Naturschutz

Blankenburgs Pferdesportler für die Natur im Einsatz

Früher gut in Schuss, bis vor kurzem vielfach überwuchert und ungepflegt: die Streuobstwiese am Börnecker Seeberg am „Weg der Kaiser und Könige des Mittelalters“. Mit einem Gemeinschaftsprojekt wird das Areal von Blankenburger Reitsportlern, Naturfreunden, Landwirten und weiteren Partnern wieder in Ordnung gebracht – und das nicht nur für Wanderer.

Von Jens Müller
Blankenburgs Reiterinnen beräumten die Streuobstwiese am Seeberg in Börnecke von totem Holz.
Blankenburgs Reiterinnen beräumten die Streuobstwiese am Seeberg in Börnecke von totem Holz. Foto: Jens Müller

Börnecke - „Die Streuobstwiese war nicht mehr ansatzweise als solche erkennbar“, hat sich nicht nur Börneckes Bürgermeister Rüdiger Klamroth (CDU) über den schlechten Zustand dieses für seinen Ort so prägenden Stückchens Natur geärgert. Denn obwohl der regional bekannte Wanderweg der „Kaiser und Könige des Mittelalters im Harz“ auch am Seeberg vorbeiführt, gab es dort an manchen Stellen kaum noch ein Durchkommen. Wilde Brombeeren und Gräser hatten sich ungehindert ausgebreitet. Das Wegeprofil war kaum noch erkennbar.

Über Umwege zum Brandort

Dass dort unbedingt etwas getan werden muss, wurde nicht zuletzt bei einem Waldbrand im September 2016 mehr als deutlich. „Damals mussten wir mit unseren Fahrzeugen querfeldein fahren, um zum Brandort zu kommen“, erinnert sich Rüdiger Klamroth. Denn der kürzeste Weg vom Gerätehaus auf die andere Seite des Seebergs war schon damals nicht mehr passierbar.

Früher Schaf eim Einsatz

Das war schonmal anders: Vor der Wende sorgten noch Schafe dort für die natürliche Pflege. „Da waren unsere Streuobstwiesen top hergerichtet. Nach der politischen Wende wurden die Schafherden aus betriebswirtschaftlichen Gründen abgeschafft“, erinnert Klamroth. Es folgten meist Unterhaltungsarbeiten über den sogenannten zweiten Arbeitsmarkt. „Allerdings war nach Abschluss der Maßnahmen meist keine Nachhaltigkeit in der Bewirtschaftung gegeben“, erklärt Börneckes Ortschef. Den Kommunen selbst fehlte das Geld und oftmals auch die Technik, um selbst alles in Ordnung zu halten.

Naturschutz-Projekte im Fokus

Inzwischen hat die Stadt Blankenburg einen neuen Weg eingeschlagen: So beschlossen die Stadträte die Teilnahme am bundesweiten Projekt „StadtGrün naturnah“ und eine umfangreiche Aufgabenliste – eine sogenannte Biodiversitäts-Strategie. Darin wird dem Insektenschutz sowie dem Erhalt und der Wiederherrichtung der ortsbildprägenden Streuobstwiesen besondere Bedeutung beigemessen. Umso mehr freut sich Rüdiger Klamroth, der auch der Ratsfraktion von CDU/Grünen/FDP/Wählergemeinschaften Timmenrode und Cattenstedt vorsteht, nun in seinem Heimatort der sichtbare Startschuss für ein solches Naturschutzprojekt unter Einbeziehung weiterer Partner erfolgt ist – als „kleinem Ausschnitt“ dieses Gesamtkonzeptes, wie er sagt: „Unsere Bürgerfraktion hat in den letzten Wochen und Monaten die Prozesse eng begleitet und die Strukturen für eine nachhaltige, wissenschaftlich begleitete Bewirtschaftung geschaffen. Wir freuen uns über die Zusage aller landwirtschaftlichen Betriebe unserer Stadt, die Teilprojekte mit zu unterstützen.“

Pferdesportler weiter aktiv

Ein großes Dankeschön richtet er dabei an den Verein für Pferdesport und Naturfreunde aus Blankenburg um Vereinschef Hans Klingner. Seinem Aufruf waren am vergangenen Sonnabend mehr als ein Dutzend Vereinsmitglieder gefolgt. Die Reiterinnen beräumten die knapp drei Hektar große Streuobstwiese von Totholz und legten es so am Wegesrand ab, dass im Nachgang ein Gerät zum Holzschreddern eingesetzt werden kann. „Wir haben hier alle Kräfte mobilisiert. Am meisten freue ich mich, dass so viele hier sind. Das macht mich sehr stolz“, so Hans Klingner. Parallel dazu hatten die Kollegen des vom Verein getragenen Harzer Erlebnisbauernhofs ein großes Insektenhotel sowie zwei Ruhebänke aufgestellt, die sie selbst produziert hatten. Möglich wurde dies auch durch die Förderung der Kommunalen Beschäftigungsagentur (KoBa). Die Landschaftspflege-Experten von der Land- und Tiefbau GmbH aus Quedlinburg helfen mit Technik beim Schreddern des anfallenden Holzes und dem anschließenden Mulchen.

Für die Naturfreunde und Pferdesportler war das nicht der erste Einsatz dieser Art: „Wir haben schon die Vorfluter am Helsunger Bruch und bei Wienrode beräumt. Als nächstes sind wir auf einer Streuobstwiese in Cattenstedt aktiv“, zählt Klingner auf.

Wanderweg wird befestigt

Doch auch das Engagement in Börnecke geht weiter. So werden die Arbeiten an der Streuobstwiese von der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau in Ditfurt sowie von der Mitteldeutschen Baumschule in Reinstedt fachlich begleitet, um dort wieder historische Apfel- und Kirschsorten anzupflanzen. Über das Projekt „StadtGrün naturnah“ wird außerdem der Weg in Ordnung gebracht: für die Börnecker Spaziergänger, für Wanderer und die Feuerwehr.

Mit der Motorsäge wurden Baumreste zerkleinert. Im Herbst sollen dort neue Obstbäume gepflanzt werden.
Mit der Motorsäge wurden Baumreste zerkleinert. Im Herbst sollen dort neue Obstbäume gepflanzt werden.
Foto: Jens Müller