Wernigerode l Drei neue Brandschützer bei der Minslebener Feuerwehr: Damit ist die Einsatztruppe in dem Wernigeröder Ortsteil auf schlagkräftige 23 Mann angewachsen. Grund zur Freude? Nur teilweise. Denn die Neuzugänge haben die Minslebener vor Schwierigkeiten gestellt. Es war zu eng für drei weitere Spinde im Gerätehaus.

Die Kameraden wussten sich zu helfen und improvisierten. Das Problem besteht jedoch nach wie vor: Das Domizil der Brandschützer ist viel zu klein. Zwei Fahrzeuge stehen in dem schmalen Bau, die nach rechts und links wenig Raum zu den Spinden lassen. „Wir müssen die Autos rausfahren, um uns umzuziehen“, sagt Minslebens Feuerwehrchef Frank Siedenberg. Und damit nicht genug. Die Stellplätze für die Fahrzeuge sind zu eng, die Verkehrswege nicht ausreichend. Es gibt keinen Schulungsraum, keine separaten Umkleiden für Frauen und Kinder. Die Kameraden teilen sich eine Toilette. Waschen müssen sie sich nach einem Brandeinsatz zu Hause, denn auch an Duschen fehlt es an dem mehr als 100 Jahre alten Gerätehaus. „Die meisten von uns haben schon resigniert“, sagt Siedenberg.

Mietangebot eingereicht

Hoffnung keimte Anfang 2017 auf. Joachim Harsing hatte die Feuerwehrleute und Mitglieder des Wernigeröder Ordnungsausschusses in eine Werkhalle am Ortseingang von Minsleben geladen. Das leerstehende Gebäude gehört Harsings Familie. Früher wurden dort Treppen hergestellt. Die Eigentümer könnten sich vorstellen, der Feuerwehr einen Teil des Gebäudes zur Miete zu lassen, hieß es damals.

Die Harsings waren in den letzten Monaten nicht untätig. „Wir haben inzwischen ein Grobkonzept erarbeitet, die Bausumme festgelegt, eine Finanzierung gestrickt“, sagt Joachim Harsing auf Nachfrage. Ein Angebot sei abgegeben worden. Seither warte man auf eine Antwort der Stadt.

Volker Friedrich bestätigt das. „Uns liegt ein Mietangebot mit einer hohen fünfstelligen Jahresmiete vor“, so Wernigerodes Ordnungsdezernent gegenüber der Volksstimme. Die Eigentümer hätten angeboten, das Gebäude normgerecht auszubauen. „Wenn, dann würden wir es für einen längeren Zeitraum, für 20 Jahre, anmieten.“ In den anstehenden Haushaltsberatungen müsse nun zusammen mit den Stadträten abgewogen werden, ob „wir auf das Angebot eingehen oder nicht“. Die Alternative wäre laut Volker Friedrich ein Neubau in Minsleben. Allerdings gebe es im Ort „nicht ohne weiteres“ ein geeignetes Grundstück. „Fakt ist, irgendwann muss da was passieren. Die Zustände sind auf Dauer nicht haltbar“, so Friedrich. Die Feuerwehr Minsleben habe sich in den letzten Jahren „wunderbar“ entwickelt. Das liege zum Teil an Frank Siedenberg, der ein „toller“ Ortswehrleiter sei. Auch die Jugendarbeit bei der Feuerwehr sei „toll“. „Deshalb müssen wir den Dingen ins Auge gucken und etwas tun“, sagt Volker Friedrich.

Erst Schierke fertig bauen

Vorrang habe jedoch die Feuerwehr in Schierke, betont der Ordnungsdezernent. „Wir müssen zusehen, dass wir dort das Gerätehaus fertigbauen beziehungsweise erst einmal anfangen zu bauen.“ Parallel dazu müsse mit den Haushaltsdiskussionen eine Entscheidung über Minsleben getroffen werden. Danach sei Benzingerode dran. „Auch das Gerätehaus wird irgendwann eine Baustelle für uns.“

Hintergrund: In Schierke ist für 2,4 Millionen Euro ein neues Feuerwehr-Domizil geplant, dass auch den Bauhof des Ortsteils und die Bergwacht beherbergen wird. Die Bauarbeiten sollten Mitte 2017 beginnen. Der Baustart hatte sich aber verzögert, weil es Probleme mit der Baugenehmigung gab.