Wernigerode l Fernfahrer müssen sich „Rosis Trucker-Burger“ woanders schmecken lassen – denn „Rosis Autohof“ hat in Wernigerode keine Chance. Der Stadtrat hat am Donnerstagabend dem Plan, an der Autobahnabfahrt Wernigerode-Zentrum eine Raststätte zu errichten, eine Absage erteilt. Sechs Stadträte aus der CDU und von Haus &Grund votierten dafür, das Projekt weiter zu verfolgen, fünf weitere enthielten sich. 25 Stadtratsmitglieder stimmten gegen das Projekt und brachten es damit zu Fall.

Im Bauausschuss hatten Vertreter des Investors, der Raststättenkette Tank & Rast, das Vorhaben vorgestellt. Geplant waren eine Tankstelle, ein Schnellrestaurant, ein Motel sowie 25 Lkw-Stellplätze. Auf Skepsis stieß der geplante, 38 Meter hohe Werbepylon.

Schon im Ausschuss hatte sich Matthias Bosse (SPD) kritisch zu dem Projekt geäußert. Im Stadtrat warb er im Namen seiner Fraktion für ein Nein zum Autohof und für den Abbruch der Planungen. „Das Verfahren bringt Wernigerode keinen Nutzen“, sagte er. Dass der Investor den Standort besetzen wolle, sei verständlich, so Bosse. „Aber wir sind hier, um die Interessen der Bürger Wernigerodes zu vertreten.“

Mehr Verkehr an sensibler Stelle?

Und denen sei mit dem Bau der Anlage nicht gedient. Das Vorhaben sei mehrfach kritikwürdig – zum Beispiel in puncto Verkehrsanbindung. Der Standort nahe der Autobahnabfahrt sei „ein äußerst sensibler Punkt“, so Bosse. Über die 300 Meter Straße rolle 70 Prozent des Verkehrs, der überregional in die Stadt hineinkomme. Die vorgesehene zusätzliche Ampel verschärfe die Probleme, zumal sich in dem Bereich viele Pendler auf den Weg machen. Es sei zudem mit „erheblich mehr Lkw-Verkehr“ zu rechnen.

Das Argument, dass der Autohof neue Arbeitsplätze schaffe, sei nicht überzeugend. „Die Arbeitskräfte, die dort arbeiten sollten, sind ohnehin knapp“, so Bosse. Ein Steuerplus werde es für die Stadt wohl nicht geben. Zwar bestehe ein überregionales Interesse an einem Rastplatz nahe der Autobahn, aber in der Stadt wären weitere Angebote nicht nötig. „Wir brauchen keine zusätzliche Tankstelle.“

Schwer wiege die optische Beeinträchtigung, die der Autohof mit sich bringe. „Durch den Pylon und durch andere Anlagen würde das Stadtbild den einfahrenden Touristen und Einheimischen anders erscheinen. Das ist nicht zu tolerieren“, so Bosse. Sein Fazit: Man solle dem Investor lieber bei der Suche nach einem anderen Standort, etwa an der Abfahrt Wernigerode-Nord, helfen.

Linke und Grüne gegen Werbepylon

Für seine ausführliche Kritik erhielt Bosse Unterstützung von fast allen Seiten. „Dem möchte ich mich vollinhaltlich anschließen“, sagte Christian Härtel (Linke) im Namen seiner Fraktion. Auch die Linke sei gegen den Autohof, zumal gegen den geplanten Werbepylon.

Zum Vergleich: „Exakt 38 Meter hoch ist unser Westerntorturm, bis zur Turmspitze.“ Dass dieser in Zeiten mobilen Internets nötig sei, bezweifelte Härtel. Auch Lkw-Fahrer planten Touren und Pausen im Voraus und bräuchten dafür keine hohen Werbemasten. „Das ist völlig überflüssig und aus der Zeit gefallen“, so Härtel. Arbeitsplätze, die gute Bedingungen böten, werde der Autohof eher nicht bieten. „Es wird nur prekäre Beschäftigung geschaffen.“ Insgesamt sei das Projekt „sehr unglücklich für die Stadtentwicklung“, so Härtel.

Ablehnung kam ebenso von Bündnis 90/Grüne. Die Stadtratsfraktion habe sich näher mit dem Umweltbericht befasst, der den Planungsunterlagen beigefügt war, berichtet Fraktionschefin Sabine Wetzel. Vieles sei zu „lax und lapidar abgehandelt“ worden. Nicht nachvollziehbar sei, wie die geplante Flächenversiegelung klein gerechnet werde. Grundsätzlich gelte: „Jede Fläche, die wir nicht zusätzlich versiegeln, ist gut für die Stadt“, so Sabine Wetzel. Hinzu komme die steigende Schadstoffbelastung und die Sorge um das Stadtbild. An anderer Stelle sei die Errichtung eines Autohofs denkbar. „Aber als Einfallstor in die Stadt, dort wo sich jeder freut, das Schloss zu sehen, ist es nicht wünschenswert.“

Chance für Nachbesserungen?

Er trage die Bedenken mit, sagte Matthias Winkelmann (CDU). Dennoch wollte er „dem Investor die Chance geben, nachzubessern“, gab er zu bedenken. Das sei „eine Frage der Fairness“ und im Sinne des Votums des Bauausschusses – dieser hatte sich mehrheitlich dafür ausgesprochen, die Planung voranzutreiben.

Es gebe aber keinen Rechtsanspruch auf Änderung oder Aufstellung eines Bebauungsplans, entgegnete Siegfried Siegel (SPD). „Wir haben die Planungshoheit. Wir entscheiden, was passiert.“ Es wäre nur fair, dies dem Vorhabenträger deutlich zu sagen.

An der A 36 gibt es bisher weder Raststätte noch Autohof. Während Autohöfe rein private Unternehmen seien, würden Raststätten vom Land geplant, erklärt Uwe Langkammer, Präsident der Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt. Bisher gebe es lediglich „konkrete Ideen“, doch weder weiterführenden Planungen noch Zeitschienen. Laut einer Standortuntersuchung sei der Quedlinburger Raum geeignet. „Wenn wir wieder Luft haben, werden wir uns damit beschäftigen“, so Langkammer.