Wernigerode/Halberstadt l Eine Auslandsreise nach Amerika, stundenlanger enger Kontakt beim Rückflug und anschließend Erkältungssymptome, die zumindest den Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus aufkommen ließen. Ein der Volksstimme namentlich bekannter Mann aus dem Harzkreis hat sich nach eigenen Angaben vor einigen Tagen im Fieberzentrum in Wernigerode testen lassen. Dabei hat der Unternehmer auch Dinge wahrgenommen, die bei ihm einige Zweifel am optimalen Ablauf haben aufkommen lassen. „Keine Frage – die Leute  vor Ort tun, was sie können und setzen sich dabei einem persönlichen Risiko aus. Davor habe ich echt Respekt.“ Gleichwohl sehe er, wenn er das gesamte Krisenmanagement rund um die Corona-Pandemie im Landkreis beobachtet, noch einige Reibungsverluste.

Eine Einschätzung, mit der der Harzer nicht allein steht. Eine Frau, die sich vor wenigen Tagen in Halberstadt testen ließ, berichtet von einem Problem, das aktuell immer wieder genannt wird: Patienten, bei denen der Test negativ ausgefallen ist, werden darüber entweder nur mit viel Zeitverzug informiert oder sie müssen selbst Klimmzüge machen, um davon Kenntnis zu bekommen. Im konkreten Fall wurde die Frau am Montag getestet, das negative Ergebnis erhielt sie per Anruf am Donnerstagnachmittag. Dass sie es zuvor schon wusste, ist allein dem Umstand geschuldet, dass sie auf eigene Initiative ihre Hausärztin aufsuchte und diese nachforschte.

Probleme, die eine Sprecherin der Kreisverwaltung auf Anfrage einräumt. Die Mitarbeiter im Gesundheitsamt seien aktuell extrem belastet. Täglich gingen Hunderte Faxe mit Testergebnissen ein. Bei deren Abarbeitung hätten die positiv auf Corona getesteten Patienten Priorität. Allein am  Donnerstag, 23. März, gab es kreisweit neun neue Infizierte.

Ansturm zum Wochenstart in Wernigerode

Derweil folgte im Fieberzentrum Wernigerode nach dem Sturm zum Wochenstart am Donnerstag, 26. März, die Ruhe. Bis zum Nachmittag hätten sich rund 30 Verdachtsfälle testen lassen, berichtet Markus Wesirow von der Ortsgruppe der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG). Gemeinsam mit Christian Jähne, ebenfalls DLRG-Mitglied, kümmert er sich darum, dass vor dem ehemaligen Lehrlingwohnheim am Kohlgarten alles geordnet zugeht. „Jeden Tag gibt es neue Informationen, wir müssen flexibel bleiben“, ergänzt Jähne.

Um auf den unterschiedlich starken Andrang reagieren zu können – am Montagvormittag, 23. März, hätten rund 80 bis 90 Wartende Schlange gestanden – haben die Fieberzentrum-Organisatoren inzwischen aufgerüstet: Die Zahl der Wartezimmer im Gebäude sei am Donnerstag von zwei auf fünf aufgestockt worden. „So können wir besser nach Symptomen und Schwere der Erkrankung sortieren“, erläutert Wesirow. Zudem zeigen nun gelbe Markierungen vor und im Gebäude, welchen Abstand Patienten zum Schutz vor Infektionen untereinander einhalten sollen.

Priorität bei Husten und Fiebersymptomen

„Unser Job ist es, die Leute zu beruhigen, sie über die Sicherheitsvorkehrungen zu belehren und – im Ernstfall – zwischen den Wartenden zu priorisieren“, sagt das DLRG-Mitglied. Heißt im Klartext: Beide Männer untersuchen im Gespräch mit den Anstehenden vor der Ambulanz, wer etwa besonders stark hustet oder Fiebersymptome zeigt. Diese Patienten würden sofort zum Test vorgelassen. „Aber keine Panik, jeder kommt dran“, verspricht Jähne.

Zudem solle nun jeder, der sich im Fieberzentrum auf das Coronavirus testen lässt, über sein Ergebnis informiert werden. Bislang seien tatsächlich nur positive Fälle über ihren den Befund benachrichtigt worden – viele Getestete hat diese Unklarheit irritiert. „Es dauert aber meist drei Tage, bis es den Anruf gibt“, erläutert Wesirow.

Das Fieberzentrum am Kohlgarten in Wernigerode ist montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr und 13 bis 16 Uhr geöffnet sowie samstags von 9 bis 13 Uhr. Alle aktuellen Entwicklungen zum Thema Corona in Sachsen-Anhalt finden Sie hier in unserem Live-Ticker und in unserem Dossier.