Harzkreis

Betrüger blitzen bei Blankeburgerin ab

Die Betrugsmasche, mit der bislang Unbekannte im Harzkreis telefonisch unterwegs sind, läuft offenbar weiter. Bei einer Blankenburgerin bissen sie auf Granit.

Von Dennis Lotzmann 11.08.2021, 03:30
Vor allem bei älteren Menschen  versuchen skrupellose Betrüger, mit bösen Tricks Geld zu ergaunern ? aktuell in massiver Form im Harzkreis. Eine Seniorin aus dem Huy hat 15.500 Euro verloren.
Vor allem bei älteren Menschen versuchen skrupellose Betrüger, mit bösen Tricks Geld zu ergaunern ? aktuell in massiver Form im Harzkreis. Eine Seniorin aus dem Huy hat 15.500 Euro verloren. Foto: dpa

Harzkreis - Bei einem Anruf mit diesem Inhalt, dürfte jede Mutter sofort entsetzt zusammenzucken: Ihr Sohn sei an Corona erkrankt, liege mit hohem Fieber auf der Intensivstation des Halberstädter Ameos-Klinikums und werde der Covid-Infektion wohl zum Opfer fallen. Karin Grezes, die am Montagnachmittag (9. August) telefonisch mit genau dieser Nachricht konfrontiert worden ist, schreckte nicht nur zusammen, sondern schrie nach eigenen Angaben hysterisch auf. „Ich stand erst mal komplett neben mir“, berichtet die Blankenburgerin am Dienstag (10. August) am Lesertelefon der Volksstimme.

Zu diesem Zeitpunkt konnte die 64-Jährige rückblickend fast schon wieder lachen über den geradezu dreisten Versuch, ihr mit bösen Betrugsabsichten Geld aus der Tasche zu ziehen. Schließlich hatte sie irgendwann im Telefonat gemerkt, dass irgendwas nicht stimmte und sie drauf und dran war, einer Betrügerin auf dem Leim zu gehen.

Seniorin verlor 15.500 Euro

Aber: Zum Lachen ist das, was bislang unbekannte Täter offenbar kreisweit versuchen, ganz und gar nicht. Schließlich konnten die mutmaßlich selben Täter – die aktuell scheinbar bandenmäßig in der Harzregion Opfer suchen – bei einer 94-Jährigen aus einem Huy-Ortsteil zuschlagen. Die geprellte Seniorin verlor am Montag 15.500 Euro.

Die Masche bei der hochbetagten Seniorin: Eine Frau rief an und suggerierte, dass die Enkelin der Harzerin einen Unfall gehabt habe und für deren medizinische Behandlung nun Geld nötig sei. Weil die Eckdaten passten – die Frau hat tatsächlich eine Enkelin – tappte die arglose Frau in die Falle und händigte Unbekannten wenig später besagte 15.500 Euro aus. Wenngleich die tatsächliche Enkelin wenig später davon erfuhr und umgehend bei der Polizei Strafanzeige erstattete, ist das Geld wohl weg. Schließlich dürfte es schwierig sein, die skrupellosen Telefonbetrüger zu ermitteln.

Neun Fälle im Harzkreis

Und die müssen am Montag buchstäblich alle Register gezogen haben, um im Harzkreis möglichst viele Opfer zu ködern. Bis zum Nachmittag berichtete Polizeisprecher Uwe Becker von neun Fällen – querbeet in Kommunen im Landkreis. Auch die Masche sei durchaus unterschiedlich gewesen. Immer wieder sei von Unfällen und daraus resultierenden medizinischen Behandlungskosten, die Angehörige verauslagen sollten, die Rede gewesen, berichtet Becker.

Was kaum plausibel ist, schließlich dürfte nahezu jeder eine Krankenversicherung besitzen. Zudem dürfte das Szenario, dass der Arzt erst nach Vorkasse mit Barzahlung die medizinische Behandlung fortsetzt, selbst bei Privatpatienten in Notsituation völlig undenkbar sein.

Vermeintliche Corona-Infektion

Gleiches gilt auch für den Fall, den nun Karin Grezes am Telefon geschildert hat: Ihr gegenüber habe die unbekannte Anruferin, die mit leichtem Akzent recht gut Deutsch gesprochen habe, mit Blick auf den Sohn von einer Corona-Infektion mit heftigem, lebensgefährlichem Verlauf gesprochen. Und auch hier passten zumindest die Eckdaten. Sie habe, berichtet die 64-jährige Blankenburgerin, tatsächlich einen 38 Jahre alten Sohn.

Ihm, so die unbekannte Anruferin weiter, könne womöglich doch noch geholfen werden – „mit einem Corona-Medikament, das in Deutschland noch nicht zugelassen ist. Deshalb sollte ich gleich noch mit einem Arzt verbunden werden“, berichtet Karin Grezes aus dem rund zehnminütigen Telefonat.

Spätestens da sei ihr die ganze Sache dann doch merkwürdig vorgekommen. „Ich habe mich bei der Anruferin nach dem Namen meines Sohns erkundigt. Worauf sie sagte, dass sie den nicht wisse. Was wiederum kaum sein kann, wenn sie doch Unterlagen vor sich liegen haben muss, um mich als Angehörige zu verständigen“, schlussfolgerte die Blankenburgerin, die das Telefonat Augenblicke später beendete.

Warnung

Um unmittelbar danach per Anruf beim Sohn Bestätigung zu bekommen: „Mir geht es bestens“, habe der erklärt. Und dessen Arbeitskollegen, ist sich Karin Grezes sicher, hätten garantiert sofort Alarm geschlagen und sie informiert, wenn tatsächlich eine Covid-Infektion vorgelegen hätte.

Karin Grezes wurde im richtigen Moment skeptisch und ging den Betrügern nicht auf den Leim. Sie will ihr Erlebnis nun via Volksstimme öffentlich machen, um möglich viele Menschen zu warnen und zu sensibilisieren, wie sie betont.

Zwölf Strafanzeigen

Und das scheint nötig: Laut Polizei gab es allein am Montag zwölf Strafanzeigen und am Dienstag zwei weitere Meldungen. Neben der 94-Jährigen sei über weitere Opfer aus dem Harzkreis bislang nichts bekannt, so ein Polizeisprecher.

Derweil scheinen die Täter bemerkt zu haben, dass sie im Nordharz verbrannt sind – sie agieren nach Volksstimme-Informationen nun im Mansfeldischen.