Wernigerode/Halberstadt l „Meckern hilft nicht, konstruktive Vorschläge schon.“ Mit diesen Worten reagiert Reinhard Schlotter auf Kritik an Harzer Corona-Fieberzentren. Der 63-Jährige ist einer von vier Ärzten, die sich zum freiwilligen Dienst in der improvisierten Ambulanz am Kohlgarten in Wernigerode gemeldet haben. „Eine Situation wie diese haben wir noch nie erlebt, lernen jeden Tag dazu“, so der Mediziner mit Blick auf die Abläufe im ehemaligen Wohnheim.

Nun sollen ausnahmslos alle Verdachtsfälle, die sich in den drei Zentren in der bunten Stadt am Harz sowie in Halberstadt und Quedlinburg testen lassen, Anrufe über ihren Befund erhalten – auch, wenn dieser negativ ausfällt. „Dafür haben die Kassenärztliche Vereinigung und das Gesundheitsamt aufgerüstet“, berichtet Schlotter. Studenten würden als Verstärkung rekrutiert, um diesen Service leisten zu können.

Verunsicherung in Wartezeit

Dass negativ Getestete bislang nicht oder erst nach langer Zeit informiert wurden, sorgte unter Betroffenen für Verunsicherung. In der Halberstadt-Gruppe auf Facebook berichteten mehrere Bürger, dass sie vor Tagen oder gar einer Woche das Fieberzentrum aufgesucht hätten und seitdem auf eine Antwort warteten. Sie, so die Schreiber, seien verunsichert, wie sie sich nun zu verhalten haben: Dürfen sie das Haus für Einkäufe verlassen oder stehen sie unter Quarantäne?

Ähnliches berichtete eine Volksstimme-Leserin aus Halberstadt. Sie wurde am Montag getestet, über das negative Ergebnis ist sie jedoch erst am Donnerstagnachmittag telefonisch informiert worden. Dass sie es zuvor doch schon wusste, hatte sie allein ihrer Eigeninitiative zu verdanken – weil die Frau ihre Hausärztin aufsuchte und diese nachforschte.

600 negative Tests allein in der ersten Woche

Anfangs seien die Behörden überfordert gewesen, räumt Dr. Schlotter ein. „In der ersten Woche hatten wir kreisweit 600 negative Befunde – es war einfach nicht zu schaffen, mit allen Getesteten zu telefonieren“, so der Wernigeröder weiter. Doch wer binnen fünf Tagen keinen Anruf erhalten habe, könne beruhigt sein. „Wir raten Besuchern, solange zu Hause zu bleiben, bis ihnen ein Ergebnis mitgeteilt wird.“ Im Testzentrum könne jeder eine Krankschreibung für eine Woche erhalten, die das Daheimbleiben ermögliche.

Am Montag, 23. März, hatten zudem nicht 80 bis 90 Wartende vor der Fieberambulanz in Wernigerode Schlange gestanden, sondern 45 Besucher ließen sich während der zwei Schichten über sechs Stunden testen. „Ein durchschnittlicher Tag“, wie Schlotter sagt. Der Arzt rechnet damit, dass die Zahl der in den Zentren genommenen Rachenabstriche weiter steigt. „Ich gehe davon aus, dass uns die Corona-Pandemie nicht Wochen, sondern Monate beschäftigen wird.“

Labore arbeiten in Schichtsystem

Um zeitnah Befunde liefern zu können, liefen die Labore, in denen die Stäbchen analysiert werden, in mehreren Schichten, ergänzt der Mediziner. Dort werde genauso Schwerstarbeit geleistet wie beim Team im Testzentrum, zu dem neben Ärzten auch Pfleger, Schwestern und Studenten gehören. „Alle Helfer sind in Eigeninitiative hier.“ Resultate der Tests erfahren sie nicht.

Die Fieberambulanz in Wernigerode funktioniere nur dank Unterstützung der Kassenärztlichen Vereinigung und von Partnern aus der Region – sei es mit Desinfektionsmitteln, Schutzkleidung oder einfach einem Kuchen, den eine Dame aus Dankbarkeit vorbeibrachte.

Das Regiohotel Schanzenhaus kündigt unterdessen an, alle Krankenpfleger und Ärzte in der Ambulanz am Kohlgarten täglich mit einem kostenlosen und warmen Mittagessen aus der hauseigenen Küche zu versorgen. „Durch die außergewöhnliche Lage sind sie großen Belastungen ausgesetzt und müssen körperlich wie physisch viel leisten“, begründet die Geschäftsführung.