Wernigerode l Die Wellen sind zuletzt hochgeschlagen unter den Eltern der Freien Grundschule. Grund der Aufregung: Nach Volksstimme-Informationen soll der Träger, die Fit-Ausbildungs-Akademie gGmbH aus Magdeburg, geplant haben, bei den Ausgaben zu sparen und die musischen Angebote, die das Schulprofil bislang prägen, zusammenzustreichen. Damit hat man aber bei Eltern und Lehrern Proteste losgetreten, die in handfeste Veränderungen mündeten. Fakt ist: Zwei Pädagogen, darunter der bisherige Leiter Reno Scherbaum, haben die Schule verlassen. Derzeit verhandelt Fit mit der Oskar-Kämmer-Schule (OKS) über eine Übernahme der Bildungseinrichtung im Wernigeröder Wohngebiet Harzblick.

Nicht nur die Lehrer, sondern auch die Eltern sollen nach Volksstimme-Informationen Druck auf den Träger ausgeübt haben: Demnach drohten sie mit der kollektiven Abmeldung eines ganzen Jahrgangs. Eine offizielle Bestätigung für den Zoff hinter den Kulissen gibt es allerdings nicht. „Vielfältige Gründe führten zu dieser Entscheidung“, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung der beiden Bildungsträger mit Blick auf die Übernahmeverhandlungen. Was genau zu den Gesprächen geführt hat, wollen weder Fit-Geschäftsführerin Monika Barm, die mehrere Volksstimme-Anfragen zum Thema unbeantwortet ließ, noch Ingolf Fölsch, OKS-Geschäftsführer in Wernigerode, preisgeben.

In der gemeinsamen Mitteilung heißt es indes, dass ein Trägerwechsel „zum nächstmöglichen Zeitpunkt“ geplant und die OKS, die bereits drei Grundschulen in Sachsen-Anhalt betreibt, ein „aussichtsreicher Kandidat“ für die Übernahme sei. Verhandlungen würden demnach bereits geführt. Wann der Übergang erfolgen würde, wird hingegen nicht mitgeteilt. Laut der Verordnung über Schulen in freier Trägerschaft in Sachen-Anhalt könne dies, sobald alle nötigen Unterlagen vorliegen, binnen drei Monaten erfolgen – auch im laufenden Schuljahr.

Erfolge mit Musik

Damit soll die Schule wieder in ruhiges Fahrwasser gelangen. 23 Erstklässler beginnen am Sonnabend in der Freien Grundschule ihre Schullaufbahn. 100 Kinder zählt die Einrichtung, die mit musikalischen Projekten Erfolge feierte und unter anderem den Klassik-Echo sowie den Europäischen Schulmusikpreis gewann.

Dementsprechend sollten das „musikalisch-ästhetische und leistungsorientierte Profil“ sowie das „besondere pädagogische Konzept“ der Einrichtung erhalten werden, heißt es in der Presseerklärung von Fit und OKS. Letztere sei ein „erfahrener Träger“, der „den Fortbestand der Schule sichern“ könne. Dies sei „aufgrund der Initiative der Elternschaft und nach intensiven Gespächen“ Konsens unter den Beteiligten.

Die Fit-Gesellschafter seien sicher, dass sie damit „im Sinne der Eltern, Kinder und Pädagogen“ handeln und wollen sich „zukünftig anderen mehr privat orientierten Dingen widmen“. Der Bildungsträger mit Sitz in Magdeburg bietet Aus- und Weiterbildung für Berufe im Gesundheitswesen, in der Pflege und im sozialpädagogischen Bereich an. Die Freie Grundschule war die einzige allgemeinbildende Schule unter dem Fit-Dach.

Schulleiter geht nach 15 Jahren

Reno Scherbaum will die Entwicklung nicht kommentieren. Der 52-Jährige hat die Einrichtung seit dem Start vor 15 Jahren geleitet. „Ich habe eine neue berufliche Herausforderung gesucht und angenommen“, sagt er auf Volksstimme-Nachfrage. Auch ohne ihn werde das Schuljahr geordnet anlaufen, so der Pädagoge, der seine früheren Kollegen lobt. „Ich wünsche dem Mitarbeiterteam alles Gute.“

Der ehemalige Schulkapitän hat derweil bei der Oskar-Kämmer-Schule in Wernigerode angeheuert. Dort kümmert sich Scherbaum seit Monatsbeginn als Geschäftsbereichsleiter um die drei Grundschulen der OKS in Plötzkau, Elbenau und Osterhausen – und vielleicht bald auch um seine ehemalige Wirkungsstätte im Harzblick.

Diese wird künftig von zwei Nachfolgerinnen geleitet, die bereits zuvor zum Kollegium gezählt haben. Andrea Probst, Klassenlehrerin der dritten Klasse mit Montessori-Diplom, wird gemeinsam mit ihrer Kollegin Petra Haustein, die Englisch unterrichtet, das Schulschiff lenken.

Die Eltern schauen derweil mit Wohlwollen auf den Fortgang der Dinge. „Wir haben vollstes Vertrauen in die neue Leitung“, sagt Immo Kramer, Vorstandsvorsitzender des Schulfördervereins. Auch er will nicht über vorangegangene Konflikte sprechen, befürwortet aber die Richtung, welche die Schule mutmaßlich nun einschlagen wird. „Wir sind sehr glücklich mit der Entwicklung.“