Klinik

Blankenburger Chefarzt geht in Rente

Mit Dr. Wolf-Rainer Krause verabschiedet sich ein Mediziner, der die Historie der Blankenburger Psychiatrie fortgeführt hat.

Blankenburg l Irgendwie ist es ihm in die Wiege gelegt worden: die Hilfe für andere. In Timmenrode aufgewachsen, hat sich Wolf-Rainer Krause (Jahrgang 1949) früh für biologische Prozesse interessiert. Beim Jugend-Rot-Kreuz lehrte ihn Hans-Erich Tiebe, wie Menschen in Not geholfen werden kann. Dies tat Krause als Rettungsschwimmer.

Damals reifte der Entschluss, irgendwann einmal Chirurg zu werden. Das Abitur am Blankenburger Gymnasium ebnete ihm den Weg dorthin. „Dabei war mir vor allem mein Bruder ein großes Vorbild“, sagt Krause. Der durfte sogar in Budapest studieren und wirkte später als Professor an der Martin-Luther-Universität in Halle.

Während seines Studiums wuchs bei Wolf-Rainer Krause das Interesse an den Fachgebieten Neurologie und Psychiatrie. Daher folgte nach dem Medizinstudium die Facharztweiterbildung an der Universitätsnervenklinik in Halle und später an der Charité in Berlin. „Nach dem Abschluss wurde mir die Möglichkeit einer Festanstellung dort angeboten: Ich entschied mich jedoch für das heimatliche Blankenburg“, so Krause.

Während seiner Assistenzzeit bearbeitete er mit seiner Dissertation ein Thema zum Autogenen Training. Beruflich widmete er sich fortan dieser Methode und der medizinischen Hypnose, wobei sich der fachliche Austausch mit Kollegen aus dem nicht sozialistischen Ausland sowie die Aus- und Weiterbildung in diesem Bereich unter den DDR-Verhältnissen oft recht schwierig gestaltete.

Die Entwicklung eines Biofeedback-Gerätes zur Optimierung des Autogenen Trainings war ihm ein besonderes Anliegen. Dafür erhielt er gemeinsam mit Dr. Wolfgang Talke vom Forschungs- und Entwicklungswerk Blankenburg den Preis der Medizin des Bezirkes Magdeburg.

Nach einem lehrreichen Intermezzo 1991 in Nordwestdeutschland ging Krause für kurze Zeit nach Bayern mit der Option, in Blankenburg die Hirschtor-Klinik aufzubauen. „Die Investoren“, erinnert sich Krause, „gingen den schnelleren Weg und setzten ihre Pläne in Bayern und Thüringen um.“

Doch wie das Schicksal es manchmal will, war just zu diesem Zeitpunkt der Chefarztposten im Blankenburger Krankenhaus neu zu besetzen. „Vor 25 Jahren habe ich damals angefangen, mit 48 Betten und dem alljährlichen Kampf, nachzuweisen, dass die Betten nicht reichen, dass wir mehr benötigen“, sagt Krause.

Obwohl räumlich praktisch nicht vorbereitet, übernahm die Blankenburger Klinik 1994 die psychiatrische Vollversorgung der Landkreise Halberstadt und Wernigerode, sodass nun nicht mehr gerade die Schwerstkranken nach Haldensleben verlegt werden mussten. „Zum Teil haben wir die kranken Menschen auf dem Flur behandelt“, erinnert sich der Chefarzt an diese schwierigen Zeiten. Mit der Klinik wurde aber auch das Ende der „Zweiklassenpsychiatrie“ in Sachsen-Anhalt, wie er es nennt, eingeleitet.

Mit einer Tagesklinik, die in einer Villa Am Roh eingerichtet wurde, beschritten die Blankenburger ebenfalls Neuland. Einst mit zehn Plätzen gestartet, werden dort inzwischen 25 vorgehalten. Und die Klinik selbst, sie platzte aus allen Nähten. Von politischer Seite drohte gar die Abwicklung des gesamten Blankenburger Krankenhauses.

So verlegte sich Wolf-Rainer Krause auf Lobbyarbeit, engagierte sich nun erstmalig auch politisch, unter anderem im Fachausschuss für Gesundheit und Soziales der CDU. „Besonders stolz bin ich darauf, dass es gelungen ist, die psychia­trische Abteilung quantitativ und qualitativ auszubauen.“ Es kamen Ärzte, Schwestern, Physio- und Ergotherapeuten hinzu. „Alles Arbeitsplätze, direkt in Blankenburg.“

Nach dem Umzug der Ballenstedter Klinik wird nun zukünftig die Vollversorgung des gesamten Harzkreises von Blankenburg aus übernommen. „Wir bieten eine optimale Versorgung für unsere Patienten und den Mitarbeitern hervorragende Arbeitsbedingungen“, betont der Mediziner.

Fachlich wagte er sich mit seinen Kollegen an die psychiatrische Begutachtung, widmete sich unter anderem mit der international beachteten Forensiktagung der Weiterbildung von Ärzten, Psychologen und Juristen sowie mit der Geronto-Psychiatrie der Betreuung von Demenzkranken.

Als Mitglied der Fach- und Prüfungskommission der Ärztekammer, als Fachautor, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Entspannungsverfahren, Mitbegründer des Psychotherapie-Institutes Braunschweig-Göttingen, Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Gesellschaft für zahnärztliche Hypnose und nicht zuletzt als Vorsitzender des Blankenburger Vereins „Lebenskraft“ hat sich Wolf-Rainer Krause auch neben seinem Chefarztposten für die Belange psychisch kranker Menschen eingesetzt.

Als Vorsitzender des Fördervereins des Gymnasiums „Am Thie“ engagierte er sich jahrelang für die heutigen Jugend. „Ich bin dem Haus und den Lehrern sehr dankbar, dass ich dort solch eine gute Schulbildung genießen konnte“, sagt Krause.

Nun wird er allerdings etwas kürzer treten, denn nach 25 Dienstjahren als Chefarzt der Blankenburger Klinik wird er von seinen Kollegen feierlich verabschiedet. Seinen Patienten werde er aber noch weiter erhalten bleiben, versichert der Mediziner. Er sei optimistisch, nach überstandener Krankheit ab August weiter ambulante Sprechstunden im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) des Harzklinikums abzuhalten.

Privat freue er sich vor allem auf weitere Enkelkinder, die alsbald die Familien seiner beiden Söhne bereichern werden.