Benneckenstein l „Wir wollen lernen“, „Bildung ist Zukunft“ und auch „Keine Bildung ist zu teuer“ ist auf den Plakaten zu lesen gewesen, mit den Benneckensteiner Schüler ihre Meinung und die ihrer Eltern und sicher auch etlicher Lehrer zum Ausdruck brachten.

Mit großen Pappschildern stellten sie sich im einzigen großen Saal der Schule auf. Der wurde auch gebraucht, denn statt der erwarteten um die 40 Teilnehmer kamen an die hundert sichtlich besorgte Eltern und Bürger. Der Grund: Nach dem Weggang einer Lehrerin in den verdienten Ruhestand rückte niemand nach. Das aber sei vom Landesschulamt immer zugesagt und auch nach letzten Nachfragen der Eltern nicht infrage gestellt worden, wie Nadine Albrecht informierte. Sie ist Vorsitzende des Fördervereins für die Kinder Benneckensteins, der zu dem Bürgertreff eingeladen hatte. Und der damit vielen Eltern aus dem Herzen sprach.

Denn viele befürchteten nicht nur einen Unterrichtsausfall nach den Winterferien, was schon schlimm genug wäre, wie es mehrfach hieß, sondern auch eine Abkehr der Eltern von der Schule. Es gebe schon Eltern, die sich überlegten, ob sie ihr Kind hier überhaupt anmelden sollen, hieß es. Die meisten Eltern forderten jedoch die Bereitstellung von genügend Lehrern.

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Eltern kritisieren Landesschulamt

Es sei „traurig“, dass man im Landesschulamt offenbar nicht wisse, wann eine Lehrerin in den Ruhestand geht und dann auch nicht rechtzeitig für eine entsprechende Regelung sorgt, wurde kritisiert. Eigentlich sollte ein Vertreter des Landesschulamtes beim Treff dabei sein, doch trotz Einladungsversuche, so Albrecht, sei das nicht zustande gekommen. „Vermutlich wegen der Ferien“, hieß es halb lustig, halb bissig. Denn das Landesschulamt sei für die Misere verantwortlich.

Darauf verwies auch die Landtagsabgeordnete Angela Gorr (CDU). Sie setzte sich trotzdem im Vorfeld des Bürgertreffs mit Bildungsminister Marco Tullner (ebenfalls CDU) in Verbindung und engagierte sich für eine Lösung. Die sieht nun so aus, dass ein Lehrer aus der Grundschule Elbingerode nach Benneckenstein abgeordnet werden soll, um dort Sport und Sachkunde zu unterrichten und so den Lehrausfall zu verhindern. Ob das eine Dauerregelung sein kann, blieb offen. Und auch die Frage, dass bei einem möglicherweise gemeinsamen Unterricht für die 1. und 2. Klasse gar kein ausreichend großer Klassenraum zur Verfügung steht, blieb ungeklärt. Schulische Vorgaben, auch über Raumgrößen, müssten eingehalten werden, so Gorr. Sie bat darum, bei dem Protest gegen das Fehlen eines Lehrers nicht zu vergessen, dass der Schulstandort Benneckenstein gerade gesichert wurde.

Oberharzbürgermeister Frank Damsch (SPD) hatte bereits zu Beginn der Versammlung darauf aufmerksam gemacht, dass es Landkreis und Kommune gelungen sei, die Schule zu sichern, und dass Eltern ihr wegen des sicher zu lösenden Problem nicht den Rücken kehren sollten. „Bleiben sie mit ihren Kindern an der Schule,melden Sie die Kinder ordnungsgemäß an!“, appellierte Damsch.

Ministerbesuch in vier Wochen

Vielen Anwesenden brauchte er das nicht zweimal zu sagen. So auch Josephine Schmidt aus Rothesütte im nahen Thüringen, die ihre Tochter in Benneckenstein lernen lassen möchte. Sie und die anderen Eltern fordern die Einhaltung der Vorgaben durch das Schulamt.

„Es war ein erster Treff zu diesem Thema, wir bleiben dran“, versprach Nadine Albrecht zum Abschluss der diszipliniert abgelaufenen Protestversammlung. Sie dankte allen für ihr Engagement.

Als Nächstes steht ein Besuch des Bildungsministers an, wie Angela Gorr angekündigte, und zwar binnen der nächsten vier Wochen. Die Eltern, so wurde deutlich, warten drauf.