Wernigerode l Baufahrzeuge haben tiefe Furchen in der Erde hinterlassen, in denen Schneereste zu Pfützen werden. Auch wenn das Grundstück derzeit nicht so aussieht: Der Wernigeröder Küchengarten ist ein Filetstück, auf dem ein neues Wohnviertel entstehen soll. Der Bebauungsplan soll dieses Jahr beschlussreif sein, hatte Baudezernent Burkhard Rudo unlängst angekündigt.

Laut aktueller Planung soll das Areal mit acht Einfamilienhäusern und sieben Stadtvillen bebaut werden. Letztere sollen einen Zugang zu einer gemeinsamen Tiefgarage haben. Alle Gebäude verfügen über zwei Geschosse, zwei Stichstraßen von der Walther-Rathenau-Straße und der Lindenallee sollen das Wohngebiet an den Verkehr anbinden.

Probleme mit Wasser

Im Bauplanungsamt werden zurzeit Anregungen und Einsprüche von Einwohnern und Behörden ausgewertet, erklärt Amtsleiter Hans-Dieter Nadler. Knapp 30 Stellungnahmen stammen von den Anwohnern in der Rathenau-Straße und Lindenallee. Sie sind alles andere als begeistert von dem Vorhaben. Ihre Angst ist, dass im Zuge der Bauarbeiten und danach ihre Häuser beschädigt werden könnten – und dies vor allem durch Grund- und Regenwasser.

Rund 40 Anwohner haben sich deshalb vor mehr als zwei Jahren zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen. Wegen des aus ihrer Sicht prekären Baugrundes haben sie ein hydrologisches Gutachten gefordert, das die Stadtverwaltung in Auftrag gegeben hat.

Risiko durch Absenkung

Die Anwohner haben das Gutachten ihrerseits von einem Institut aus Leipzig bewerten lassen, wie Vertreter der Bürgerinitiative im Volksstimme-Gespräch berichten. Die Leipziger kommen zu dem Ergebnis, dass die Messwerte des Gutachtens eine dauerhafte Grundwasserabsenkung im Nordteil des Plangebiets belegen – und damit auch das Risiko von Bauschäden.

Solche seien bereits beim Bau der Liv-Ullmann-Schule eingetreten, sagen Nachbarn. Sechs Häuser gegenüber der Schule in der Rathenau-Straße seien betroffen, berichten die Mitglieder der Initiative. Dort seien unter anderem lange Risse im Mauerwerk aufgetreten. Die Schäden erreichen nach Angaben der Anwohner eine Höhe von bis zu 20 000 Euro.

Sorgen wegen Tiefgarage

Sorgen bereitet den Nachbarn vor allem die geplante Tiefgarage. Sie befürchten, dass die Grube wie eine Staumauer wirke und dadurch mehr Wasser in Richtung ihrer Grundstücke gelenkt werde. Die Folgen würden nicht nur unmittelbare Anlieger zu spüren bekommen. Betroffen sein könnte das unterhalb gelegene Grundstück Breite Straße 84, das auch bebaut werden soll.

In einer Musterstellungnahme, die Anwohner für ihre Eingaben genutzt haben, fordert die Bürgerinitiative, dass die Stadtverwaltung, wenn sie die Pläne nicht ändert, die Haftung für eventuelle Schäden übernimmt. Darin wird unter anderem auch kritisiert, dass ein Konzept zur Verkehrsanbindung fehle. Aus dem Bauplanungsamt gibt es dazu derzeit keinen Kommentar. „Wir sind mitten in der Auswertung“, sagt Amtschef Nadler.