Wernigerode l Endlich sind sie zurück im Harzmuseum. Die Freude über die drei hölzernen Figuren war allen Beteiligten ins Gesicht geschrieben. „Was lange währt, wird gut“, sagte Ludwig Hoffmann als Chef des Geschichts- und Heimatvereins. Mit Unterstützung der Stadtwerkestiftung, der Sparkassenstiftung der Kreissparkasse Wernigerode sowie des Harzkreises konnten die Kunstwerke für 15.000 Euro für das Harzmuseum angekauft werden. Um das Jahr 1500 sollen die Knaggenfiguren entstanden sein, die den Heiligen Jakobus, Christopherus und Georg darstellen und einst die Front des Gothischen Hauses geziert haben. In jener Zeit war das Gebäude im Besitz der Familien Adenbuttel und hieß „dat grote hus am Spelhus“ – in Bezug auf seine Nachbarschaft zum heutigen Rathaus. Dann gehörte es unter anderem der Familie Reiffenstein und von 1869 bis 1965, inzwischen bereits als Hotel geführt, der Familie Fricke. Auch die Figuren wechselten ihren Besitzer.

Bereits seit 1989, vermutlich mit Beginn der Sanierung des Hotels, wurden sie im Harzmuseum aufbewahrt. Zu jenem Zeitpunkt waren sie immer noch im Besitz der Familie Fricke, die den historischen Schatz dem Museum als Dauerleihgabe für die Ausstellung zur Verfügung stellte. Bis 2015 – danach wurden sie bei der Familie in Halberstadt gelagert.

Einzigartige Kunstwerke

„Wenn mein 2013 verstorbener Mann den heutigen Tag erleben könnte, würde er sich freuen“, so die Erbin Annegret Fricke. Er sei mit Leib und Seele Wernigeröder gewesen und hätte den Verkauf und damit die Heimkehr der Figuren ins Harzmuseum sicher gut geheißen. Wichtig sei ihnen beiden gewesen, dass die Figuren zusammen bleiben.

„Die Knaggen sind einzigartige Kunstwerke und weisen eine hohe handwerkliche Qualität auf“, stellte Landrat Martin Skiebe (CDU) heraus. „Es ist wichtig zu wissen, was diejenigen, die vor uns gelebt haben, geleistet haben.“ Die Figuren seien Zeugnisse einer längst vergangenen Zeit, die bewahrt und der Öffentlichkeit präsentiert werden müssten.

3D-Abbilder

Es werde sogar vermutet, dass die Knaggen von Zimmerermeister Thomas Hillborch gefertigt wurden, ergänzte Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos). Sie seien in der Zeit entstanden, in der Hilleborch das spätere Rathaus umgestaltete und würden dem Figurenschmuck des einstigen Spelhus ähneln. „Für eine Stadt ist es schwer, solch kulturgeschichtlich bedeutende Stücke zu halten“, so Gaffert. „Um so schöner ist es, dass sie jetzt zurückkehren.“

Übrigens: Auch als 3D-Abbilder sollen die Knaggenfiguren für die Nachwelt erhalten werden. „Diese Idee haben wir in der Stadtwerkestiftung entwickelt “, informierte Franz Mnich. Die Datensätze sollen beispielsweise dem Teutloff Bildungszentrum für die Schülergießerei überlassen werden.