Wernigerode l Wie barrierefrei ist der Harz? Diese Frage stellt sich Stefanie Müller, Studentin der Hochschule Harz in Wernigerode. Für eine noch bis zum 16. August laufende Studie sucht sie deshalb Menschen aus dem Harz und der Umgebung, die vier verschiedene Ziele im Nationalpark Harz auf Barrierefreiheit testen und bewerten. Teilnehmen können Personen mit einer oder mehreren Beeinträchtigungen.

„Von Barrierefreiheit profitieren alle, denn wir werden älter oder können nach einem Unfall eingeschränkt sein“, so die Studentin im Studiengang Tourism and Destination Development. Außerdem seien beispielsweise Rampen, ebene Wege oder breitere Türen auch für Familien mit Kinderwagen hilfreich.

Mithilfe der Studie im Rahmen ihrer Masterarbeit will Stefanie Müller deshalb sowohl die bereits gut nutzbaren Angebote als auch noch bestehende Barrieren während eines Tagesausflugs in vier Besucher-Einrichtungen des Nationalparks Harz aufzeigen. Getestet werden das Natur-Erlebniszentrum HohneHof in Drei Annen Hohne, das Haus der Natur in Bad Harzburg, das Nationalparkhaus Sankt Andreasberg und das Nationalpark-Besucherzentrum Torfhaus.

Alle Aspekte von Ausflug untersucht

Dabei geht es nicht nur um die Barrierefreiheit der Einrichtungen selbst, sondern auch um die Informationsbeschaffung im Vorfeld, die An- und Abreise und Übernachtungsmöglichkeiten in der Region. Experten sprechen in diesem Zusammenhang von der touristischen Servicekette, die alle Aspekte eines Ausfluges mit einbezieht, nicht nur das Ziel selbst.

Auf Basis der erhobenen Datensätze sollen schließlich Handlungsempfehlungen abgeleitet werden, um das Angebot im Nationalpark Harz noch barrierefreier zu gestalten. „Da wir gerade mehrere Ausstellungen in unseren Häusern überarbeiten, können die Erkenntnisse der Studie noch in die Planungen mit einfließen“, teilt Mandy Gebara, Ansprechpartnerin für Barrierefreiheit im Nationalpark, mit.

Betreut wird die Masterarbeit durch Prof. Dreyer von der Hochschule Harz und Friedhart Knolle vom Nationalpark Harz. Die Daten werden durch die mobile Anwendung „ExperienceFellow“ für das Smartphone erhoben. Teilnehmende Testpersonen sollten eine oder mehrere Beeinträchtigungen haben. Gesucht werden also beispielsweise Rollstuhlnutzer, Sehbehinderte, Hörbeeinträchtigte oder Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen.

Datenerhebung per App

Die Erhebung findet noch bis zum 16. August statt. In diesem Zeitraum können Interessierte eine oder mehrere Nationalpark-Einrichtungen testen und ihre Erfahrungen festhalten. Um entsprechende Daten erheben und auswerten zu können, müssen die Teilnehmer dafür die App „ExperienceFellow“ kostenfrei auf das Smartphone herunterladen. Weitere Informationen zur Handhabung der App wie beispielsweise die Freischaltung eines QR-Codes erteilt Stefanie Müller.

Zur Funktionsweise der App erläutert sie: Die Erhebungsmethode der mobilen Ethnografie, bei der Daten mithilfe eines mobilen Endgerätes erhoben werden, wird bereits seit einigen Jahren auf dem Gebiet der Marktforschung genutzt. Sie weist diverse Vorteile bezüglich der Datenerhebung auf, zum Beispiel die Nähe zu den Touristen, Unverfälschtheit und umfassende Einblicke in die Bedürfnisse der Zielgruppe.

Aufbau wie Reisetagebuch

„ExperienceFellow“ ist wie ein Reisetagebuch aufgebaut. Die Nutzer können hier alle Erfahrungen während ihrer Reise dokumentieren und bewerten, von denen sie denken, dass sie im Sinne der Barrierefreiheit relevant sind. Zusätzlich gibt es Funktionen, um Textkommentare, Bilder und Videos einzufügen. Somit wird eine detaillierte Reisedokumentation ermöglicht.

Mit Smileys kann jeder die Reiseerlebnisse zusätzlich von „sehr schlecht“ bis „sehr gut“ bewertet werden. Alle Daten, die innerhalb dieser Studie generiert werden, sind anonymisiert dargestellt und stehen ausschließlich den Projekt-Forschern zur Verfügung. Die Daten werden im Sinne der DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) behandelt.

Interessierte Tester könnenen sich an Stefanie Müller wenden unter E-Mail: stefanie.mllr@outlook.de