Wernigerode l Zu groß, zu klobig, nicht zur Fachwerkarchitektur der Innenstadt passend - das kritisieren Anwohner der geplanten Wohnblocks der Wernigeröder Wohnungsgenossenschaft (WWG) auf der Brache hinter der Breiten Straße 84. Die Genossenschaft möchte auf dem 7500 Quadratmeter großen Grundstück zwei Mehrfamilienhäuser mit drei Geschossen und einem Aufsatz mit kleinerem Grundriss samt Parkhaus errichten, wie ein vom Stadtrat abgesegneter Vorentwurf zeigt. Auf der Wiese am Hang sollen vor allem Zwei- und Dreiraumwohnungen für Senioren und Familien entstehen.

Grundsätzlich hätten sie nichts gegen eine Bebauung der einstigen Gartenanlage und Pferdekoppel am Rand der Altstadt, betonen Anwohner des betroffenen Gebiet zwischen Schäferstraße und Großer Schenkstraße. Dennoch haben sie binnen zweit Tagen 75 Unterschriften gegen den Bebauungsplan gesammelt.

Furcht vor Wertverlust der Grundstücke

„Der Entwurf nimmt keinerlei Rücksicht auf die Häuser, die schon über 100 Jahre stehen“, sagt Klaus Schultz. Der Schäferstraße-Bewohner bangt ebenso wie seine Nachbarn um den Wert seines Grundstücks, wenn die – laut Plan – 14 Meter hohen Wohngebäude vor die Fassade seines Hauses gesetzt werden.

Ähnliche Sorgen treiben Kerstin Nagy um. Die Geschäftsführerin des Hotels Am Anger fürchtet um die Attraktivität der Herberge, wenn Mehrgeschosser am Hang den Schlossblick aus Zimmern, Garten und Frühstücksraum verstellen. Die Wernigeröderin fordert von WWG und Stadtwerken, die das Gelände gemeinsam entwickeln, die Höhe der Wohnhäuser deutlich zu reduzieren und das Areal kleingliedriger zu bebauen.

Damit wären auch die Anwohner zufrieden. „Einfamilien- oder Reihenhäuser ließen sich wesentlich leichter ins Stadtbild integrieren“, sagt Klaus Schultz. So würde weniger Fläche versiegelt – und Wernigerode behielte zumindest einen Teil der „grünen Lunge der Altstadt“, wie er das Grundstück, in den 1970er Jahren eine Streuobstwiese, nennt.

Angst vor Belastung durch Straßenvekehr

Der Wernigeröder fühle sich ungerecht behandelt. Als er vor zwei Jahren sein Dach decken ließ, „wurde uns vorgeschrieben, nur Tonziegel zu verwenden“. Den Schornstein durfte er nicht mit Schiefer verkleiden, weil das nicht in die Altstadt passe. „Und nun soll das Erscheinungsbild dieses Stadtviertels einfach so zersört werden?“, wettert Schultz.

Ein weiteres Problem für ihn und viele andere Wernigeröder, die an Breiter Straße, Schäfer- und Schenkstraße um die Brache herum wohnen: Die Belastung durch mehr Verkehr. „Wenn die Autos der Bewohner alle über das Kopfsteinpflaster fahren, ist das für die Anwohner und die vielen alten Häuser unzumutbar.“ Schon jetzt mangele es in der Schäferstraße und rund um den Küchengarten an Parkplätzen. Für noch mehr Fahrzeuge sei die Infrastruktur des Gebietes nicht ausgelegt. „Der Plan ist nicht zu Ende gedacht“, schließt Klaus Schultz.