen, dass wir kostenlos die nötige Fläche bekommen oder über das Erbbaurecht nutzen können.“ Die Kreisverwaltung habe in Vorgesprächen positive Signale dafür ausgesandt, so der Sozialdezernent weiter.

Bauausschuss stimmt dafür

„Bei bis zu 300 Kindern, die sich jeden Tag den Essensraum teilen müssen, ist die Situation akut“, pflichtete Frank Diesener im Bauausschuss bei. Wie der CDU-Abgeordnete – selbst Schulleiter – sagte, müsse dringend gehandelt werden. So empfahlen alle neun Mitglieder die Vorlage für den Anbau weiter. Als nächstes beraten der Kulturausschuss am Montag, 10. September, und der Finanzausschuss am Donnerstag, 13. September, über den nötigen Grundsatzbeschluss.