Wernigerode l Deutsch-spanische Geselligkeit am Grill: Acht junge Spanier haben sich mit zehn Wernigerödern zu einem Barbecue getroffen. Die Harzer bereiten sich auf ein zweimonatiges Praktikum in Spanien vor, die Spanier haben ein einmonatiges Praktikum in Wernigerode und Umgebung am Mittwoch, 31. Mai, abgeschlossen.

Ziel ist Barcelona

Ziel der Deutschen ist Barcelona. Ihr Ziel: Sie wollen berufliche Stärken erkennen und ausbauen. Gefördert wird das Praktitkum von der Europäischen Union im Rahmen des Programms „Fit für Europa – Erfolg durch Mobilität“. Die Teilnehmer haben keine ganz akkuraten Lebensläufe, sie sind Berufs- oder Studienabbrecher, einige inzwischen Hartz-IV-Empfänger.

Aber sie eint eines – sie wollen einen Neustart wagen. Unterstützt werden sie dabei von den Jobcentern der Agentur für Arbeit und der hiesigen Akademie Überlingen. Die dortige Projektleiterin Lidia Roca-Garcia, selbst Spanierin, hatte den Treff am Grill organisiert.

Sie wollte von den jungen Spaniern erfahren, ob ihnen das Praktikum im Harz beruflich weiterhelfen konnte. Außerdem möchte sie die Harzer auf ihren Spanien-Trip vorbereiten und den Start in dem EU-Partnerland erleichtern.

„Unter den zehn Deutschen aus dem Harz sind zwei frühere Studenten mit Studienabschluss, aber auch einige Jugendliche, die eine Lehre begonnen hatten, ohne sie abzuschließen - aus unterschiedlichen Gründen“, so Lidia Roca-Garcia.

Zwei Monate im Ausland

Unterstützt wird die Spanierin von Projektmitarbeiter Christian Wurzendorf. „Seit dem Jahr 2009 gibt es diese Hilfe für Jugendliche. Seitdem wurden allein in Kooperation mit der Akademie Überlingen rund 400 Teilnehmer in andere EU-Länder für den Zeitraum eines zweimonatigen Praktikums geschickt“, informiert Christian Wurzendorf.

England, Österreich und die Niederlande waren die bisherigen Zielländer, jetzt sei Spanien hinzugekommen. „Seit 2015 gibt es für das Programm veränderte Förderrichtlinien, dazu gehört auch die Vorbereitungsphase des Praktikums“, ergänzt Lidia Roca-Garcia.

Zu den jungen Leuten aus Bilbao gehört der 18-jährige Mario Campo Luna. Er absolviert eine Ausbildung zum Informatiker und war erpicht, seinen „Lebenslauf interessanter“ zu machen. Er wolle bei einer späteren Jobsuche „auf Deutschkenntnisse und auf ein Praktikum in Deutschland verweisen können“, erläutert er. Er wisse, dass ein solches Praktikum in Spanien viel zählt. Vielleicht, so seine Hoffnung, finde er sogar in einem internationalen Konzern eine Anstellung.

Herzlicher Empfang im Harz

Der 18-jährige Gocka Garcia Rodriguez, der ebenfalls Informatiker werden möchte, verweist auf die herzliche Aufnahme hier in der Harzregion. Er habe eine Menge Gutes über Deutschland erfahren und hier viel gelernt, berichtet er.

Mit großen Erwartungen reist der 25-jährige Wienröder Sebastian Lindemann in der ersten Juliwoche nach Barcelona zum zweimonatigen Praktikum. Für ihn ist es wichtig, etwas Spanisch zu lernen. Sprachkenntnisse seien sehr wichtig, so der Ingenieur.

Er wünscht sich nach der Rückkehr Arbeit „vielleicht sogar in einem internationalen Unternehmen.“ Der 27-jährige Blankenburger Ronny Ossig, der seine Lehre als Konstruktionsmechaniker abgebrochen hatte und nun eine völlig neue berufliche Ausbildung anstrebt, hatte sich für das „Fit für Europa“-Programm entschieden, nachdem er vom Jobcenter dazu eine Einladung erhalten hatte. Er möchte künftig in Richtung Garten- und Landschaftsbau beruflich tendieren.

Internationale Erfahrung

Auch der 27-jährige Blankenburger Robert Kress nutzt den Spanienaufenthalt für eine berufliche Neuorientierung. Seine Lehre als Koch hatte er abgebrochen, nun will er Fahrzeuglackierer werden und hofft in Spanien auf einen entsprechenden Praktikumsplatz.

„Mit der Unterstützung des Mobilitätsprogramms Erasmus bietet die Akademie Überlingen jungen Leuten die Chance, europaweit Berufserfahrungen zu sammeln und fremde Arbeitsweisen und Kulturen hautnah zu erleben“, sagte Lidia Roca-Garcia, als sie mit den jungen Spaniern und Deutschen aus der Region Wernigerode beim gemütlichen Grillen zusammen saß.

Internationale Erfahrungen würden immer wichtiger, fügte sie hinzu.