Wernigerode l Edelgard Sander ist wütend. Wenn die 60-Jährige mit dem Bus zum Arzt oder in die Stadt fahren möchte, verpasst sie ihn regelmäßig. „Weil er einfach zu weit weg hält, um rechtzeitig einzusteigen“, sagt sie. Es sind vor allem zwei Haltestellen, an denen die Gehbehinderte Probleme beim Einsteigen hat: Die Karl-Marx-Straße und die Kopernikusstraße. Bei letzterer sei die Kante zwischen Haltestelle und Straße zu hoch, um rechtzeitig zum Bus zu kommen. Vor allem, wenn er zu weit von der Haltestelle entfernt hält.

Busse ärgern Anwohnerin Sander

„Wenn ich mit meinem Mann unterwegs bin und er mir hilft, dann ist es kein Problem, aber man möchte auch allein mobil sein“, sagt die Frau mit Schwerbehindertenausweis. Seit acht Jahren ist sie erwerbsunfähig. Nach schwerer Krankheit mit Bandscheibenproblemen und Herzinfarkten ist sie auf eine Gehhilfe angewiesen.

Ist der Bus einmal weg, muss sie 30 Minuten auf den nächsten warten, in der Hoffnung, dass dieser bequemer für sie hält. Bereits vor fünf Jahren hatte sie sich an die Harzer Volksstimme gewandt. „Besser ist seitdem nichts geworden“, sagt sie. Regelmäßig beschwere sie sich bei den für die Busse in Wernigerode zuständigen Harzer Verkehrsbetrieben (HVB). Sie bekomme immer wieder den Hinweis, dass Busfahrer zu Barrierefreiheit geschult werden. „Geändert hat sich nichts“, so Edelgard Sander erregt.

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„Schulungen gibt es in der Tat regelmäßig“, sagt HVB-Geschäftsführer Bjoern Smith auf Nachfrage. „Mobilitätseinschränkungen betreffen nicht nur Behinderte, sondern auch Eltern mit Kinderwagen“. Einige Mitarbeiter zeigten Eigeninitiative und packten mit an. „Aber natürlich kann es einzelne Busfahrer geben, denen das Bewusstsein dafür fehlt. Mit denen werde ich mich auseinandersetzen.“ Bei Kontrollen sei bisher niemand negativ aufgefallen, ergänzt Smith. Um mit den Fahrern zu sprechen, benötige er die genaue Uhrzeit, zu der es Probleme gibt, und die Buslinie.

Falschparker behindern Bus

An beiden Haltestellen gäbe es unterschiedliche Ursachen für die Behinderung. „In der Kopernikusstraße ist es ein bauliches Problem. Falschparker hindern die Busse daran, an dieser Stelle im richtigen Radius zu parken. Daran können wir als Harzer Verkehrsbetriebe aber wenig ändern“, erklärt der Geschäftsführer.

In der Karl-Marx-Straße sei ihm kein solches Problem bekannt. „Es muss sich also um Einzelfälle handeln. Das ist ein wichtiges Thema. Ich werde mit den betroffenen Fahrern sprechen.“ Fahrgäste, die Probleme haben, könnten sich an die HVB wenden.

Das HVB-Kundencenter ist unter der Telefonnummer (0 39 43) 56 41 34 montags bis donnerstags von 6 bis 17 Uhr und freitags von 6 bis 16 Uhr erreichbar.