Wernigerode l Eigentlich, verrät Uwe-Friedrich Albrecht im Geheimen, habe er sich in der Vergangenheit als Gast von Verleihungsveranstaltungen in der Magdeburger Staatskanzlei immer gewundert. Darüber, dass alle Geehrten aus ihrem Engagement kein Aufhebens machten und betonten, ihre Aufgabe doch nur mit maximalem Engagement erfüllt zu haben. Nunmehr, so der Wernigeröder Christdemokrat, gehe es ihm genauso. Am Montagnachmittag, wenn ihm Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) die Verdienstmedaille des Bundesverdienstordens verleihen wird. Dann, blickt Albrecht voraus, werde wohl auch er betonen, dass er seine Aufgabe doch auch nur mit Überzeugung und voller Tatkraft mache.

Wobei schon hier der Plural gefragt ist – nicht Aufgabe, sondern Aufgaben. Schließlich ist der 63-Jährige im Harzkreis ein Kämpfer auf vielen Bühnen: Ganz vorne steht sein berufliches Engagement für die Belange und Probleme von Menschen mit Hörproblemen. Seit Jahren leitet Albrecht die Beratungsstelle für Hörbehinderte in Halberstadt und agiert sich in dieser Funktion über die Kreisgrenzen hinaus.

Engagierter Kommunalpolitiker

Darüber hinaus mischt Albrecht seit vielen Jahren auch in der Politik mit. Bis 2019 saß der CDU-Politiker eine Legislaturperiode lang im Harzer Kreistag. Außerdem formt er im Stadtrat Wernigerode seit mittlerweile gut 21 Jahren die Entwicklung seiner Heimatstadt direkt mit. Nicht an irgendeiner Stelle, sondern seit 2004 als Stadtratspräsident.

Was nicht überrascht. Albrecht vermag es mit seiner freundlich-verbindlichen Art, Politiker aller Couleur an einen Tisch zu holen. Nicht zuletzt sein faires Agieren über die Grenzen von Parteien und Wählergruppen hinweg prädestiniert den gelernten Mechaniker für diese Aufgabe als Brückenbauer. Einer, der auf Menschen zugehen kann und gegenüber Politikern und Wirtschaftsleuten ebenso den richtigen Ton findet wie gegenüber Menschen in Vereinen und Verbänden.

Gebärdensprache als Muttersprache

Jenes kommunalpolitisches Engagement hat bei der Entscheidung, Albrecht nunmehr im Auftrag von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) zu ehren, allerdings nur zweitrangig eine Rolle gespielt. In allererster Linie soll damit Albrechts jahrelanges Engagement für gehörlose Menschen gewürdigt werden.

In diese Rolle, berichtet der 63-Jährige rückblickend, sei er gewissermaßen hineingeboren worden. „Meine Eltern waren beide gehörlos, weshalb die Gebärdensprache meine erste Muttersprache ist.“ Zunächst in einer reinen Gehörlosenwelt groß geworden, habe er wenig später als „kleiner Uwe-Friedrich“ bei Einkäufen für seine Mutter gedolmetscht.

Zunächst technische Ausbildung

Eine Aufgabe, die ihn bis heute geprägt hat. Gleichwohl habe er beruflich zunächst andere Wege eingeschlagen: Absolvierte eine Ausbildung zum Instandhaltungsmechaniker und arbeitete bis 1991 im Metallgußwerk Wernigerode, der heutigen Nemak. Dann habe auch ihn – so wie zig Tausende Menschen im Osten der Republik – der wendebedingte Bruch ereilt: Personalabbau und Wechsel als Bauleiter zu einer Wernigeröder Bauelementefirma. Dort wurde Albrecht 1997 buchstäblich von seiner Vergangenheit eingeholt.

„Der Landesverband der Gehörlosen brauchte unbedingt jemanden, der die Gebärdensprache konnte.“ Was zunächst auf Zeit für einige Monate angelegt war, entwickelte sich zu einer Verbindung auf Dauer – „ich bin heute noch dabei“.

Erhalt für die Zukunft

Wobei auch hier die Zeiten zuweilen stürmisch gewesen seien. Besagter Landesverband sei irgendwann finanziell in Schieflage geraten, später gar in Insolvenz. Zusammen mit drei Frauen sei es ihm gelungen, die Beratungsstellen für Menschen mit Hörbehinderungen aus der Insolvenzmasse herauszulösen und so für die Zukunft zu erhalten.

Heute ist der Name Albrecht untrennbar mit besagten Beratungsstellen verbunden. Ganz konkret ist der 63-Jährige seit Jahren Ansprechpartner in der Zweigstelle in Halberstadt und betreut Betroffene im gesamten Harzkreis und darüber hinaus auch im benachbarten Kreis Mansfeld-Südharz.

Beruf=Berufung

Dass Albrecht darin nicht nur einen Job, sondern gleichsam Berufung wie Erfüllung sieht, lässt sein Engagement erkennen. So ist er auch Vordenker und Macher für ein Notrufsystem für hörbehinderte Menschen. „Was soll beispielsweise ein Hörbehinderter machen, wenn er allein im Wald unterwegs ist, sich ein Bein bricht und gegenüber der Leitstelle keine Verständigung möglich ist“, skizziert Albrecht das Problem. Heute sei man fast am Ziel und ein System, das automatisch Standortdaten übermittelt, greifbar nah.

Uwe-Friedrich Albrecht – ein engagierter Mensch, der sich auf vielen Bühnen engagiert. So beispielsweise auch als Quartiersmanager in Wernigerode. Zudem pflegt er zu vielen Vereinen Kontakte. Ist Bedarf, kann der 63-Jährige allerorten sofort als Gebärdensprachdolmetscher tätig werden – als einer, der stets mit Händen und Herz übersetzt.