Wernigerode l Hoppla. Hoher Bordstein. Dieses Hindernis kommt für viele Radfahrer überraschend. Der kleine Weg zwischen der Großen Dammstraße über die Bahngleise bis zur Feldstraße wird von Fußgängern wie Radfahrern rege als Abkürzung ins und aus dem Wohngebiet Stadtfeld genutzt. Dort, wo Radler noch bis vor wenigen Monaten ohne Probleme von der Straße auf den Radweg gelangten, befindet sich jetzt eine Kante.

Die Neuerung kommt bei etlichen Zweiradfahrern gar nicht gut an. „Ich fahre dort sehr oft lang“, sagt beispielsweise Rosemarie Hentschel. „Früher konnte ich hier ganz einfach rauf und runter fahren“, so die Wernigeröderin. Dort sei nie ein Bordstein gewesen. Das sei jetzt anders. Zwar gebe es nun auf Höhe des Bolzplatzes an der Großen Dammstraße eine Absenkung. Aber die sei viel zu schmal und auf der linken Seite der Wegemündung nicht gut platziert, meint Rosemarie Hentschel. Vor allem wenn sich an dieser Stelle zwei entgegenkommende Radfahrer begegnen. „So schnell kann man in einer solchen Situation gar nicht abspringen“, hat die Radfahrerin bemerkt.

Die Harzer Volksstimme hat sich die Situation vor Ort angeschaut und selbst getestet. Und siehe da: Auf den ersten Blick wirkt die Absenkung mit zwei Metern relativ breit. Aber schon bei entgegenkommenden Fußgängern, Radfahrern oder Mopedfahrern wird es schwierig. Weicht man aus und fährt doch über den etwa sieben Zentimeter hohen Bordstein, muss man selbst mit einem Mountainbike ordentlich Schwung holen.

Bilder

Passantin hält Lösung für gefährlich

„Das ist wirklich dumm gemacht“, sagt eine Passantin. „Darüber regen sich hier viele auf.“ Sie nutze den Weg häufig, wenn sie mit ihrem Mann zum Garten fahre. Die Absenkung müsste durchgängig sein, ist sie überzeugt. Problematisch sei es immer dann, wenn sie aus Richtung der Garagen komme und nach rechts am Bolzplatz abbiege. „Ich muss mit dem Rad dann einen großen Bogen fahren, um dort abzubiegen. Wenn hinter mir ein Auto kommt, wird‘s gefährlich.“

Im Rathaus weist man die Kritik von sich. Dem Ordnungsamt liegen keinerlei Beschwerden vor, heißt es auf Volksstimme-Nachfrage von Sprecherin Ariane Hofmann. Die Straßenkreuzung Große Dammstraße / Max-Otto-Straße sei im Zuge der Wegesanierung im Stadtfeld auf den neuesten Stand gebracht worden. Als „barrierefreie Querung“. Diese biete eine straßengleiche zwei Meter breite Absenkung für Rollstuhlfahrer, Fahrradfahrer und Nutzer von Rollatoren, die die Straße somit barrierefrei überqueren können, erläutert die Sprecherin. Daneben befinde sich ein Bord für Sehbehinderte, die hier mit dem Blindenstock die Straße ertasten können, um sie dann sicher zu überqueren, so Hofmann weiter. „Dies verbessert die Sicherheit und die Übersichtlichkeit der Straßenkreuzung für alle Verkehrsteilnehmer.“ Die Qualität der Wege habe sich deutlich verbessert.

Das sei durchaus Ansichtssache, meint Radfahrerin Rosemarie Hentschel dazu. „Eigentlich soll der Radwegverkehr doch gefördert werden.“ Stattdessen werde er mit dem neuen Bordstein an der Stelle behindert, so die Wernigeröderin . „Ich sehe darin keinen Sinn.“

1100 Meter neuer Bürgersteig im Stadtfeld

Hintergrund: Seit März 2019 hat eine Halberstädter Baufirma im Auftrag der Wernigeröder Stadtverwaltung Gehwege in der Großen Dammstraße, der Max-Otto-Straße, der Hilde-Coppi-Straße und der Theodor-Fontane-Straße saniert. Rund 1100 Meter Bürgersteig wurden erneuert, auf ihnen 2200 Quadratmeter Betonsteinpflaster einheitlich in Gelb und Anthrazit verlegt. Die Straßenbeleuchtung wurde ebenfalls auf Vordermann gebracht: An 36 Masten entlang der Wege sind energiesparende LED-Leuchten angebracht, zudem wurden 13 Straßenabläufe erneuert.

Die neuen Gehwege samt Fußgängerüberweg an der Stadtfeld-Grundschule sind Ende Juni eingeweiht worden. Rund 535.000 Euro hat das Sanierungsprojekt gekostet. Zwei Drittel der Kosten, also rund 345.000 Euro, werden über das Programm „Stadtumbau Ost – Soziale Stadt“ gefördert. Die Stadtwerke Wernigerode haben im Zuge der Straßensanierung die Trinkwasserhauptleitung sowie die Hausanschlussleitungen erneuert und dafür rund 112.000 Euro investiert.