Wernigerode l Im Umfeld der früheren Gartenanlage Nesseltal in Wernigerode kocht die Volksseele. Anlass ist eine Briefwurfsendung, die die Stadtverwaltung in dieser Woche direkten Anwohnern im Bereich Langer Stieg und Schmiedeberg zukommen lassen hat. Ab Montag, 25. Januar, heißt es in dem per 19. Januar datierten Schreiben, werde mit der „Beräumung“ der früheren Gartenparzellen begonnen. Konkret sei im ersten Schritt der Rückschnitt von Sträuchern, Büschen und Bäumen geplant, um so die Voraussetzungen für den anschließend geplanten Rückbau der Lauben sowie anderer Aufbauten zu schaffen. Mit jenem Rückschnitt würden jedoch schon vollendete Tatsachen geschaffen, kritisiert Anwohner Dietrich Rahner von der Bürgerinitiative Hasserode.

Das Problem, so Rahner am Freitag zur Volksstimme, sei doch, dass bislang keinerlei konkrete Bebauungspläne für das rund 4,5 Hektar große Areal bestünden. „Deshalb gebe es jetzt auch keinen Grund, die Sträucher, Büsche und Bäume zurückzuschneiden und ein in Jahren und Jahrzehnten gewachsenes Naturrefugium binnen kurzer Zeit zu zerstören. Zu letzterem habe sich die Fläche, auf der sich einst 72 Kleingartenparzellen befanden, schließlich entwickelt.

Von einer Zerstörung könne keineswegs die Rede sein, entgegnet Kristin Dormann, Sprecherin der Stadtverwaltung Wernigerode. „Nachdem den letzten Gartenpächtern zum Jahresende 2020 gekündigt worden ist, haben wir jetzt die Möglichkeit, das Areal zu beräumen“, kündigt die Sprecherin an. Der am Montag beginnende Grünschnitt, der mit dem Baumschutz abgestimmt sei, sei dabei nur der erste Schritt. Im Anschluss sollen die alten Aufbauten zurückgebaut und entsorgt werden. Dieser „komplizierte Rückbau“ werde sich wohl bis über den Sommer hinweg hinziehen.

Grüne befürchten Kahlschlag in Natur

Kritik an den Plänen – Anwohner Dietrich Rahner spricht von einer kurzfristigen Ankündigung, Kristin Dohrmann hingegen davon, dass alle Anwohner gewusst hätten, dass dort etwas passiert – kommt derweil auch aus dem politischen Wernigerode. Stadträtin Sabine Wetzel von den Bündnisgrünen hat nach eigenen Worten große Sorgen, dass ab Montag Tatsachen geschaffen werden. „Was nicht mehr da ist, muss ich im Nachhinein auch nicht mehr schützen. Und in nicht mehr vorhandenen Baumkronen kann man dann sicherheitshalber auch keine zu schützenden Tiere mehr finden“, argwöhnt sie.

Was am Montag vor Ort ganz konkret passiert und wie schnell tatsächlich Nägel mit Köpfen gemacht werden, bleibt abzuwarten. Vertreter des Liegenschafts- und Gebäudemanagements seien dann vor Ort, kündigt die Verwaltungssprecherin an. „Letztlich geht es uns darum, die Fläche bis zu einer späteren Umgestaltung erstmal soweit herzurichten, dass darauf beispielsweise Kinder spielen können“, skizziert Kristin Dormann, ohne jedoch verbindliche Versprechungen zu machen.

Dass man eine teilweise Bebauung wohl nicht verhindern könne, sei auch ihm klar, sagt Dietrich Rahner. Allerdings sollte das Areal nicht eng zugebaut werden, sondern großzügig und luftig. Zudem wünschten sich die Anwohner einen Teich, um Lurchen eine Heimat zu bieten. Die Bürgerinitiative habe ihre Ideen und Vorstellungen für eine Bebauung im Dezember ins Rathaus geschickt – bislang ohne jede Reaktion oder Eingangsbestätigung, so Rahner.